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Sonntag, 17. Januar 2021

Sandkorn im Weltall

In einem religiösen Text über den "Stern von Bethlehem" findet sich zusammenfassend eine Stellungnahme  zum Leben auf der Erde, der ich mich sehr gut anschließen kann:  

Der Blick in die Sterne macht demütig. Wir befinden uns auf einem Sandkorn inmitten Milliarden von Galaxien. Die Astronomie zeigt klar, dass Leben im Weltall eine absolute Randerscheinung ist, und sie verdeutlicht uns damit die Verantwortung für diesen Planeten. Angesichts eines mit Sternen übersäten Himmels können wir gar nicht innig genug an Gottes Liebe zum Leben glauben.

Diesen Schluss zieht der Autor dieses Berichts, ein Benediktiner aus der Abtei Münsterschwarz. Auch ohne göttlichen Bezug zeigen diese Sätze das Besondere der Existenz der Menschen auf dieser Erde: Wir leben auf einem "Sandkorn" in einem ebenso winzigen Zeitabschnitt. Was der Menschheit bleibt, ist Solidarität für eine vernünftige Gestaltung dieses Lebensraums für alle, die da sind und die noch kommen werden, denn wir werden in näherer oder - bei guter "Pflege der Ressourcen" - etwas späterer Zeit sowieso wieder verschwinden. Das wird das Weltall kaum berühren... Angesichts dieser Rahmenbedingungen erscheint mir das Macht- und Prestigegerangel von Potentaten und nationalistisch  eingestimmten Bevölkerungen schlicht und ergreifend als albern und tölpelhaft. Die Weltgeschichte wird darüber hinweggehen und alles dem Vergessen übereignen. Dieses Wissen ist die unausweichliche Basis für alle menschliche Ethik, die wirklich die Lebenschancen von Menschen verbessern und absichern will.  

Quelle: Christoph Gerhard OSB: Wem der Stern aufgeht. - In: Publik-Forum 24/2020 v. 18.12.2020. S. 56 - 57.

  

Montag, 24. Juni 2019

Lektüretip: "Kinder fordern uns heraus"

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Ganz habe ich der Psychologie dann doch noch nicht abgeschworen, wenn ich diesen Beitrag an den vorigen anschließen möchte! Ich habe einen Leserbrief an das Publik-Forum verfasst, das einen meiner früheren "Klassiker" wieder in seine Buchauswahl für den Vertrieb über seinen Shop aufgenommen hat.

Ich besitze keine Neuauflage dieses Buches, es ist jetzt bei Klett-Cotta im Angebot. Zitieren kann ich nur meine uralte Ausgabe, mit der ich Jahrzehnte gearbeitet habe. (Also bei Interesse aktualisieren!)

Rudolf Dreikurs & Vicki Soltz: Kinder fordern uns heraus.
Wie erziehen wir sie zeitgemäß? - Stuttgart: Klett 1976. 
                                                                         (damals bereits 166. - 200. Tausend!)

Hier mein Leserbrief:

Liebes Publik – Forum,



mit großer Freude habe ich auf der Bücherliste des Publik – Forum – Shops  (in 4/19 und 11/19) einen „alten Bekannten“ wieder gefunden, nämlich das Buch von Rudolf Dreikurs „Kinder fordern uns heraus“. Ich denke, es war in den 70er/80er Jahren ein besonders weit verbreitetes Erziehungsbuch in Deutschland. Aber auch in diesem Genre gibt es offenbar „Moden“, und so schien mir dieses Buch schon weitgehend „vergessen“, obwohl spätere Autoren gern auf Ideen des Dreikurs-Teams zurückgriffen…



„Kinder fordern uns heraus“ ist ein äußerst praktisches, an vielen konkreten Beispielen anknüpfendes Buch, das Eltern zur Selbstreflexion ermutigt und ihnen viele Ideen für die Erziehungspraxis jenseits von Zwang und autoritärem Gehabe vermittelt. Aber es zeigt eine klare Orientierung und war ein Gegenpol gegenüber der damals sehr gelobten „antiautoritären Erziehung“.



