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Donnerstag, 1. September 2011

Mein Motto für den Monat September 2011: Das Paradies finden

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"Der Himmel kann warten,

ich hab ja das Paradies

auf Erden."


Walter Bartlomé

Diese Aussage ist das Motto zu dem wunderbaren Film „La casa delle favole“ (Das Haus der Märchen) von Karl-Heinz Heilig, den dieser 1999 veröffentlichte. Karl-Heinz Heilig drehte ihn im Garten von Walter Bartlomé in einem abgeschiedenen Tal in der Nähe von Basel. Bartomé hatte sich dort über Jahrzehnte einen wundervollen Garten geschaffen, mit dem er regelrecht „verwachsen“ war und den er liebevoll pflegte, zum gegenseitigen Gewinn. Ein wundervoller meditativer Film!

Donnerstag, 7. April 2011

Das Labyrinth der Wörter

Eigentlich wollten meine Frau und ich nur einmal zur Entspannung ins Kino gehen und einen Film ansehen, der unterhaltsam, geistreich und möglichst nicht von der üblichen "aggressiven" Machart sein sollte. Aber wir hatten fast keine Vorinformationen.

Und dann hat mich "Das Labyrinth der Wörter" so fasziniert, dass ich ihm unbedingt einen blog-Beitrag widmen möchte: Der schwergewichtige Germain (Gérard Depardieu), etwa 50 Jahre alt, vom Leben und seiner chaotischen Mutter ziemlich mitgenommen und angesichts seiner schrecklichen Schulerlebnisse fast Analphabet geblieben, lernt die 40 Jahre ältere Margueritte (Gisèle Casadesus) kennen, die ihm von nun an bei ihren täglichen kurzen Treffen Auszüge aus ihren Lieblingsromanen vorliest. Sehr fremd für Germain, aber irgendwie gelingt es Margueritte, ihn in ihre Welt der Wörter und Bildung mit hinein zu ziehen. Er kann sich diesem Sog nicht entziehen. Die Wörter ergreifen Besitz von seinem Kopf und verändern ihn. Marguerittes Augen werden immer schwächer, da liest nunmehr Germain, der alle seine Kräfte zusammennimmt, ihr mit großer Anstrengung vor. Als sie eines Tages verschwindet, weil ihre Familie nicht mehr das verhältnismäßig teure Altersheim bezahlen will, macht sich Germain auf die Suche nach ihr ... Ein modernes Märchen, gleichzeitig eine Liebesgeschichte auf verschiedenen Ebenen, zwischen Germain und Margueritte, zwischen Germain und seiner liebevollen Partnerin und zwischen Germain und den Wörtern, die ihm einen neuen Zugang zum Leben eröffnen! Und ein unschlagbarer Beweis für den Wert von Bildung! An einer Stelle sagt Germain sinngemäß, früher - ohne die Wörter - habe er viel bequemer einfach so vor sich hin leben können, jetzt sei alles viel komplizierter, weil er über alles erst einmal nachdenken müsse ...

Unbedingt hingehen!!!

Dienstag, 29. Juni 2010

„Precious – Das Leben ist kostbar“


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Wow! Was für ein Film! Was für eine Hauptdarstellerin! Seit ich Besprechungen dieses Films gelesen und Fotos der Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe gesehen hatte, war mir klar: Diesen Film musst du unbedingt sehen!


Precious – Das Leben ist kostbar. USA 2008. Regie Lee Daniels. In den Hauptrollen Gabourey Sidibe als gequälte Tochter und Mo’Nique als demütigende und schlagende Mutter, die für ihre überzeugende Darstellung einen Oscar erhielt. Drehbuch nach einem Roman von Sapphire. Insgesamt gab es sechs Oscar-Nominierungen für diesen Film. Die MOZ zählte ihn zu den besten Filmen des Jahres (25.3.2010).


