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Dienstag, 20. Dezember 2011

Revolutionäres Weihnachten

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Die Weihnachtsgeschichte, ernst genommen und nicht nur zum Mythos verklärt, beinhaltet eine revolutionäre Botschaft! Die dürfte aber den Menschen weitgehend abhanden gekommen sein, und unsere Welt befindet sich eher noch immer in einem vorrevolutionärem Zustand.

Um so wichtiger, die Botschaften um Christi Geburt am Leben zu halten:


"Friede auf Erden" verkünden die Engel. Und den hätte sie bitter nötig, mehr denn je!

Die Geburt eines Kindes symbolisiert einen tiefen Einschnitt: Neues Leben ist entstanden und mit ihm die Verheißung eines Neubeginns, die Chance, Altes hinter sich zu lassen und Neues zu wagen!

Das Heil auf Erden kommt in der christlichen Verkündung nicht als mächtiger und reicher König auf die Erde, sondern als hilfloses Kind in ärmlichster Umgebung! Welch ein Signal für alle diejenigen, die ihre Bedeutung davon ableiten, reich, mächtig und anderen überlegen zu sein. Nichts wird ihnen davon bleiben, denn "das Totenhemd hat keine offenen Taschen" und der Ruhm auch der Berühmtesten verblasst irgendwann.

So freue ich mich auf Weihnachten, denn diese Botschaften bewegen mich - Jahr für Jahr - tief.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Grüße zum Advent

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Ich melde mich bei meinen Leserinnen und Lesern zurück und wünsche allen eine ruhige und friedliche Advents- und Weihnachtszeit!

Meine Anmerkung vom vergangenen Jahresende gilt erneut: Meine schönsten Weihnachtsgedichte und Geschichten und meine (mehr oder weniger) klugen Gedanken dazu habe ich bereits alle auf meinem blog veröffentlicht, zehre selbst davon und stelle immer wieder fest, dass sie mir immer noch gefallen! Weihnachten ist halt ein Fest mit festen Traditionen, da muss man nicht ständig etwas Neues erfinden! Wer sich aber für meine früheren Äußerungen doch interessiert, findet sie aufrufbereit unter den "Labels" in der linken Spalte unter "Weihnachten und Neues Jahr"! Ich wünsche gute Anregungen!

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Weihnachten - nur ein Zitat?

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Es gab eine Phase in meinem Leben, da war ich sehr puristisch: Nur was einer kritisch-historischen Überprüfung standhielt, fand ich akzeptabel. Und die "Leben-Jesu-Forschung" hatte herausgefunden, dass nur wenige der im Neuen Testament geschilderten Ereignisse historisch korrekt wiedergegeben sind. Wie sollte so etwas die Grundlage einer Glaubenslehre sein können?

Heute bin ich nicht gläubiger geworden, gegenüber biblischen Texten aber viel toleranter und anerkennender und kann sie in ihrer Funktion, die keine kritische Geschichtsschreibung, sondern Tendenzliteratur ist, eher verstehen und akzeptieren.

Allerdings war es mit den Texten über Weihnachten ohnehin schon immer etwas anderes für mich als mit denjenigen über das österliche Geschehen und Pfingsten, die mir auch heute noch sehr fremd geblieben sind. Denn welche Wortgewalt spricht aus dem Lukas-Text! Weltliteratur in der Übersetzung von Martin Luther!!

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. [...]

Wie oft habe ich diesen Text seit meiner Kindheit gehört, auch selbst schon vorgelesen, fast rezitiert, denn er gehört zu den wenigen, die ich immer noch nahezu vollständig auswendig kann. Dazu die alten Weihnachtslieder, in denen es tatsächlich noch um Christi Geburt geht, nicht der rührselige Kitsch, der mit dem 19. Jahrhundert in die Welt kam!

Welch ein Ereignis, wenn die Engel auf dem Felde den verängstigten Hirten ihre frohe Botschaft überbringen! Als älterer Gymnasiast sang ich im Kirchenchor die h-moll-Messe von Bach mit. Ein Chorsatz ist der Verkündigung der Engel gewidmet, wenn auch im lateinischen Text. Er ist mir nie mehr aus dem Kopf gegangen:

Et in terra pax hominibus bonae voluntatis!

Weihnachten - ein Symbol für die Chance eines Neubeginns, denn für welch ein anderes Ereignis soll sonst die Geburt eines Kindes stehen? Für die Verheißung von Frieden für alle Menschen, so wie es die Engel der Geschichte verkünden. Und die Aussage, dass es um ganz einfache Menschen geht, die hier eine entscheidende Rolle für das Heil der Welt spielen, keine Fürsten, keine Vertreter weltlicher Macht, ohne Prunk und ohne Reichtum. Ein wunderbares Bild! Auch für mich, dem sonst christliche Theologie fern ist. Und welch ein Auftrag für alle Menschen dieser Erde! Durchaus "kompatibel" mit den ethischen Forderungen und Bildern anderer Religionen und Lehren!

Da macht es mir nichts, dass nach heutigem Verständnis weder Jahr noch Ort der Geburt Christi gesichert sind (wahrscheinlich kam Jesus nie in seinem Leben nach Bethlehem) und dass die "Jungfrauengeburt", die soviel theologischen Streit (mit gefährlichen Konsequenzen für Häretiker, die sie ablehnten) hervorgerufen hat, wahrscheinlich nur auf einem Übersetzungsfehler ins Griechische beruht. Das schmälert in meinen Augen die Sinnhaftigkeit des Bildes der Geburt Christi in keiner Weise.

Lukas war eben auch schon ein "Mann des Zitats", der weniger der Historie verpflichtet war, stattdessen aber in seinem Text, ganz tendenziös, den Auftrag sah, alle Verheißungen der Propheten der jüdischen Tradition zusammenzuführen und zu zeigen, dass sie auf Jesus als Christus zuträfen. Und nach dieser Tradition musste der Heiland der Welt, der Messias, in Bethlehem geboren werden, "um die Schrift zu erfüllen!" Seine Leser werden es so erwartet haben, nicht aber ein historisch abgesichertes Dokument.

Welche anderen zahlreichen "Anleihen" an damals gängige Vorstellungen von Mythen und Göttern im Judentum, bei den Völkern im vorderen Orient und in der hellenistisch geprägten Kultur im Mittelmeerraum in den Bibeltext eingeflossen sein mögen, darüber informiert das folgende Buch sehr trefflich:

Martin Koschorke: Jesus war nie in Bethlehem. 3. Aufl. - Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgemeinschaft 2008.

Kurz dazu ein Zitat aus dem Klappentext:

"Martin Koschorke, Theologe und Soziologe, stellt allgemeinverständlich und lebendig dar, warum die Geschehnisse so und nicht anders erzählt wurden. Damit führt er den Leser ins Innere der Weihnachtsgeschichte und zeigt, dass die emotionale und spirituelle Wahrheit manchmal anders aussieht als die historische. Koschorke hilft, die ursprünglichen Intentionen der biblischen Texte besser zu verstehen." [Text leicht angepasst von J.L.]

Mir hat in diesem Jahr die Beschäftigung mit der Weihnachtsgeschichte unter diesem Blickwinkel dazu geholfen, nicht mehr nur einäugig auf die historischen Fakten zu sehen, sondern mich gleichzeitig auch für die Rezeptionsgeschichte der biblischen Texte zu interessieren, was mein Bild ungemein erweitert.

