Sonntag, 7. Juli 2019

Wir Mittelmäßigen

.
Mittelmäßige aller Länder, vereinigt Euch, denn Ihr seid die stärkste Kraft auf dieser Erde! Ich fühle mich zu Eurer Ehrenrettung aufgerufen, denn ich entstamme Eurer Mitte und teile Eurer Schicksal!

Vielleicht hattet auch Ihr lange die Hoffnung, mit irgendeiner Tat oder einem klugen Text die allgemeine Aufmerksamkeit auf Euch zu ziehen und etwas Ruhm zu erwerben. Aber wenn Ihr ehrlich seid, hat das angesichts unseres immer höheren Lebensalters nie so recht geklappt und die Chancen auf ein Wunder nehmen damit auch ab. Fontane schrieb seine berühmten Romane erst im letzten Lebensabschnitt, das lässt hoffen, aber er hatte in seinem ganzen Leben vorher schon dafür geübt. Sein Ruhm war also nicht wirklich überraschend. Und er ist dadurch auch kein gutes Modell für unser Problem.

Aber was heißt schon Ruhm? Einige wenige  Menschen der Menschheitsgeschichte sind in die Walhalla eingegangen. Einige von ihnen wirklich aufgrund hervorragender Leistungen, bei anderen lässt es uns eher grausen, wenn wir an die Kosten denken, die andere tragen mussten, damit sich unser "Held" gegen andere durchsetzen konnte. Ich denke da z.B. an die Millionen von Opfern an Menschenleben, die Stalin und Mao auf ihrem Weg an die und an der Spitze offenbar ohne Gewissensbisse in Kauf genommen haben. Und die Opferzahlen bei Alexander dem Großen wären sicherlich auch erschreckend, würde man sie heutzutage noch kennen. Ist es nicht gut, dass wir  uns mit solchen moralischen Problemen nicht herumschlagen müssen?

Überhaupt, die Vergänglichkeit! Wer kennt heute noch die Schriftsteller (früher hatte man viel schneller noch den Ehrentitel "Dichter" parat), die vor einhundert, zweihundert Jahren berühmt waren? Selbst der Ruhm solcher Geistesgrößen wie Goethe und Schiller bröckelt, wenn unsere Kinder sie kaum noch in der Schule lesen und auch nicht mehr "Die Glocke" auswendig lernen dürfen, wie es meinem Bruder noch vergönnt war! Und unsere heutigen Erinnerungen werden auch nicht ewig vorhanden bleiben, wenn keine Tontafeln und Bücher mehr aufgehoben werden, sondern nur noch digitale Speichermedien. Werden sie überdauern, wenn irgendwann einmal der Menschheit der Strom zum Betreiben der Festplatten auf allen Servern ausgeht?

Real aber ist, was wir Mittelmäßigen bewirkt haben und bewirken, nämlich den Fortbestand der Menschheit, unser Überleben selbst der größten Krisen durch unsere Kraft und unseren Mut, immer wieder weiterzumachen und das Staffelholz an die nächste Generation weiterzugeben! Wir sind die Garanten der menschlichen Kultur, solange die Lebensbedingungen auf unserer Erde ein Weiterleben der Menschheit möglich machen. Seid stolz darauf!

Montag, 24. Juni 2019

Lektüretip: "Kinder fordern uns heraus"

.
Ganz habe ich der Psychologie dann doch noch nicht abgeschworen, wenn ich diesen Beitrag an den vorigen anschließen möchte! Ich habe einen Leserbrief an das Publik-Forum verfasst, das einen meiner früheren "Klassiker" wieder in seine Buchauswahl für den Vertrieb über seinen Shop aufgenommen hat.

Ich besitze keine Neuauflage dieses Buches, es ist jetzt bei Klett-Cotta im Angebot. Zitieren kann ich nur meine uralte Ausgabe, mit der ich Jahrzehnte gearbeitet habe. (Also bei Interesse aktualisieren!)

Rudolf Dreikurs & Vicki Soltz: Kinder fordern uns heraus.
Wie erziehen wir sie zeitgemäß? - Stuttgart: Klett 1976. 
                                                                         (damals bereits 166. - 200. Tausend!)