Was für ein schreckliches Leben! Die farbige 16 jährige Claireece ist bereits vom Leben gezeichnet. Extrem übergewichtig, vom eigenen Vater zweimal geschwängert, von der Mutter seelisch gequält und körperlich misshandelt, bisher überall eine Außenseiterin und ohne jeden Schulerfolg, macht sie sich dennoch auf den mühseligen Weg, ein eigenes Leben für sich und ihre Kinder aufzubauen. Sie findet eine Spezialschule mit einer Lehrerin, die an sie glaubt, und lernt, trotz aller Widerstände, in unglaublich kurzer Zeit Lesen und Schreiben, alles das, was ihr bisher mehr oder weniger verweigert worden war (bzw. an der vorhergehenden Normalschule hatte sie einfach keine Chance bei ihren Rahmenbedingungen). Als sich dann noch eine Sozialarbeiterin verstärkt um sie bemüht, gelingt ihr auch die Abnabelung von ihrer gewalttätigen Mutter, die sie in ein allerdings weiterhin ungewisses Schicksal verlässt.


Was können Menschen einander alles antun? Welche nur erdenkbaren Schrecken können jemand treffen? Der Film lässt nichts aus. Die Bestie von Vater, der seine Tochter bereits als Kleinkind missbraucht und ihr später zwei Kinder macht, als Andenken an ihn nach seinem Tod auch noch mit der Gewissheit, die HIV-Erkrankung des Vaters „geerbt“ zu haben. Die völlig aus der Bahn geworfene Mutter, die nur noch auf Kosten der Sozialhilfe und der Arbeitsleistung ihrer Tochter dahinvegetiert, als einzigen Dank aus Eifersucht auf ihre Tochter dieser das Leben zur Hölle machend … (Es gibt da einige schlimme Szenen im Film. Er ist freigegeben ab 12 Jahren, ich hätte diese Altersgrenze eher auf 18 heraufgesetzt.) So massiert habe ich Elend, Missbrauch und Gewalt noch nie im Kino gesehen.


Neben diesen schwärzesten Seiten hat dieser Film aber auch einen erstaunlichen Optimismus, der ansteckend ist und den Zuschauer mit der Heldin mitzittern, aber auch erleichtert aufatmen lässt, wenn Precious, wie Claireece genannt wird, diese Gewaltspirale verlassen kann und sich in ein eigenes Leben, fern ab von allen ihren bisherigen Quälgeistern, aufzumachen versucht. Ist das realistisch – oder nur ein schöner Traum? Jedenfalls ist ihre Energie bewunderungswürdig, nach jeder Demütigung erneut aufzustehen und weiterzumachen.


Ein Hoch natürlich auch auf jegliche Form von Bildung und einfühlsame Lehrer, die selbst für derartig schwierige „Fälle“ Engagement über jedes normale Maß aufbringen! Da ist dann die Frage an mich, der ich ja auch aus dem „Helferlager“ stamme: Wie machen Lehrerin und Sozialarbeiterin das bloß? Sie entwickeln eine fast übermenschliche Geduld, Mitleidensfähigkeit und ein Engagement, das weit über eine normale „Berufstätigkeit“ hinausreicht, zumal beide nur unzureichende Arbeitsbedingungen haben. (Ich denke da an das Großraumbüro der Sozialarbeiterin, in dem sie nur eine „Ecke“ zu eigen hat, in der sie aber Gespräche mit den kompliziertesten Klienten führt.) Hält das jemand wirklich länger durch? Das ständige Elend der Klienten und die wahrscheinlich nur eingeschränkten Hilfsmöglichkeiten? Werden hier nicht auch zwei Frauen gezeigt, die bei anhaltendem Engagement in diesem Ausmaß auf ihren Zusammenbruch in einem „burn out“ hinsteuern? Aber es ist ja ein Spielfilm und keine Dokumentation.


Der Film will aber offensichtlich hauptsächlich aufrütteln und für Leid und Gewalt sensibilisieren. Auch für die Botschaft, dass es in den schlimmsten Lebenssituationen noch eine Chance geben kann, wenn ein lernwilliger Mensch bereit ist, alte Bahnen zu verlassen und die echte Hilfe anderer anzunehmen (nicht nur die Leistungen der Sozialkasse).