Als Ratgeber  war dieses Buch in meinen Augen stets „1. Wahl“, auch durch seinen Bezug auf die Individualpsychologie Alfred Adlers und dessen soziales Menschenbild. „Kinder fordern uns heraus“ waren für mich in meiner Zeit als Dozent in der Ausbildung von Erzieherinnen und Heilpädagoginnen eine hilfreiche  Unterstützung und haben für viele positive Rückmeldungen gesorgt.



Schön, dass Sie diesen Klassiker wieder aufleben lassen!


                                          


Samstag, 13. April 2019

Bücherschau

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Diese Bücher habe ich u.a. in der letzten Zeit entdeckt. Ich finde ihre Themen sehr aufschlussreich und möchte mich in Kürze genauer mit ihnen beschäftigen:

Klaus Lindner: Anfang und Ende der Welt. Eine Geschichte des Kosmos. - Leipzig u.a.: Urania 1995.

Das ist dann ja schon fast ein antiquarischer Titel! Ich habe länger nach einer derartigen Darstellung  gesucht, die eine Einordnung ermöglicht, wie besonders und kurzfristig unsere menschliche Kultur in der Weltgeschichte angesiedelt ist, unsere Erde als Nußschale im Kosmos, in der wir alle nur eine winzige Zeitspanne verbringen dürfen! Eine Mahnung zur Bescheidenheit, ein Aufruf zur Solidarität aller Menschen aller Zeitspannen aufgrund ihrer nur so kurzen Existenz und eine Mahnung an alle Despoten und "Menschheitsbeglücker", die ihre tatsächliche Bedeutung über alle Maßen überschätzen!

Carel van Schaik und Kai Michel: Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät. - Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Vlg. 4. Aufl. 2018. (= rororo 63 133). 

Dies ist kein religiöses Buch im üblichen Sinn! Es ist der Versuch, die Erzählungen der Bibel zu deuten als Grundlage für eine Betrachtung der Evolution der Natur und Kultur des Homo sapiens.
 
Steven Levitsky und Daniel Ziblatt: Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können. - München: DVA 2018.

Ein mich beängstigendes Thema! Angesichts der politischen Verwerfungen in der Welt und der gewaltigen Aufmerksamkeit für rechte Themen allerorts in den Medien scheint aber die lange Jahre so friedliche Entwicklung bei uns nach der Wende nachhaltig gestört bzw. abgebrochen, eine Tatsache, die ich lange nicht wahrhaben wollte. 


 

Freitag, 13. April 2018

Meine Überzeugungen: Laotses "wahre Worte"


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Auch Laotse begleitet mich schon viele Jahre. Es sind also "kleine" und "große" Geister, denen ich viel zu verdanken habe! (Auch dieses Zitat veröffentliche ich erneut in meinem blog, ebenfalls in dem Rahmen, der mich z. Zt. sehr beschäftigt.)

Wahre Worte sind nicht schön.
Schöne Worte sind nicht wahr.
Tüchtigkeit überredet nicht,
Überredung ist nicht tüchtig.
Der Weise ist nicht gelehrt,
der Gelehrte ist nicht weise.
Der Berufene häuft keinen Besitz auf.
Je mehr er für andere tut,
desto mehr besitzt er.
Je mehr er anderen gibt,
desto mehr hat er.
Des Himmels Tao ist fördern, ohne zu schaden.
Des Berufenen Tao ist wirken, ohne zu streiten.

Laotse
"Tao te king", 81

Meine Überzeugungen: Was ich von Paul Maar und dem Sams gelernt habe

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Das folgende kleine Lied stammt aus einem Kinderbuch! Es ist das Lied des Sams aus einem der Sams-Bücher von Paul Maar ("Ein Sams für Martin Taschenbier")!

Es bedeutet mir viel, drückt es doch eine Grunderkenntnis aus, die mich schon viele Jahre in meinem Leben begleitet, auch wenn mir ihre Umsetzung nicht gerade leicht fällt.