Hier mein Leserbrief:

Liebes Publik – Forum,



mit großer Freude habe ich auf der Bücherliste des Publik – Forum – Shops  (in 4/19 und 11/19) einen „alten Bekannten“ wieder gefunden, nämlich das Buch von Rudolf Dreikurs „Kinder fordern uns heraus“. Ich denke, es war in den 70er/80er Jahren ein besonders weit verbreitetes Erziehungsbuch in Deutschland. Aber auch in diesem Genre gibt es offenbar „Moden“, und so schien mir dieses Buch schon weitgehend „vergessen“, obwohl spätere Autoren gern auf Ideen des Dreikurs-Teams zurückgriffen…



„Kinder fordern uns heraus“ ist ein äußerst praktisches, an vielen konkreten Beispielen anknüpfendes Buch, das Eltern zur Selbstreflexion ermutigt und ihnen viele Ideen für die Erziehungspraxis jenseits von Zwang und autoritärem Gehabe vermittelt. Aber es zeigt eine klare Orientierung und war ein Gegenpol gegenüber der damals sehr gelobten „antiautoritären Erziehung“.



Als Ratgeber  war dieses Buch in meinen Augen stets „1. Wahl“, auch durch seinen Bezug auf die Individualpsychologie Alfred Adlers und dessen soziales Menschenbild. „Kinder fordern uns heraus“ waren für mich in meiner Zeit als Dozent in der Ausbildung von Erzieherinnen und Heilpädagoginnen eine hilfreiche  Unterstützung und haben für viele positive Rückmeldungen gesorgt.



Schön, dass Sie diesen Klassiker wieder aufleben lassen!


                                          


Sonntag, 23. Juni 2019

Lektüretip: "Das Netzwerk der Neuen Rechten"


Früher habe ich mich eher mit Literatur oder psychologischen Fragestellungen beschäftigt, jetzt ist mein Interesse mehr bei politischen und sozialen Themen gelandet.

Meine letzte "Lesefrucht" hat mich aufgerüttelt, handelt es sich doch um ein derzeit sehr aktuelles Thema: Das Erstarken des "rechten Randes" der Gesellschaft, am deutlichsten sichtbar in den Wahlerfolgen der AfD .

Christian Fuchs & Paul Middelhoff: Das Netzwerk der 
Neuen Rechten.  Wer sie lenkt, wer sie finanziert und
wie sie die Gesellschaft verändern. - Reinbek bei
Hamburg: Rowohlt 2019.

Die Autoren haben gründlich recherchiert, welche Personen hier das Sagen haben, wie sie sich untereinander vernetzen und Wirkung entfalten, mit guten Verbindungen zum rechten Flügel der AfD. Man muss es anerkennen - so wenig ich mit Menschen mit derartigen Einstellungen auch gemein habe -, dass sie eine hervorragende mediale Strategie entwickelt haben, ihre Themen in den öffentlichen Fokus zu befördern und ständig im Mittelpunkt irgendwelcher Pressekampagnen zu stehen. Ziel, eine Diskursverschiebung in der Gesellschaft hin nach rechts zu bewirken, Themen in die Öffentlichkeit zu bringen, die früher "out" waren, und das mit einer relativ kleinen Zahl von Akteuren, die aber hervorragend vernetzt sind und offenbar für die Verbreitung ihrer (Irr-)Lehren "brennen".

Dies mit Namen und Angaben zu den Hauptakteuren zu belegen, ergänzt durch die wichtigsten aktuellen Iniativen, dadurch ein nachvollziehbares Bild dieser Bewegung und ihrer  Bestrebungen zu zeichnen, ist ein großes Verdienst dieser (aufklärenden) Schrift der beiden Autoren.  

"Strategien gegen rechts" zu entwickeln ist allerdings nicht das Thema des Buches. Aber man muss seinen Gegner ja zunächst auch gut kennen, um ihm angemessen begegnen zu können. Dafür leisten die Autoren eine hervorragende Aufklärung!

Der Psychologe in mir rührt sich aber doch: Ich würde gern mehr über den sozialpsychologischen und biographischen Hintergrund der  Akteure in diesem Feld erfahren. Es ist mir sehr fremd, mich in diese Gedankenwelt einzufühlen, geschweige denn mich dafür zu engagieren. Was ist der Hintergrund, dass Menschen sich aber genau in diese Richtung entwickeln?