Ich habe noch einen weiteren Gewährsmann gefunden, der mir die Augen für diese Sichtweise geöffnet hat. Ebenfalls ein sehr empfehlenswerter (und viel kürzerer) Text:

Christoph Levin: Wie aus dem Jesus von Nazareth der Christus von Bethlehem wurde. Die Weihnachtsgeschichte mit den Augen eines Alttestamentlers gelesen. - In: Weihnachten. Publik-Forum EXTRA 6/09. S. 10 - 13.





Meine Weihnachtsgrüße

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Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern ein schönes Weihnachtsfest! Denjenigen, denen es glaubensmäßig noch etwas bedeutet, möge es auch ein gesegnetes Weihnachten sein! Den anderen eine Zeit, in der neben all dem Trubel auch Gelegenheit zum Besinnen bleibt und für Gedanken an die Menschen in der Nähe, die Ihnen etwas bedeuten.

Traditionell verschicken meine Frau und ich vor Weihnachten einen Brief an Verwandte und Freunde, den wir mit einem Foto unserer Familie auf "aktuellem Stand" und einer nachdenklichen Geschichte zu Weihnachten schmücken. In diesem Jahr haben wir dafür den Text von den "Löffeln" ausgewählt, den ich auch schon einmal in meinem blog veröffentlicht hatte (12. Oktober 2010). Die Geschichte ist aber so schön, dass ich sie noch einmal anfügen möchte:


Die Löffel

Ein Rabbi kommt zu Gott: "Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel." "Nimm Elia als Führer", spricht der Schöpfer, "er wird dir beides zeigen."

Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand. Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber die Menschen sehen mager aus, blaß, elend. Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen. Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.

Die beiden gehen hinaus. "Welch seltsamer Raum war das ?" fragt der Rabbi den Propheten. "Die Hölle", lautet die Antwort.

Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber - ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen gesund aus, gut genährt, glücklich.

"Wie kommt das?" - Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel gegenseitig in den Mund. Sie geben einander zu essen. Da weiß der Rabbi, wo er ist.

RUSSISCHES MÄRCHEN

gefunden in: Lektüre zwischen den Jahren. Vom Glück. Ausgewählt von Gottfried Honnefelder. - Frankfurt a.M. : Suhrkamp 1985.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Wieder einmal naht Weihnachten, das Fest des Schenkens

Wieder einmal naht Weihnachten, und ich habe bereits weitgehend mein „Pulver verschossen"! Denn in den zurückliegenden Jahren habe ich bereits alle meine Lieblingsgeschichten und Gedichte, die ich früher in Schulzeiten gern vorlas, unter der Rubrik "Weihnachten und Neues Jahr" in meinen blog gesetzt. Wer sich aber dennoch dafür interessiert, möge sie dort aufrufen.

Klüger geworden bin ich seither nicht unbedingt, neue Texte habe ich auch kaum hinzugelernt, aber ich bin bescheidener geworden. Während ich früher eher die Häme hatte, mich innerlich über diejenigen zu erheben, die einen weniger kritischen Blick auf all diese Ereignisse hatten, Weihnachten viel konventioneller begingen oder auch nur am weihnachtlichen Konsumrausch teilnahmen, den ich natürlich mit Verachtung abstrafte, sehe ich das jetzt alles viel milder und mich selbst nicht mehr so puristisch in der Rolle eines Richters über guten Geschmack oder angemessene Rituale. Meine (kritischen) Wertmaßstäbe haben sich dabei nicht sonderlich verändert, Weihnachtsrummel liegt mir weiterhin fern, aber ich halte mich nicht mehr so stark für das "Maß der Dinge".

Zu diesem Schritt hat mir sehr der folgende Text von Norbert Copray geholfen, den ich im Dezember 2009 im Publik-Forum Newsletter 9/2009 gefunden habe. Extra aufgehoben für dieses Jahr! Und jetzt von mir zitiert:

Weihnachten ist ja zu einem Fest geworden, das weltweit auch außerhalb des Christentums seine Anhänger gefunden hat und heute für viele mehr Bedeutung hat als noch vor dreißig oder vierzig Jahren. Doch was für eine Bedeutung? Man mag das störend und manchmal erschreckend kommerziell und übertrieben finden, aber im Mittelpunkt dieses Festes steht das Schenken – unabhängig von Religion und Kultur. Dabei hat man festgestellt, dass sehr viele Menschen etwas schenken, was dem anderen und ihnen selbst Freude macht. Es mag Exzesse geben, aber überwiegend hat das Schenken an Weihnachten mit so etwas zu tun wie: auf kluge Weise Freude machen. Man kann auch Zeit schenken, Gedichte, Bilder, Lieder, die Begleitung eines Menschen durch kritische Zeiten.

Wie man es auch dreht und wendet: Die Menschen haben weltweit das Richtige am Weihnachtsfest gefunden. Es ist eine Zeit des Schenkens aus einer oftmals unbewussten Erinnerung heraus an das bedeutendste Geschenk. Gott, das Göttliche, die umgreifende Weisheit, Brahman – wie immer man es sagen will -, kurz: die lebendigmachende und lebendigerhaltende Liebe schenkt sich den Menschen. Und spiegelt sich wider in den millionenfachen Geschenken, die die Menschen einander zur Freude machen. Denn das ist das Ziel des Schenkens: Freude bereiten – zur Liebe entfachen. Seien wir also nicht kleinlich, wenn’s nun bald ans Schenken geht. Auch hilfloses und kommerziell überfrachtetes Schenken ist ein Zeichen für Sehnsucht nach Liebe und Liebesversuche. Achten wir das nicht gering, dass Menschen tun und mitunter unbewusst nachahmen wollen, was Gott tat und tut: Liebe schenken. Das ereignet sich auch dort, wo geschenkt wird, selbst wenn es dabei unbeholfen zugeht.

Samstag, 2. Januar 2010

Weihnachtsreminiszenzen 2009

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In jedem Jahr verschicken meine Frau und ich im Dezember einen Brief an Freunde und Verwandte, dem wir u.a. auch einen kurzen besinnlichen Text beifügen, um mit ihm allen Empfängern ein kleines Weihnachtsgeschenk zu machen. In diesem Jahr haben wir dafür eine kurze Geschichte selbst geschrieben, die von unserem Sohn Paul Jakob handelt. Mehreren Freunden und Verwandten hat sie so gefallen, dass sie sich ausdrücklich für diese Zeilen bedankt haben. Wahrlich ein Grund für mich, sie auch in meinen blog zu setzen!




Das Kamel


Ausgerechnet ein Kamel! Warum kein Weihnachtsengel oder einer von den Hirten? Nein, ein Kamel will er sein, das Kamel, das die Heiligen Drei Könige auf ihrer Suche nach dem Stern und der Krippe nach Bethlehem begleitet hat.


Das ist Paul Jakobs Wunsch für das diesjährige Krippenspiel, an dem er teilnehmen darf, weil er jetzt als Schüler auch zur Christenlehre geht.