"Einfache" Formulierungen können wichtige Sachverhalte meistens viel besser klarmachen als große gelehrte Abhandlungen. Darum liebe ich solche gelungenen Sprachgeschenke, denn so empfinde ich diese sprachlich und inhaltlich wunderbare kleine Perle.

Vor langer Zeit hatte ich dieses Zitat garantiert schon einmal in meinem blog aufgeführt. In dem jetzigen Zusammenhang passt es aber hervorragend, deshalb erneut


Andre können dich nicht ändern,
ändern musst du dich allein.
Du wirst nie die Andern ändern,
aber du kannst anders sein.

Lied des Sams

Mittwoch, 11. April 2018

Meine Überzeugungen: "Wir sitzen alle in einem Boot."

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Die Erde ist eine kleine Nussschale inmitten eines Universums von ungeheuren Ausmaßen. Sie hat schon ein beträchtliches Alter und wird wohl auch noch eine ganze Weile bestehen, aber wer weiß das schon so genau,  es übersteigt auch unsere Vorstellungskraft. Wissen tun wir allerdings, dass es Menschen auf diesem winzigen Himmelskörper erst seit sehr überschaubarer Zeit gibt und auch noch eine kürzere oder auch etwas längere Zeit geben wird - je nach dem, ob sie sich gegenseitig vernichten, die Erde bald irreversibel demolieren oder aber doch noch einmal zur Vernunft kommen und gemeinschaftlich unseren Planeten als Lebensgrundlage pflegen. Wer noch in der Lage ist, über den Tellerrand seines eigenen kurzen Lebens hinauszublicken, kann nur mit Angst und Schrecken wahrnehmen, was für eine gefährdete Welt wir unseren Nachfolgern hinterlassen. Wobei: Die Welt bzw. die Erde wird schon noch eine geraume Zeit weiter existieren - aber noch mit Menschen? Wenn die Menschheit sich nicht bescheidener ins Kooperieren und Teilen einfinden kann, wird sie sich wahrscheinlich in den dann unvermeidlichen Verteilungskämpfen um die letzten Ressourcen gegenseitig vernichten. Da hilft dann auch keine Trump'sche Mauer mehr weiter und  auch keine verteidigte EU-Außengrenze... Das hat bekanntlich seinerzeit beim Limes auch schon nicht geklappt...

Donnerstag, 15. März 2018

Meine Überzeugungen: Rosa Luxemburg über Ferdinand Lassalle und die Wahrheit

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Wie Lassalle sagte,
ist und bleibt die revolutionärste Tat,
immer "das laut zu sagen, was ist".

Rosa Luxemburg

Meine Quelle für dieses Zitat war eine Postkarte! Aber dieses Zitat dürfte so bekannt sein, dass es hinlänglich viele zuverlässige Angaben darüber geben wird.

Lassalle und Luxemburg hatten sicherlich eine rein politische Interpretation des Weltgeschehens bei diesem Zitat im Auge. Es fasziniert mich aber besonders, weil es natürlich diesen Blickwinkel umfasst, gleichzeitig aber auch auf der individuellen psychologischen Ebene große Aussagekraft hat.

Viele Ereignisse der "großen", aber auch der Lokalpolitik zeigen, wie von den (kleinen und großen) Mächtigen ständig unbequeme Wahrheiten "unter den Teppich gekehrt werden", und derjenige massive Sanktionen befürchten muss, der daran rüttelt. Dass Diktaturen und Diktatoren schon immer so gehandelt haben und auch derzeitig handeln, davon sind die Zeitungen voll. Kritikwürdig sind dann aber meist die ausgemachten Gegner, und es fällt nicht schwer, den Verlust objektiver Berichterstattung in der Türkei zu beklagen und schlimme Vorahnungen auf mögliche Entwicklungen z.B. in Polen zu haben. Aber auch "die eigene Nase" in westlichen "Vorzeigestaaten" darf angefasst werden, wenn es um Enthüllungen von Whistleblowern wie Edward Snowdon geht ... Aber bereits im AT war es für Propheten lebensgefährlich, den göttlichen Auftrag auszuführen und dem Volk und den Herrschern den Spiegel vorzuhalten. Jona hat sich vergeblich dagegen zu wehren versucht...