Da bleiben dann so spezialisierte Fragen offen wie meine, wie man diese Handlung mit dem schönen neuen Konzept der Resilienz in Verbindung bringen könnte. Immerhin ein „Renner“ in den Sozialwissenschaften der letzten Jahre! Der Ansatz versucht eine Antwort darauf zu geben, warum einige Menschen, die Schlimmes in ihrem Leben durchmachen mussten, dennoch „heil“ aus dieser Misere hervorgehen, während die meisten anderen, die gleiche Bedingungen hatten, untergehen, Störungen entwickeln oder asozial werden. Die Resilienzforschung hat dafür besonders verantwortlich gemacht, dass Kinder aus schwierigsten Verhältnissen dennoch in ihrer Kindheit und Jugend Unterstützung durch einen/einige verlässliche Menschen gefunden haben, auf die sie bauen konnten. Da ist in der Biographie von Precious aber niemand zu entdecken. Dennoch ist sie offen und kann die Angebote von Lehrerin und Sozialarbeiterin annehmen, sie reagiert eher sogar wie ein „Schwamm“! Im Gegensatz zu den Forschungsergebnissen tritt diese Unterstützung bei ihr aber erstmalig im beginnenden Erwachsenenalter auf, nicht in der Kindheit. Nun, jeder, der sich mit dem Resilienz-Konzept beschäftigt, möge selber darüber nachdenken, ob dieser Film damit vereinbar ist oder nicht.


Egal wie: Unbedingt ansehen!

Freitag, 26. Februar 2010

Lieblingszitate CVI

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Die Raben
fliegen in Schwärmen.
Der Adler
fliegt allein.


aus dem Film "Jenseits der Stille"

Das sind die Worte des Musiklehrers, mit denen er die hoch talentierte Lara tröstet, die von ihren Mitschülern als Außenseiterin behandelt wird. Sie haben keinen Sinn für ihr tolles Klarinettespiel und schon garnicht für die besonderen Belastungen, die für sie durch die Fürsorge für ihre taubstummen Eltern entstehen.

Einer meiner liebsten Filme! Ich habe ihn sehr oft gesehen, weil ich ihn unter verschiedenen Fragestellungen gerne im Unterricht gezeigt habe. Wahrscheinlich ist es wie mit einem guten Buch: Der Film wurde mir nie langweilig, vielmehr konnte ich erst allmählich verschiedene Feinheiten entdecken, die mir beim einmaligen Sehen völlig verborgen geblieben wären.

[In meiner Sammlung von Zitaten seit 1998]

Samstag, 2. Mai 2009

Bernhard Schlink: Der Vorleser


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Gestern haben meine Frau und ich den Film nach Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ angesehen. Ein Drama um unsere Deutsche Vergangenheit, Schuld, Mit-Schuld (?), Sühne, ganz am Rande auch: ein Hauch von Vergebung, dann sehr viel an familiären Verstrickungen und ganz viel Schweigen …

Das Schweigen der Hauptpersonen ist fast unerträglich und zerstört ihr eigenes Leben und bürdet die weitere Verarbeitung den Nachgeborenen auf. Das erinnert mich an die zerstörerische Kraft von „Familiengeheimnissen“, die ihre unheimliche Wirkung solange tun können, bis jemand den Mut aufbringt, sie auszusprechen und dadurch eine Bearbeitung, vielleicht Trauer, vielleicht Sühne, zu ermöglichen. Jedenfalls ist keine wirkliche persönliche Weiterentwicklung möglich, solange das Geheimnis als Gift wirkt.

Hanna, die ehemalige KZ-Aufseherin, scheint fast mehr unter ihrer Scham über ihren totgeschwiegenen Analphabetismus zu leiden als unter Schuldgefühlen für ihre schreckliche Vergangenheit in der SS. Sie zieht Michael, ihren jugendlichen Geliebten, der für die nächste Generation steht, in diesen Strudel hinein. Dieser hat durch seine denkwürdige Familienkonstellation auch nicht gelernt, Probleme vertrauensvoll zu besprechen und Lösungen zu suchen und wird der nächste, dessen Leben aus der Bahn gerät und der außerstande ist, eine Beziehung dauerhaft zu gestalten und seiner Tochter gerecht zu werden. Sie ist die zunächst letzte in der Kette. Der Film zeigt sie noch als Persönlichkeit unfertig, etwas orientierungslos, im Zweifel über ihren Vater und in Befürchtungen um eine Mitschuld an ihren gemeinsamen Kommunikationsproblemen. Ausgerechnet diese arme Tochter hat sich Michael ausgewählt, um ihr sein Leben zu beichten …

Die Psychoanalytiker lassen grüßen … Ich finde das Verhalten von Michael gegenüber seiner Tochter verantwortungslos, da er vorher keinerlei Anstalten trifft, sich zunächst aus eigener Kraft zu stabilisieren.