Wir werden also als Eltern gespannt auf seinen Auftritt sein, wenn am Heiligen Abend die große Krippenspiel-Inszenierung im Familiengottesdienst im Fürstenwalder Dom vorgeführt wird. Vor hunderten von Augen wird unter den vielen Engeln, Hirten, Maria und Josef, dem Jesuskind, Caspar, Melchior und Balthasar auch ein Kamel auftreten, unser Paul Jakob! Hätte er sich nicht ein einfacheres Kostüm auswählen können? Zwei kleine Flügelchen bei den Engeln sind doch viel leichter anzukleben als zwei große Höcker … Nun, es sind noch einige Wochen bis dahin, kommt Zeit, kommt Rat …


Und: hat er nicht auch eine gute Wahl getroffen – fern ab der üblichen Gleise?


Kamele haben nämlich viele löbliche Eigenschaften: Sie sind gesellig und verträglich, sie sind genügsam und haben einen langen Atem und können lange, lange durchhalten, wenn sie die Wüste mit wenig Trinken tagelang durchlaufen. Fleißig sind sie dabei auch, gute Lasttiere und auch zum Reiten wohl geeignet. Was wollen wir mehr? Dabei sind sie zwar gutmütig, aber auch manchmal eigenwillig, auf jeden Fall haben sie den Kopf oben und können weit sehen, denn sie sind groß und stark.


Ist da nicht viel gemeinsam mit Paul Jakob? Auch er bewegt sich auf seinen eigenen Gleisen, denn er hat eine Entwicklung hinter sich fernab üblicher Wege. Angesichts dieser Schwierigkeiten hat er in seinem Leben schon einen langen Atem gezeigt.


So halten wir Kamele und Paul Jakob wunderbar dafür geeignet, Geschenke zum Jesuskind zu bringen: nach alter Tradition Weihrauch, Gold und Myrrhen, das ist doch was!


Ein tolles Tier! Wer hat da gerade gesagt „Du altes Kamel“ oder „Du Trampeltier“? Welch Unfug und welche Gemeinheit und Verkennung der Wirklichkeit!


Wir sind stolz auf Paul Jakob! Was kann uns Besseres zu Weihnachten passieren als: Zwei Höcker!

Mein Motto für den Monat Januar 2010 und das Neue Jahr

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Ein neuer Beginn, eine neue Chance, eine neue Aufgabe,

darum:

Lasst es uns gemeinsam anpacken! Nur Taten zählen! Denn sonst merkt niemand etwas davon.

Volksmund, ohne genauere Angabe von Quellen, dafür allgemein gültig!

Dienstag, 29. Dezember 2009

Lieblingszitate LXXXX

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Von einer guten alten Freundin erhielt ich eine Grußkarte mit der Aussage von ERICH KÄSTNER, die betroffen macht, gleichzeitig aber auch direkt zum Jahreswechsel passt:


Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
"Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht."

ERICH KÄSTNER

Eine genauere Quellenangabe habe ich nicht.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Meine Weihnachtsgrüße

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Allen meinen Leserinnen und Lesern möchte ich die besten Grüße zu Weihnachten und zum Neuen Jahr senden!


Wem Weihnachten im christlichen Sinne etwas bedeutet, dem werden die Worte der Engel aus der Verkündigungsgeschichte dieses Fest immer wieder mit Leben erfüllen. Seitdem ich als junger Mann einmal die H-Moll-Messe von J. S. Bach mitgesungen habe, haben sie sich in mein Gehirn auf Latein eingegraben: Et in terra pax hominibus bonae voluntatis! Und durch die Geburt eines Kindes die Chance auf einen Neubeginn!


Allen, denen Weihnachten hingegen zwar noch ein geläufiger Brauch ist, jedoch entkleidet von religiösen Bedeutungen, mögen diese Tage aber - dies Ihnen als mein Wunsch! - möglichst durch das Zusammensein mit lieben Menschen doch noch einen besonderen Gehalt haben, nicht nur die Teilhabe am üblichen Konsumrausch und vielleicht noch die Erinnerung an (hoffentlich gute) eigene Kinderweihnachten! Daneben auch die Chance, das Jahr in Ruhe ausklingen zu lassen.


Ich kenne niemanden, den Weihnachten gar nicht berührt, sei es in positver als auch in negativer Weise. Mögen alle gut über diese Tage hinwegkommen!


Ich habe in den letzten Tagen nur wenig Gelegenheit gehabt, etwas für meinen blog zu schreiben. Denn es sind jetzt Ferien und meine ganze Familie ist beisammen, d.h. meine sonstigen „freien Vormittage“, an denen ich gerne etwas geschrieben habe, finden erst wieder nach Schulbeginn statt! Ich sammle aber Themen und Eindrücke und habe damit bereits viel Material für zukünftige Einträge!

Sonntag, 29. November 2009

Wieder einmal Weihnachten ...

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Die Zeit rennt. An nichts merke ich es so deutlich wie an Weihnachten. Ein Jahr mehr an Erlebnissen - und ein Jahr weniger an meinen langsam (?!) schrumpfenden Vorräten. Dabei bin ich schon so knausrig mit meiner Lebenszeit geworden, die ich als junger Mensch freizügig hinaus verschenkt habe. Aber es war ja immer schon so in unserer Marktwirtschaft: was knapp ist, steigt im Preis, wenn es denn eine halbwegs ansprechende Qualität aufweist!

Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber an der Wiederkehr von Weihnachten und allen seinen immer wiederkehrenden Zeremonien und auch am Wetterwechsel zum Winter hin (auf den aber in zunehmendem Maße weniger Verlass ist), merke ich das Älterwerden viel stärker als an meinem Geburtstag. Es ist ein nachhaltigerer Einschnitt für mich in jedem Jahr.

Etwas Besonderes bleibt dabei für mich an diesem Fest, anders als an allen anderen im Jahr. Ich denke, Kindern geht es oft ähnlich. Und all denen, für die das kommerzielle Drumherum langweilig ist. Ich finde es von Jahr zu Jahr langweiliger ...

Als ich noch in die Schule ging (als Dozent ...), habe ich gerne leicht "schräge" und auch fromme Weihnachtsgeschichten auf den beliebten Weihnachtsfeiern in den Klassen vorgelesen. Manchmal hörten mir die Leute auch noch zu, einige sogar sehr gern. Davon habe ich in meinem blog bereits im Vorjahr berichtet, auch meine Lieblingstexte ins Netz gestellt. Schade, dadurch geht mir in diesem Jahr etwas "der Stoff" aus!

Ich möchte mich nicht wiederholen. Für meine Leserinnen und Leser, die sich dennoch für meine Auslassungen zu Weihnachten interessieren, habe ich alle einschlägigen Texte mit dem Label "Weihnachten und Neues Jahr" gekennzeichnet.Sie sind durch Anklicken dieses Labels auf der linken Spalte in meinem blog leicht hintereinander aufrufbar. Niemand muss sie mühsam suchen, der sie noch einmal lesen möchte. Viel Vergnügen oder Besinnen bei Wolfdietrich Schnurre, Robert Gernhardt und Selma Lagerlöf!

Montag, 23. November 2009

Weihnachten ante portas

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Dass die Läden lange vor Weihnachten von Süßigkeiten und anderen Weihnachtszutaten (wie es früher jedenfalls einmal war) überquellen, ist gewohnt und seit Jahren gleich langweilig.


Bleibt die Frage, ob die „Krise“ die Menschen anhält, etwas bewusster mit dieser Zeit und dem Schenken umzugehen.