Aber auch im kleineren Rahmen kann es großen Ärger geben, wenn jemand an "Familiengeheimnissen" rührt und sich um Aufklärung bemüht und damit ungeschriebene Gesetze verletzt. Allerdings ist es in allen familientherapeutschen Ansätzen klar, dass nur auf diesem Weg Veränderungen eingeleitet und frühere Wunden und Ungerechtigkeiten gegenüber ausgegrenzten Familienangehörigen ausgesöhnt werden können.

Von moderner Familientherapie ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zurück zu den revolutionären Erkenntnissen der Psychoanalyse: Unerwünschte, ängstigende und beschämende Erlebnisse und Vorstellungen werden ins Unbewusste verdrängt. Sie an die Oberfläche zu holen und sich bewusst   zu machen, ist auch eine revolutionäre Tat und ein Akt der Selbstbefreiung, vor der sich aber die meisten Menschen durch massive Widerstände zu schützen versuchen. 

 

Meine Überzeugungen: Die Bedeutung des Erinnerns bei Baal Schem Tov

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Zu diesem Zitat habe ich eine ganz besondere Beziehung. Einerseits ist es eines der ältesten aus meiner "Sammlung", die ich irgendwann einmal vor etwa 35 Jahren angefangen habe. Andererseits wird hier eine fundamentale Wahrheit mitgeteilt, die für mich eine grundlegende Bedeutung hat: Nur wenn ich mich an eigene oder kollektive Ereignisse der Vergangenheit erinnere, gegebenenfalls diese betrauere, bin ich frei für Zukünftiges, ohne dass mich ungeahnte Verstrickungen an Früheres fesseln. Hier nun das Zitat:

Nicht im Vergessen, sondern im sich Erinnern besteht das Geheimnis der Erlösung.

Baal Schem Tov 

Von diesem Autor weiß ich nur, dass er im 18. Jahrhundert gelebt hat. Das Zitat verdanke ich einem Programmheft der Berliner Schaubühne aus dem Jahr 1982 zu dem Stück "Der Dibbuk".

 

Mittwoch, 14. März 2018

Meine Überzeugungen: Was ich von Bertrand Russell gelernt habe

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Vor langer, langer Zeit zu Beginn meines Studiums habe ich mich mit Bertrand Russell und seinem Buch "Warum ich kein Christ bin" auseinandergesetzt. Zwar kritisiert er das Christentum scharf, positioniert sich aber auch eindeutig hinsichtlich seiner Überzeugungen und formuliert ein Kapitel "Woran ich glaube". Daraus stammen die beiden folgenden Zitate:

Das Glück ist wahr, auch dann, wenn es ein Ende finden muss, und auch das Denken und die Liebe verlieren nicht ihren Wert, weil sie nicht ewig währen.
und

Das gute Leben ist von Liebe beseelt und von Wissen geleitet.
Beide Zitate aus: Bertrand Russell: Warum ich kein Christ bin. - Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1968. (= rororo 1019-1020). S. 62 (1. Zitat) und S. 64 (2. Zitat als Kap.-Überschrift)

Meine Überzeugungen: Erich Fromms Buddha-Zitat

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Beim Nachschlagen des Erich-Fromm-Textes habe ich nach langer Zeit wieder einmal in seinem Buch "Psychoanalyse und Ethik" geblättert. Und dabei wieder das Buddha-Zitat gefunden, das Fromm als Motto seinem Text vorangestellt hat, was ja nichts anderes besagen dürfte, dass er selbst es als eine Grundlage seines Denkens ansieht. In Dankbarkeit schließe ich mich an. (Es gibt so viele große Denker, denen die Menschheit dankbar sein könnte ...)