Samstag, 22. Juni 2019

ethische Dünnbrettbohrer

.
Ich weiß nicht mehr genau, was der konkrete Anlass war, wahrscheinlich eine Fernsehdokumentation über Populisten in Europa, plötzlich war dieser Begriff in meinem Kopf: ethische Dünnbrettbohrer! Nicht gerade wohlklingend, keine sprachliche Sonderleistung, inhaltlich aber so, dass ich mir sage: Genau das ist es! Diejenigen, die über ihre ausschließlich eigenen Interessen hinweg keinen Blick mehr auf andere Menschen haben, die Welt nur noch aus dieser eingeengten Perspektive betrachten und keinerlei Verantwortung für ein gelingendes Miteinander übernehmen wollen, aber alle diejenigen, die diese Idylle stören und andere Wünsche und Bedürfnisse haben, am liebsten auf den Mond schießen würden. Mein Mütchen gekühlt für diesen Morgen ...

Freitag, 21. Juni 2019

"feuern"

.
Gerade habe ich in der Zeitung gelesen, dass Trump einige Leute "gefeuert" haben soll, die in seinem Machtbereich an Umfragen beteiligt waren, die z.Zt. für Trumps Wiederwahl übereinstimmend ungünstige Ergebnisse zeigen. Grandios kleinkariert ...

Immerhin dürfen sie weiterleben... Das ist nicht selbstverständlich bei Diktatoren, die sich die Welt in ihrem Sinne (vorübergehend) "verbiegen". In Nordkorea sollen nämlich einige Köpfe gerollt sein - wohl tatsächlich mit Hinrichtungen -, als die letzte Verhandlungsrunde mit Trump kein Ergebnis gebracht hat.

Es ist offenbar tatsächlich ein Vorurteil, in der Menschheitsgeschichte gäbe es eine allmähliche Evolution hin zu mehr Klugheit und Menschlichkeit...

Da dies meine frühere Erwartung war, könnte ich den heutigen Eintrag auch unter meine Rubrik "Dinosauria" subsumieren.    

 

Mittwoch, 19. Juni 2019

Trump, ein grandioser Populist


Den folgenden Beitrag verdanke ich der Bundeszentrale für Politische Bildung, die über ihren Dienst  eurotopics-d@mailman2.bdp.de täglich eine Presseschau über wichtige Berichterstattungen, speziell von europäischen Zeitungen anbietet.

 

Heute veröffentlichte sie den folgenden Beitrag von Martin Liby Troein, der mir die Augen geöffnet hat über Trumps Strategie – und die Strategien von populistischen Herrschern insgesamt.  Anlass war Trumps Ankündigung vor einer großen Versammlung von Anhängern, für die nächste Präsidentenwahl wieder zu kandidieren. Dabei verdammte er die Demokraten aufs schärfste und beschwor den Untergang der USA, sollte er nicht wiedergewählt werden.

 

Ich zitiere:

 

 

Populistischer Dauerzustand


Eigentlich befindet sich der US-Präsident permanent im Wahlkampf, stellt Dagens Nyheter fest:

„Neue Gesetze und Verordnungen sind nicht der Kern der Politik des Präsidenten. Sie kreist vielmehr um wilde Attacken und grandiose Ankündigungen. Am liebsten auf Twitter. ... Wobei dieses Verhalten nicht mal besonders merkwürdig ist. Donald Trumps Versprechen - und die eines jeden Populisten - richten sich nicht auf die Lösung von Problemen aus, sondern auf einen Konflikt mit Gruppen, die seine Wähler nicht mögen. Das wird durch eine permanente Kampagne bedient, nicht durch Sachpolitik."


Noch ein Kaleidoskop!

.
Am 8.6. 19 hatte ich bereits eine Sammlung verschiedener Zitate hier in meinem blog veröffentlicht. Jetzt habe ich noch weitere gefunden, die mir auch gut gefallen und die ich durchs Aufschreiben vor dem Aus-den-Augen-Verlieren bewahren möchte!

Sie strammen wiederum aus dem am 8.6. erwähnten Kalender oder sind "Schlusspunkte" aus verschiedenen Heften des Publik-Forums.

Du lächelst -
und die Welt
verändert sich.

Buddhistische Weisheit

Wenn alles still ist, geschieht
am meisten.

Sören Kierkegaard (1813 - 1855)

Die Geschichte lehrt dauernd ,
aber sie findet keine Schüler.

Ingeborg Bachmann (1926 - 1973)

Geduld ist das Vertrauen, 
dass alles kommt,
wenn die Zeit reif ist.

Fernöstliche Weisheit

Optimist:
Einer, der Kreuzworträtsel mit
dem Kugelschreiber ausfüllt.

Marcel Achard (1899 - 1974)