Bei denen, die nichts haben, dürfte das so sein. Schmerzlich, wer sich Geschenke nicht mehr leisten kann. (Etwas Immaterielles tut es aber auch, oft sogar viel besser!) Bei den anderen vermutlich eher: Fehlanzeige!


Wie sollte ich es anders interpretieren, dass vom Berliner Tagesspiegel seit gestern eine große Online-Aktion läuft unter dem Namen „Der Tagesspiegel erfüllt Träume“: 875 Angebote zum Ersteigern, vom exklusiven Kinderspielzeug über den Edelschmuck und Luxusreisen hin zu besonderen Events. Leute, guckt zu, vielleicht findet ihr ein Schnäppchen! (Ich habe mal reingeschaut, gebe ich ja zu, und da waren heute, erst kurz nach Beginn der Aktion, viele Preise für mich schon längst unerschwinglich …).


Weihnachten als Event oder Luxusgeschenk!


Jedenfalls gähnende Langeweile.


Denn: Wer hier suchen muss, um noch was Originelles für Weihnachten aufzutreiben, hat wohl schon alles. Nur keine Weihnachtsfreude.

Dienstag, 13. Januar 2009

Weihnachts-Nachlese

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Ich habe noch einmal über meine „Verrenkungen“ in mehreren blog-Einträgen vor Weihnachten nachgedacht, über die Schwierigkeiten, den Sinn dieses Festes zu ergründen, sich nicht von Kommerz und Konventionen zu sehr erdrücken zu lassen und eine eigene Form des Feierns zu finden. Gerade das eher Stille dieser Tage scheint viele Menschen so anzustrengen, dass sie in „unchristlicher Ausgelassenheit“ Sylvester alle angestauten Anspannungen beim Feuerwerk – je lauter, desto besser – abreagieren müssen. So kommt es mir jedenfalls vor. „Einmal so richtig die Sau rauslassen“: ein solches Getöse geht ohne Sanktionen nur am Jahresende. Damit habe ich mich wahrscheinlich als „Sylvester-Feind“ geoutet!? Doch das stimmt nur teilweise, weil ich sehr gern bei prächtigen Feuerwerken zusehe, jedoch in mir die Wut aufsteigt, wenn bereits am Nachmittag des 30.12. Jugendliche neben mir wahrscheinlich polnische (und damit besonders laute) Kanonenschläge zünden, wenn ich mit meinem kleinen Sohn Paul Jakob vorbeigehe.

Jetzt bin ich von meinem ursprünglichen Thema ein großes Stück weggekommen, obwohl meine Beobachtungen sicherlich mit der Seelenlage vieler Menschen etwas zu tun haben. Sagen wollte ich nur, dass es ein gläubiger Christ mit Weihnachten wahrscheinlich viel leichter hat. Für ihn steht die Krippe und die Geburt Christi im Mittelpunkt aller Überlegungen, die immer wieder wiederkehrende Verheißung eines Neubeginns, der Friedensbotschaft der Engel und die Fortsetzung menschlichen Lebens auf dieser Erde, denn wofür könnte sonst die Geburt eines Kindes stehen? Dazu kommt natürlich noch die Heilserwartung der christlichen Religion, für die Ostern das viel wichtigere Fest darstellt. In einem nichtchristlichen Verständnis könnte diese Botschaft aber auch lauten, dass uns nicht das Heil von außen geschenkt wird, sondern dass wir aufgerufen sind, diesen Fortbestand des Lebens zu feiern, ihn als höchstes Gut der Menschheit zu begreifen und alle unsere Kräfte in seine Dienste zu stellen, Frieden zu schaffen, das Leben zu schützen und seine Zukunft zu sichern.

Späte Neujahrsgrüße

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Allen Besucherinnen und Besuchern meiner blog-Seite wünsche ich ein gutes neues Jahr!

Durch ein technisches Manko konnte ich lange meinen Internet-Zugang nicht nutzen. So mangelt meinem heutigen Eintrag etwas die Aktualität, aber ich konnte länger über ihn nachdenken. Auch ein Vorteil, wenn ich bedenke, wie schnell viele Menschen zu Sylvester/Neujahr pauschal Wünsche an andere aussprechen (was ich dennoch grundsätzlich für eine soziale Tugend halte!) und, viel komplizierter, sich selbst Ziele setzen, „anders“ werden zu wollen. Das klappt aber oft bereits nach kurzer Zeit nicht so richtig, weil diese gewünschten Veränderungen nicht realistisch und kleinschrittig genug waren. Zurück bleibt dann entweder eine gewisse Beschämung oder die Kapitulation vor dem „inneren Schweinehund“.

Nein, so etwas möchte ich nicht! Stattdessen:

Für ein individuell wirklich gutes neues Jahr wünsche ich Ihnen allen Gesundheit, Kraft für den Alltag und wichtige Schritte, Durchhaltevermögen auch in schwierigen Situationen und liebe Menschen, die Anteil nehmen an Freud und Leid.

Für uns alle gemeinsam sieht es möglicherweise mit einem „schönen neuen Jahr“ allerdings eher heikel aus. Nach allen Prognosen können uns noch erhebliche Probleme treffen, gerade weil „die große Politik“ in Kernfragen weiter „herumwurstelt“ und nichts in die Gänge bringt (soziale Verwerfungen in unserem Land, völlig unzureichende Investitionen in die Bildung und Kinderbetreuung, Halbherzigkeiten bei ökologischen Fragen u.a.). Wir merken in unserem Alltag noch nicht viel davon und die meisten von uns werden – mangels „Masse“ - beim Kollaps der Finanzmärkte keine Millionen in den Sand gesetzt haben. Glaubt man aber einschlägigen Wissenschaftlern wie dem Sozialpsychologen Harald Welzer, so finden gerade umwälzende Ereignisse in der Welt statt, die später einmal als markanter Wendepunkt in der Weltgeschichte bezeichnet werden könnten. In seinem Essay „Blindflug durch die Welt. Die Finanzkrise als Epochenwandel“ (in: SPIEGEL 1/2009) nennt er so etwas einen systemischen „tipping point“, von dem an Entwicklungen im schlimmsten Falle nicht mehr korrigierbar sind. Denn: „Die sich gegenwärtig addierenden Krisen – Klima und Umwelt, Energie, Ressourcen und Finanzen machen […] deutlich, dass wir es an vielen Fronten mit einem uferlos gewordenen Nichtwissen über die Konsequenzen unseres Handelns zu tun haben.“

Es gibt also viel zu tun! Erster Schritt: Sich eine eigenständige Meinung verschaffen und bewahren und nicht alles glauben, was uns oft „aufgeschwatzt“ wird. Und da wird ja noch einiges auf uns zukommen, denn 2009 ist in Deutschland ein einziges großes Wahljahr.

Mein Sohn meinte, ich entwickelte mich in meinem höheren Alter jetzt wohl noch zum „Fundi“. Es klang nicht so ganz schmeichelhaft, denn offenbar vermisste er bei mir den Realitätssinn bei der Umsetzung politischer Positionen. Vielleicht hat er ein Stück weit Recht. Ich aber finde: lieber spät ein „Fundi“ als nie! (Und schon gar nicht als Vogel Strauß mit dem Kopf im Sand!)

Ich hoffe, Ihnen auch im begonnene Jahr wieder eine Reihe von interessanten Beiträgen schreiben zu können!