Seid euer eignes Licht.
Seid eure eigne Zuversicht.
Haltet euch an die Wahrheit in euch selbst
als das einzige Licht. 
BUDDHA 

zitiert nach Erich Fromm, Psychoanalyse und Ethik, Motto

Donnerstag, 4. Januar 2018

Meine Überzeugungen: "Was ich von Erich Fromm gelernt habe"

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Das folgende Zitat von Erich Fromm hat mich seit Studentenzeiten begleitet und mir eine Orientierung gegeben. Es hat meine Gedanken im Post v. 2.1.2018 zum Thema "Sinn" stark beeinflusst. [Ich hatte es bereits früher gepostet. Weil es aber zwingend in den Zusammenhang meiner jetzigen Überlegungen gehört, wiederhole ich dies heute.]

Der Mensch kann auf historische Widersprüche [von Menschen erzeugte Probleme und Ungerechtigkeiten, Anm. JL] reagieren, indem er sie durch eigenes Handeln aufhebt; existentielle Widersprüche [der unausweichliche Tod, Anm. JL] dagegen kann er nicht aufheben, sondern nur auf verschiedene Art darauf reagieren. Er kann sie durch beruhigende und beschönigende Ideologien beschwichtigen. Er kann seiner Ruhelosigkeit durch äußerste Aktivität, sei es in Vergnügungen oder in der Arbeit, zu entfliehen suchen. Er kann seine Freiheit aufzuheben suchen, indem er sich zu einem Instrument außer ihm liegender Mächte macht, mit denen er sein Ich identifiziert. Trotzdem bleibt er unzufrieden, angsterfüllt und ruhelos. Es gibt nur eine Lösung: Der Wahrheit ins Auge sehen und sich mit dem fundamentalen Alleinsein und der Verlassenheit in einer Welt abfinden, die dem menschlichen Schicksal gegenüber indifferent ist, und anzuerkennen, dass es keine den Menschen transzendierende Macht gibt, die sein Problem für ihn lösen kann,

Der Mensch muss die Verantwortung für sich selbst übernehmen und sich damit abfinden, dass er seinem Leben nur durch die Entfaltung seiner eigenen Kräfte Sinn geben kann. Aber dieser Sinn bedeutet nicht Gewissheit; das Suchen nach einem Sinn wird durch den Wunsch nach Gewissheit sogar erschwert. Ungewissheit ist gerade die Bedingung, die den Menschen zur Entfaltung seiner Kräfte zwingt. Sieht er der Wahrheit furchtlos ins Auge, dann erfasst er, dass sein Leben nur den Sinn hat, den er selbst ihm gibt, indem er seine Kräfte entfaltet: indem er produktiv lebt. Nur ständige Wachsamkeit, Aktivität und unermüdliches Bemühen bewahrt uns davor, in der wesentlichen Aufgabe zu versagen - in der Aufgabe, unsere Kraft voll zu entwickeln innerhalb der Grenzen, die durch unsere Lebensgesetze gezogen sind. Der Mensch wird nie aufhören, immer wieder verwirrt zu sein und sich neue Fragen zu stellen. Nur wenn er die menschliche Situation, die seiner Existenz innewohnenden Widersprüche und seine Fähigkeit der Entfaltung erfasst, kann er seine Aufgabe lösen: er selbst und um seiner selbst willen zu sein und glücklich zu werden durch die volle Verwirklichung der ihm eigenen Möglichkeiten - der Vernunft, der Liebe und der produktiven Arbeit.

           Erich Fromm: Psychoanalyse und Ethik. - Zürich: Diana-Vlg. 1954. S. 59 - 60.