Viele weitere Ideen gehen mir noch durch den Kopf. Es ist ja ein großes Thema geworden (mit Filmen und vielen Buchveröffentlichungen), dass heutige Enkel die Probleme ihrer Großeltern aus der Nazi-Zeit aufdecken und bearbeiten, um eine Chance dafür zu bekommen, dass die unselige Vergangenheit nicht weitere Generationen vergiftet. Und ich denke an Bert Hellinger, der als seine Form von Friedensarbeit aufgefasst hat, mit Hilfe seiner Methode von Familienaufstellungen Opfer und Täter der schrecklichen Vergangenheit zusammenzubringen, da sich das Schicksal der Betroffenen durch diese Taten untrennbar verbunden habe. (Ein Ansatz, der unter den Nachgeborenen der Opfer vielleicht nur wenig Freunde hat, aber auch ein Jesus Christus ist ohne Pontius Pilatus und die römischen Soldaten, die ihn ans Kreuz nagelten, nicht denkbar.)

Sonntag, 29. März 2009

Stolpersteine



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Am 9.3.2009 veröffentlichte die Märkische Oderzeitung in Fürstenwalde, meiner Heimatstadt, den folgenden Leserbrief von mir zu diesem Film:


Am 10.2.2009 zeigte das Filmtheater Union in Kooperation mit der AG "Stolpersteine" den eindrucksvollen Dokumentarfilm von Dörte Franke über den Künstler Günter Demnig und die von ihm ins Leben gerufene und tätig betriebene Aktion "Stolperstein". Über 15.000 Steine zum Gedenken an Nazi-Opfer in Deutschland und Europa hat er bisher in den Straßen vieler Orte verlegt. Davon 16 im Stadtgebiet Fürstenwaldes und 9 in den Samariteranstalten, wie die Initiatorin der hiesigen Gruppe im anschließenden Gespräch erläuterte. Damit ist es ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung unseres geschichtlichen Erbes vor Ort.


An einen großen Empfang mit Festvorträgen und Büfett anlässlich einer der Verlegungen kann ich mich gut erinnern. Das war`s dann wohl auch … Im Kino saß nur ein winziges Häuflein von Interessenten. Fast beschämend, denn auch die „Stolpersteine“ bedürfen einer gewissen Pflege.



Mich hat jedenfalls der Film beeindruckt, dem ich im Gegensatz zur hiesigen Vorführung anderswo ein reges Publikum wünsche.


Zur Unterstützung deshalb noch die folgenden Informationsquellen:

- www.stolpersteine.com und

- http://de.wikipedia.org/wiki/ Stolpersteine .


In den letzten Wochen hat mein achtjähriger Sohn Paul Jakob sein Interesse an der Geschichte Fürstenwaldes entdeckt. Es gibt hier wunderbare Hinweistafeln auf historische Gebäude und Orte, die wir auf unseren Spaziergängen erkunden und fotografieren. Seinem aufmerksamen Blick entgeht auch keiner der „Stolpersteine“. Natürlich hat er mich nach ihrer Bedeutung gefragt. Das angemessen zu erklären, finde ich eine schwere Aufgabe, denn er ist ein sehr mitfühlendes Kind und hat beim ersten Mal geweint, als ich ihm erzählte, dass „die Nazis diese Menschen weggeschafft haben“. Habe ich ihn überfordert? Oder zeigt er uns eine Reaktion, die wir Erwachsenen uns nicht mehr trauen, lieber verdrängen oder gar nicht mehr empfinden, weil alles doch schon so lange her ist und damit so weit weg von uns?