Herzlich Ihr Jürgen Lüder

Montag, 22. Dezember 2008

Weihnachtsgeschichten vorlesen II

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In meinem letzten blog habe ich von Weihnachtsgeschichten berichtet und von der Schwierigkeit heutiger Autoren, herauszufinden, was denn wirklich Inhalt und Sinn von Weihnachten ist. Diese Frage stellt sich nicht, wenn man den ursprünglichen Bibel-Text liest, fundamental und sprachlich einmalig. Ich habe ihn im Laufe der Jahre so oft gehört, dass er regelrecht zu einem „Ohrwurm“ für mich geworden ist. Weihnachten ohne das Lukas-Evangelium – irgendwie geht das nicht, es ist wie ein Geburtstag ohne Geburtstagskind.

Übrigens ist dies ein Text, der sich im richtigen Kontext hervorragend vorlesen lässt!

Lukas-Evangelium, Kap. 2

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,
damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.
Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kind gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

(Lutherbibel Sonderausgabe, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1991)



Ich habe beim vorhergehenden blog von meiner Vorliebe für „schräge“ Weihnachtsgeschichten berichtet. Das stimmt nicht in allen Fällen! Es gibt ausnahmsweise auch sehr fromme Geschichten, die ich mag und vorlese, wenn sich eine (eher seltene) Gelegenheit dafür bietet. Unnachahmlich finde ich z.B. die Bilder, die Selma Lagerlöf in ihrer Geschichte „Die Heilige Nacht“ für die Atmosphäre der Geburtsnacht Christi findet, wenn die Hunde nicht beißen, der Speer nicht tötet und das Feuer nicht brennt, weil die Nacht der Barmherzigkeit angebrochen ist. Das finde ich so starke Bilder, dass ich auch den eher etwas sentimentalen Schluss des Märchens lesen mag.


Auszüge aus: Die Heilige Nacht

Es war an einem Weihnachtstag, alle waren zur Kirche gefahren, außer Großmutter und mir. Ich glaube, wir beide waren im ganzen Hause allein. Wir hatten nicht mitfahren können, weil die eine zu jung und die andere zu alt war. Und alle beide waren wir betrübt, dass wir nicht zum Mettegesang fahren und die Weihnachtslichter sehen konnten.

Aber wie wir so in unserer Einsamkeit saßen, fing Großmutter zu erzählen an.

„Es war einmal ein Mann“, sagte sie, „der in die dunkle Nacht hinausging, um sich Feuer zu leihen. Er ging von Haus zu Haus und klopfte an. „Ihr lieben Leute, helft mir!“ sagte er. „Mein Weib hat eben ein Kindlein geboren, und ich muss Feuer anzünden, um es und den Kleinen zu erwärmen .“

Aber es war tiefe Nacht, so dass alle Menschen schliefen, und niemand antwortete ihm.

Der Mann ging und ging. Endlich erblickte er in weiter Ferne einen Feuerschein. Da wanderte er dieser Richtung zu und sah, dass das Feuer im Freien brannte. Eine Menge weißer Schafe lag rings um das Feuer und schlief, und ein alter Hirt wachte über der Herde. Als der Mann, der Feuer leihen wollte, zu den Schafen kam, sah er, dass drei große Hunde zu Füßen des Hirten ruhten und schliefen. Sie erwachten alle drei bei seinem Kommen und sperrten ihre weiten Rachen auf, als ob sie bellen wollten, aber man vernahm keinen Laut. Der Mann sah, dass sich die Haare auf ihrem Rücken sträubten, er sah, wie ihre scharfen Zähne funkelnd weiß im Feuerschein leuchteten, und wie sie auf ihn losstürzten. Er fühlte, dass einer nach seiner Hand und dass einer sich an seine Kehle hängte. Aber die Kinnladen und die Zähne, mit denen die Hunde beißen wollten, gehorchten ihnen nicht, und der Mann litt nicht den kleinsten Schaden.

Nun wollte der Mann weitergehen , um das zu finden, was er brauchte. Aber die Schafe lagen so dicht nebeneinander, Rücken an Rücken, dass er nicht vorwärts kommen konnte. Da stieg der Mann auf die Rücken der Tiere und wanderte über sie hin dem Feuer zu. Und keins von den Tieren wachte auf oder regte sich.“

Soweit hatte Großmutter ungestört erzählen können, aber nun konnte ich es nicht lassen, sie zu unterbrechen. „Warum regten sie sich nicht, Großmutter?“ fragte ich.

„Das wirst du nach einem Weilchen schon erfahren“, sagte Großmutter und fuhr mit ihrer Geschichte fort. „Als der Mann fast beim Feuer angelangt war, sah der Hirt auf. Es war ein alter, mürrischer Mann, der unwirsch und hart gegen alle Menschen war. Und als er einen Fremden kommen sah, griff er nach seinem langen, spitzigen Stabe, den er in der Hand zu halten pflegte, wenn er seine Herde hütete, und warf ihn nach ihm. Und der Stab fuhr zischend gerade auf den Mann los, aber ehe er ihn traf, wich er zur Seite und sauste, an ihm vorbei, weit über das Feld.“

Als Großmutter soweit gekommen war, unterbrach ich sie abermals. „Großmutter, warum wollte der Stock den Mann nicht schlagen?“ Aber Großmutter ließ es sich nicht einfallen, mir zu antworten, sondern fuhr mit ihrer Erzählung fort.

„Nun kam der Mann zu dem Hirten und sagte zu ihm: „Guter Freund, hilf mir und leih mir ein wenig Feuer. Mein Weib hat eben ein Kindlein geboren, und ich muss Feuer machen, um es und den Kleinen zu erwärmen.“ Der Hirt hätte am liebsten nein gesagt, aber als er daran dachte, dass die Hunde dem Mann nicht hatten schaden können, dass die Schafe nicht vor ihm davongelaufen waren und sein Stab ihn nicht fällen wollte, da wurde ihm ein wenig bange, und er wagte es nicht, dem Fremden das abzuschlagen, was er begehrte.“Nimm, soviel du brauchst“, sagte er zu dem Manne.

Aber das Feuer war beinahe ausgebrannt. Es waren keine Scheite und Zweige mehr übrig, sondern nur ein großer Gluthaufen, und der Fremde hatte weder Schaufel noch Eimer, worin er die roten Kohlen hätte tragen können.

Als der Hirt dies sah, sagte er abermals: “Nimm, soviel du brauchst!“ Und er freute sich, dass der Mann kein Feuer wegtragen konnte. Aber der Mann beugte sich hinunter, holte die Kohlen mit bloßen Händen aus der Asche und legte sie in seinen Mantel. Und weder versengten die Kohlen seine Hände, als er sie berührte, noch versengten sie seinen Mantel, sondern der Mann trug sie fort, als wenn es Nüsse oder Äpfel gewesen wären.“

Aber hier wurde die Märchenerzählerin zum drittenmal unterbrochen. „Großmutter, warum wollte die Kohle den Mann nicht brennen?“

„Das wirst du schon hören“, sagte Großmutter, und dann erzählte sie weiter.