Dienstag, 2. Januar 2018

Meine Überzeugungen: "Sinn"

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Vor diesem Beitrag möchte ich anmerken, dass ich zwar gerne philosophiere und im Laufe meines nun doch schon längeren Lebens auch vieles aufgenommen habe, was ich klugen Menschen vor mir zu verdanken habe, mein explizites Wissen über Philosophen und philosophische Schulen/Denkrichtungen aber doch sehr beschränkt ist. Das mögen mir meine Leserinnen und Leser verzeihen, falls ich einmal mit Gedanken "glänze", die "nicht auf meinem Mist gewachsen sind", ohne dass mir ihre Quelle bewusst ist. Im Regelfall habe ich eine Hochachtung vor geistigen Leistungen anderer Menschen, die das wesentliche Erbe der Vergangenheit ausmachen, und deshalb habe ich auch schon eine Vielzahl von Zitaten auf diesem blog veröffentlicht.

"Sinn", eine ganz wesentliche Kategorie! Sinnvolles Tun erfüllt mit Freude und weckt manchmal ungeahnte Kräfte. Sinnlosigkeit hingegen lähmt und macht traurig oder depressiv. Offensichtlich ist diese Sinnhaftigkeit auch mit ethischen Fragen verbunden, auch bei der Suche nach einem "Lebenssinn", der ein Kompass im individuellen Leben sein kann. Bei der Begründung von  "Sinn" in größeren Lebenszusammenhängen und unter geschichtlichem Blickwinkel wird es dann aber immer schwieriger.

Wo kommt der "Sinn" her? Ist er in der Natur angelegt, ist er ein von Menschen unabhängiges geistiges Phänomen, ist er göttlichen Ursprungs, wie es die Religionen behaupten würden?

Ich behaupte: Ohne Menschen gäbe es keinen "Sinn" in dieser Welt, er ist eine rein menschlich-kulturelle Erfindung, immer wieder neu auszuhandeln im zwischenmenschlichen und geistigen Diskurs unter den jeweils lebenden Menschen auf dieser Erde.

Das Weltall braucht keinen "Sinn" und funktioniert auch so nach eigenen Regeln. Da sind die winzigen und kurzlebigen Menschen ohne größere Bedeutung  auf ihrer verschwindend kleinen Erde in einem Zeitintervall, das auch schon in erdgeschichtlichem Maßstab von vernachlässigbarer Größe ist.

Angesichts der Verlorenheit in einer so riesigen Welt ist es nicht verwunderlich, dass die Menschheit insgesamt lange nicht die Kraft hatte, sich selbst als Basis für einen selbstgeschaffenen und selbstverantworteten "Sinn" zu begreifen. Dafür ist heute das Wissen und die Freiheit vorhanden! Aber auch heute ist noch die alte Methode am beliebtesten, den "Sinn" an einem festen Anker zu befestigen, der vorgegeben zu sein scheint und an dem man deshalb nicht rütteln darf: das ist entweder die religiöse Anbindung, in der eine Gottheit als Sinnstifter angesehen wird, oder aber die "weltliche" Lösung über irgendeine Ideologie mit einem "...ismus" als Endung, die nicht viel anders als bei der religiösen Variante einen Alleinvertretungsanspruch bei der Deutung der Welt erhebt.

Viele der hier genannten Argumente verdanke ich Erich Fromm. Ich werde in Kürze ein einschlägiges Zitat von ihm anfügen.


Meine Überzeugungen

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Meine Überzeugungen: Unter diesem Obertitel habe ich schon einmal vor 1 1/2 Jahren eine neue Reihe begonnen, in der ich eigene kleine Texte und mir ganz wesentlich erscheinende Zitate veröffentlichen  wollte. Das habe ich dann leider nicht sehr lange durchgehalten - und versuche heute mit dem Neuen Jahr einen neuen Start! Das wird mir helfen, meine eigenen Positionen zu klären und einmal explizit zu formulieren - solange mein Geist dafür reicht! Ich habe in der letzten Zeit einige geistig sehr rüstige ältere Menschen  erlebt, die ich bewundere. Bei anderen "hapert" es allerdings schon beängstigend. Wer weiß, welches Schicksal mir gegeben sein wird, aber man kann ja in jedem Fall vorbeugen und rechtzeitig mit Wesentlichem anfangen...