„Als dieser Hirt, der ein so böser, mürrischer Mann war, dies alles sah, begann er sich bei sich selbst zu wundern: “Was kann dies für eine Nacht sein, wo die Hunde die Schafe nicht beißen, die Schafe nicht erschrecken, die Lanze nicht tötet und das Feuer nicht brennt?“ Er rief den Fremden zurück und sagte zu ihm: „Was ist dies für eine Nacht? Und woher kommt es, dass alle Dinge dir Barmherzigkeit zeigen?“

Da sagte der Mann: “Ich kann es dir nicht sagen, wenn du selber es nicht siehst.“ Und er wollte seiner Wege gehen, um bald ein Feuer anzünden und Weib und Kind wärmen zu können.

Aber da dachte der Hirt, er wolle den Mann nicht ganz aus dem Gesicht verlieren, bevor er erfahren hätte, was dies alles bedeute. Er stand auf und ging ihm n ach, bis er dorthin kam, wo der Fremde daheim war. Da sah der Hirt, dass der Mann nicht einmal eine Hütte hatte, um darin zu wohnen, sondern er hatte sein Weib und sein Kind in einer Berggrotte liegen, wo es nichts gab als nackte, kalte Steinwände.

Aber der Hirt dachte, dass das arme unschuldige Kindlein vielleicht dort in der Grotte erfrieren würde, und obgleich er ein harter Mann war, wurde er davon doch ergriffen und beschloss, dem Kind zu helfen. Und er löste sein Ränzel von der Schulter und nahm daraus ein weiches, weißes Schaffell hervor. Das gab er dem fremden Manne und sagte, er möge das Kind darauf betten.

Aber in demselben Augenblick, in dem er zeigte, dass auch er barmherzig sein konnte, wurden ihm die Augen geöffnet, und er sah, was er vorher nicht hatte sehen, und hörte, was er vorher nicht hatte hören können.

Er sah, dass rund um ihn ein dichter Kreis von kleinen, silberbeflügelten Englein stand. Und jedes von ihnen hielt ein Saitenspiel in der Hand, und alle sangen sie mit lauter Stimme, dass in dieser Nacht der Heiland geboren wäre, der die Welt von ihren Sünden erlösen solle.

Da begriff er, warum in dieser Nacht alle Dinge so froh waren, dass sie niemand etwas zuleide tun wollten. Und nicht nur rings um den Hirten waren Engel, sondern er sah sie überall. Sie saßen in der Grotte, und sie saßen auf dem Berge, und sie flogen unter dem Himmel. Sie kamen in großen Scharen über den Weg gegangen, und wie sie vorbeikamen, blieben sie stehen und warfen einen Blick auf das Kind.

Es herrschte eitel Jubel und Freude und Singen und Spiel, und das alles sah er in der dunklen Nacht, in der er früher nichts zu gewahren vermocht hatte. Und er wurde so froh, dass seine Augen geöffnet waren, dass er auf die Knie fiel und Gott dankte.“

Aber als Großmutter soweit gekommen war, seufzte sie und sagte: „Aber was der Hirte sah, das könnten wir auch sehen, denn die Engel fliegen in jeder Weihnachtsnacht unter dem Himmel, wenn wir sie nur zu gewahren vermögen.“

Und dann legte Großmutter ihre Hand auf meinen Kopf und sagte: „Dies sollst du dir merken, denn es ist so wahr, wie ich dich sehe und du mich siehst. Nicht auf Lichter und Lampen kommt es an und es liegt nicht an Mond und Sonne, sondern was not tut, ist, dass wir Augen haben, die Gottes Herrlichkeit sehen können.“

Selma Lagerlöf


Aus: Selma Lagerlöf: Geschichten zur Weihnachtszeit. 2.Aufl. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1979. (= Gütersloher Taschenbücher Siebenstern, Bd. 286). Darin: S. 59 – 65.
[Da Selma Lagerlöf bereits 1940 gestorben ist und damit wahrscheinlich die Schutzfristen für ihre Texte aufgehoben sind, hoffe ich sehr, dass ich mit dieser längeren Textpassage kein Copyright verletze.]

Weihnachtsgeschichten vorlesen I

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Überwiegend hat es mir große Vorteile gebracht, im Rahmen meiner Altersteilzeit jetzt das Leben eines Rentners führen zu können, ohne die früheren täglichen dienstlichen Verpflichtungen und mit einem größeren zeitlichen Rahmen für mich. Aber eine Ausnahme habe ich jetzt doch vor Weihnachten erlebt: Niemand wollte von mir Weihnachtsgeschichten vorgelesen bekommen! Ein herber Verlust, weil mir das Vorlesen jedes Jahr viel Freude gemacht hat. Als kleiner Ersatz werde ich deshalb hier im blog davon berichten.


Da ich schlecht übers Internet vorlesen kann, meine „Favoriten“ auch Copyright-geschützt sind, so dass ich nicht einfach eine Kopie ins Netz stellen kann, will ich hier nur einige der in meinen Augen besonders guten und auch zum Vorlesen geeigneten Geschichten vorstellen und vielleicht zum Nachlesen oder Vorlesen anregen.


Bemerkenswert finde ich, dass sich im Bereich der Weihnachtsgeschichten ein ganz anderes Bild ergibt als bei Gedichten, von denen ich vor ein paar Tagen an dieser Stelle berichtet habe. Sentimentale Geschichten kenne ich kaum (hätte sie aber auch nach drei Absätzen weggelegt); bei den zeitgenössischen Geschichten haben die Verfasser nach meiner Einschätzung oft Mühe, das Besondere an Weihnachten in irgendeiner Form einzufangen, sind sich aber meistens einig, dass es nichts mit Konsum, Sozialprestige oder hülsenhaften Konventionen zu tun haben kann. Es reizt dann besonders Satiriker, die Finger in die Wunde eines sinnentleerten Weihnachtens zu legen. Aber nur derjenige kann m.E. eine Satire schreiben, der irgendwo im Hinterkopf noch eine Idee hat, wie die Verhältnisse idealer weise anders laufen müssten.


Absoluter „Hit“ bei meinen (Vor-)Lesungen war immer die Geschichte von Robert Gernhardt „Die Falle“ (veröffentlicht 1977). Hier macht sich Gernhardt über das Weihnachten einer neureichen Konsumbürgerfamilie lustig (Vorsicht! Ähnlichkeiten mit Lebenden sind nicht ausgeschlossen, auch wenn die Geschichte mehr in der Zeit der vergangenen 68-Generation spielt). Der als Weihnachtsmann angeheuerte Student bringt nacheinander immer mehr weihnachtliche Helfer ins Spiel, die die übertölpelten Eltern nahezu um ihren Verstand bringen, den beiden Kindern aber eine kleine Ahnung davon verschaffen, wie Weihnachten auch sein könnte.


Diese Geschichte ist auch – nach vielen Jahren - immer noch ein Hit in den Buchhandlungen.

Ich selbst habe sie in den letzten Jahren immer aus dem schönen Sammelband von Regine Hildebrandt „Geschichten vom anderen Weihnachten“ vorgelesen. Dieser Band kommt meiner Vorliebe für eher „schräge“ Weihnachtsgeschichten entgegen, die offenbar auch Regine Hildebrandt, die verstorbene hoch engagierte Sozialministerin Brandenburgs, teilte. Aber wie sollte Weihnachten auch anders zu verstehen sein? Immerhin ging es ja einmal um die Geschichte der Geburt eines Kindes in großer Armut, mit Eltern ohne Bleibe, unverheiratet zu allem Überfluss auch noch, heute wahrscheinlich ein Fall für die Sozialarbeiter der Jugendfürsorge (wenn die denn genügend Zeit hätten und ihre Mittel nicht gerade wieder einmal gekürzt würden, so dass sie die Auflage hätten, nur bei den wirklich unumgänglichen Katastrophenfällen Hilfe zu organisieren, die etwas kostet.)


Eine andere, bittere und gleichzeitig sehr komische Satire ist der Klassiker von Heinrich Böll „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ (veröffentlicht 1951). Alles nur wegen Tante Milla! Da sonst ihr psychotischer Zusammenbruch droht, muss die gutbürgerliche Familie ihr jeden Tag erneut Weihnachten ausrichten. Der Tante geht es dabei gut, nur die Familie zeigt in den folgenden zwei Jahren, in denen die Geschichte spielt, gewisse Verschleißerscheinungen … Ein systemischer Familientherapeut (den es 1951 noch nicht gab), könnte seine Freude daran haben … Leider ist diese Geschichte sehr lang und erfordert deshalb ein geduldiges Publikum.- „Frieden, Frieden, flüsterte der Engel." Natürlich ein mechanischer, dafür aber täglich ... Das ist eine Formulierung, die sich in meinem Gehirn festgesetzt hat.


In einem eher „schrägen Milieu“ spielend, dabei aber mehr liebenswürdig humorvoll als bissig satirisch, ist mein letzter „Weihnachtsklassiker“, nämlich „Die Leihgabe“ von Wolfdietrich Schnurre aus seinem Erzählband „Als Vaters Bart noch rot war“ (erschienen 1958). Schon das Lokalkolorit hatte es mir immer angetan: Der kleine Junge als Ich-Erzähler, der mit seinem allein erziehenden arbeitslosen Vater zur Zeit der Weltwirtschaftskrise (der aus dem letzten Jahrhundert, nicht der, auf die als mögliches zukünftiges Ereignis z.Zt. alle Medien starren!) tagsüber ins Museum für Naturkunde in die Invalidenstr. geht, um sich bei den Sauriergerippen etwas aufzuwärmen, und Frieda, die Freundin des Papas, die beide gelegentlich mit Essen versorgt, das sie als Küchenhilfe in einer Großdestille am Alexanderplatz organisieren kann. Bei so vielen Berührungspunkten muss einem Berliner ja schon fast das Herz übergehen! In ihrer großen Armut (erinnert an HARTZ IV oder weniger) ist der Wunsch des Jungen nach einem Weihnachtsbaum für den Vater ein riesiges Problem, denn „klauen“ (Vorschlag von Frieda) will er keinen. Bis er eine ungewöhnliche Idee hat …


Ich mag die Sprache dieser Geschichte und möchte deshalb eine kleine Kostprobe anführen:


Die Blautanne, auf die Vater es abgesehen hatte, stand inmitten eines strohgedeckten Rosenrondells. Sie war gut anderthalb Meter hoch und ein Muster an ebenmäßigem Wuchs.


Da der Boden nur dicht unter der Oberfläche gefroren war, dauerte es auch gar nicht lange, und Vater hatte die Wurzeln freigelegt. Behutsam kippten wir den Baum darauf um, schoben ihn mit den Wurzeln in den Sack, Vater hing seine Joppe über das Ende, das raussah, wir schippten das Loch zu, Stroh wurde drübergestreut, Vater lud sich den Baum auf die Schulter, und wir gingen nach Hause.


Hier füllten wir die große Zinkwanne mit Wasser und stellten den Baum rein.


Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren Vater und Frieda schon dabei, ihn zu schmücken. Er war jetzt mit Hilfe einer Schnur an der Decke befestigt, und Frieda hatte aus Stanniolpapier allerlei Sterne geschnitten, die sie an seinen Zweigen aufhängte; sie sahen sehr hübsch aus. Auch einige Lebkuchenmänner sah ich hängen.


Ich wollte den beiden den Spaß nicht verderben; daher tat ich, als schliefe ich noch. Dabei überlegte ich mir, wie ich mich für ihre Nettigkeit revanchieren könnte.


Schließlich fiel mir ein: Vater hatte sich einen Weihnachtsbaum geborgt, warum sollte ich es nicht fertigbringen, mir über die Feiertage unser verpfändetes Grammophon auszuleihen? Ich tat also, als wachte ich eben erst auf, bejubelte vorschriftsmäßig den Baum, und dann zog ich mich an und ging los.


Der Pfandleiher war ein furchtbarer Mensch; schon als wir zum erstenmal bei ihm gewesen waren und Vater ihm seinen Mantel gegeben hatte, hätte ich dem Kerl sonst was zufügen mögen; aber jetzt musste man freundlich zu ihm sein.


Ich gab mir auch große Mühe. Ich erzählte ihm was von zwei Großmüttern und „gerade zu Weihnachten“ und „letzter Freude auf alte Tage“ und so, und plötzlich holte der Pfandleiher aus und haute mir eine herunter und sagte ganz ruhig:


„Wie oft du sonst schwindelst, ist mir egal; aber zu Weihnachten wird die Wahrheit gesagt, verstanden?“


Darauf schlurfte er in den Nebenraum und brachte das Grammophon an. „Aber wehe, ihr macht was an ihm kaputt! Und nur für drei Tage! Und auch bloß, weil du´s bist!“


Neugierig auf die ganze Geschichte geworden? Ich füge – für alle Fälle – meine Quellen an.


Da alle drei Geschichten zu den bekannteren gehören, vermute ich, dass es kein Problem sein sollte, sie auch in neueren Anthologien zu finden!

1. Heinrich Böll: Nicht nur zur Weihnachtszeit. Satiren. – München: Deutscher Taschenbuch Vlg. 1966. (= dtv 350). Darin: „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ (1951). S. 7 – 34.

2. Robert Gernhardt: Die Falle. – In: Regine Hildebrandt: Geschichten vom anderen Weihnachten. A.a.O. S.19 – 27.

3. Regine Hildebrandt (Hrsg.): Geschichten vom anderen Weihnachten.- Freiburg i.Br.: Herder 1996. (= Herder Spektrum Bd. 4486).

4. Wolfdietrich Schnurre: Als Vaters Bart noch rot war. Ein Roman in Geschichten.- Frankfurt a.M. u.a.: Ullstein 1973. (= Ullstein Buch 382). Darin: „Die Leihgabe“. S. 51 – 56. [Diese Geschichte ist auch bei R. Hildebrandt abgedruckt.]

Montag, 15. Dezember 2008

Weihnachtsgrüße und die Verheißung von Frieden

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Seit mehreren Jahren haben meine Frau Annegret und ich zu Weihnachten einen kleinen Rundbrief verfasst, gerichtet an unsere Freunde und Verwandten. Versehen ist er immer mit einem aktuellen Familienfoto, auf dem man über die Jahre hin unseren kleinen Sohn Paul Jakob wachsen sehen kann, einem Gruß an alle „in Nah und Fern“ und einem gemeinsam ausgewählten kurzen Text.

In diesem Jahr haben wir eine ganze Weile gebraucht, ehe wir einen Text gefunden hatten, den wir sowohl gemeinsam sehr schätzen als auch den Eindruck hatten, dass er eine Botschaft übermitteln kann, die wir allen zu Weihnachten zum Geschenk machen möchten. Dass ein solcher Text sich selbst dabei überhaupt nicht auf Weihnachten beziehen muss, ist eine andere Frage. Aber „Friede auf Erden“ war bereits die Verheißung der Engel an die Hirten im Lukas-Evangelium. So möge es uns Peter Schütt verzeihen, wenn wir sein wunderbares Gedicht in diesem Zusammenhang zitieren.


Hunger

Manchmal habe ich
Hunger
nach nichts als
einem freundlichen Wort –
ein Wort
gegen die Kälte,
gegen die Angst,
ein einziges Wort
zum Aufwärmen
und zum Luftholen,
ein Wort ohne Bleigewicht,
n
ur beladen mit
einem Gran Frieden,
damit es nicht
gleich davonfliegt.

Peter Schütt


Erstaunt waren wir, dass wir beide dieses Gedicht bereits so lange kannten. Immerhin sind wir ja ein „Wessi - Ossi“- Paar! Das finde ich für unser konkretes Zusammenleben zwar schon lange nicht mehr sonderlich bedeutsam, aber diese Übereinstimmung reicht ja bis in die Phase zurück, in der Westdeutsche und Ostdeutsche z.T. sehr unterschiedliche Erfahrungen machten. Für einen westdeutschen Autor war es damals nicht gerade selbstverständlich, auch in der DDR gelesen und gedruckt zu werden! Bei allem politischen Engagement von Peter Schütt ist sicherlich dieses Gedicht weitestgehend „ideologiefrei“, vielleicht hat es uns gerade deshalb beide so angesprochen.

Ich kannte das Gedicht aus dem Jugendbuch von Hildegard Wohlgemuth (Hrsg.): Frieden: Mehr als ein Wort. Gedichte und Geschichten. Erschienen im Rowohlt-Vlg., Reinbek bei Hamburg, in der Reihe „Rotfuchs“, Bd. 287 aus dem Jahr 1981. (darin S. 38). In meinen Aufzeichnungen habe ich „9.6.1982“ vermerkt.

Annegret hingegen kannte das Gedicht, das auch sie sich zusätzlich in ihre damalige Kladde für besondere Texte abgeschrieben hatte, aus dem Buch: Peter Schütt: Bäume sterben aufrecht. Neue Gedichte. - Berlin [Ost]: Vlg. Tribüne 1984. (darin S. 26).

Samstag, 13. Dezember 2008

Weihnachten naht ...

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Als kleiner Junge habe ich um diese Zeit herum immer ein neues Weihnachtsgedicht gelernt, vielleicht für die Schule, sicherlich auch fürs Aufsagen am 24. Das finde ich aus heutiger Sicht gut fürs Gedächtnis, gut fürs Gemüt und eine bleibende Erinnerung. Wenn ich mir diese Gedichte allerdings heute anschaue, so sind sie nach meinen erwachsenen Maßstäben überwiegend nicht gerade „große Literatur“, es „rumpelt und pumpelt“, Flöckchen fliegen, Glöckchen klingen, das Christkind tritt auf, also viel Harmonie und manchmal auch Edelkitsch. „Markt und Straßen stehn verlassen …“ von Eichendorff ist da z.B. schon eine sehr rühmliche Ausnahme.


Andere Ausnahmen waren wohl meinen Lehrern eher suspekt, vielleicht auch schlicht unbekannt. Ich habe sie erst später kennen gelernt und freue mich heute z.B. an dem zart spöttischen Unterton von „Altmeister“ Goethe, der mit dem Thema der drei heiligen Könige spielt:


Epiphaniasfest


Die heiligen drei Kön´ge mit ihrem Stern,

sie essen, sie trinken und bezahlen nicht gern;

sie essen gern, sie trinken gern,

sie essen, sie trinken und bezahlen nicht gern.


Die heiligen drei Kön´ge, sie kommen allhier,

es sind ihrer drei und nicht ihrer vier,

und wenn zu drein der vierte wär,

so wär ein heiliger drei König mehr.


Ich erster bin der weiß und auch der schön,

bei Tage solltet ihr mich erst sehn!

Doch ach, mit allen Spezerein

Werd ich mein Tag kein Mädchen mehr erfreun.


Ich aber bin der braun und bin der lang,

bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang;

ich bringe Gold statt Spezerein,

da werd ich überall willkommen sein.


Ich endlich bin der schwarz und bin der klein

Und mag auch wohl einmal recht lustig sein.

Ich esse gern, ich trinke gern,

ich esse, trinke und bedanke mich gern.


Die heiligen drei König sind wohlgesinnt,

sie suchen die Mutter und das Kind;

der Joseph fromm sitzt auch dabei,

der Ochs und Esel liegen auf der Streu.


Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,

dem Weihrauch sind die Damen hold,

und haben wir Wein von gutem Gewächs,

so trinken wir drei so gut wie ihrer sechs.


Da wir hier nun schöne Herrn und Fraun,

aber keine Ochs und Esel schaun,

so sind wir nicht am rechten Ort

und ziehen unseres Weges weiter fort.


GOETHE


Gefunden in: Das Weihnachtsbuch. Mit alten und neuen Geschichten, Gedichten und Liedern. Ausgewählt von Elisabeth Borchers. – Frankfurt am Main: Insel-Vlg. 1973. (= insel tb. 46). Darin S. 115-116.

Freitag, 5. Dezember 2008

Mein Motto für den Monat Dezember 2008


Das heutige Zitat ist für mich wie ein Weihnachtsgruß. Ein wahres Weihnachtsgeschenk hingegen wäre es, wenn sich die Welt tatsächlich in diese Richtung hin verändern würde:


Wir brauchen ein Umsteuern zu einer Politik, in der Gerechtigkeit und Solidarität nicht als verstaubte Sozialromantik abgetan werden, sondern die Grundlage unserer Gesellschaft und des politischen Handelns sind.


Frank Bsirske


Dies sind die Schlussworte eines Artikels von Frank Bsirske aus ver.di publik 11/2008. Unter dem Titel „Die Richtung ändern“ analysiert er die Lage in Deutschland nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte und fordert, dass es kein „weiter so“ mehr geben dürfe, nachdem die gesamte Bevölkerung für den Ausgleich der Kosten zur Kasse gebeten worden sei. („Aufgebürdet“ wäre vielleicht ein besserer Ausdruck.)


Seine Analysen und Schlussfolgerungen kann ich gut nachvollziehen. Nur an einer Stelle scheint er mir zu optimistisch zu sein: Er erklärt nämlich den Neoliberalismus für bankrott. Da wir alle für seine Pleite zahlen sollen, stimmt das schon irgendwie. Wenn ich aber an all die vielen Ideologen, Nutznießer, Unterstützer und Mitläufer in Politik, Wirtschaft, Medien und einschlägigen Wissenschaften denke, so vermute ich, dass viele z.Zt. zwar „ihre Wunden lecken“ und vielleicht vorsichtshalber stiller als sonst sind, jedoch nur auf ihre Chancen warten, bei nächster Gelegenheit wieder den Führungsanspruch stellen zu können. Bisher werden sie sich der Unterstützung seitens unserer Regierung sehr sicher sein, was allein schon die Dimensionen der Hilfsleistungen verdeutlicht: 480 Milliarden Euro garantierte Hilfen für Banken gegenüber knapp 15 Milliarden Investitionen in die Realwirtschaft, um die Konjunktur zu stützen und die Verdienstmöglichkeiten der breiten Bevölkerung abzusichern.