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Mittwoch, 25. Juni 2014

Dinosauria XXVIII: Was bleibt


Kürzlich war ich von einem Freund zum Geburtstagsfrühstück eingeladen und traf dort - nach längerer Pause - auch einen alten Bekannten wieder. Kein Wunder, dass wir uns über frühere Zeiten und die  Veränderungen in unserem Leben unterhalten haben. Was ich bei dem sich daraus in der ganzen Runde entwickelnden Gespräch bemerkenswert fand, war die Tatsache, dass alle Männer - obwohl mir in Kenntnissen über Informatik vielfach überlegen - eingestanden, dass in diesem Sektor die Entwicklung in einem atemberaubenden Tempo verlaufe und es kaum noch möglich sei, über alles informiert zu sein. Ich zückte darauf hin meine Visitenkarte, verziert von einem Dinausaurier, und kommentierte meinen Wissensstand ...

Ich habe das einmal für weitere 30 Jahre extrapoliert. Das Ergebnis könnte niederschmetternd sein, wenn man es auf Fachwissen bezieht, vielleicht auch auf Lebensbedingungen und technische Rahmenbedingungen. So wie es schon sehr "altfränkisch" klingt, wenn ich von meinen Lebensbedingungen in meiner Kindheit berichte (Klo auf der halben Treppe, kein Warmwasser, keine Dusche, ohne Telefon, Fernsehen und Auto, sogar ohne Waschmaschine und Kühlschrank, meine arme Mutter!). Wie werden wir unseren Enkeln und Kindeskindern vorkommen, die in 50 Jahren Fotos von 2014 betrachten werden? Uralt und von Gestern?

Ich denke, auf vielen Ebenen ist eine solche Entwicklung (es sei denn, unsere Nachgeborenen sprengten nicht die Welt oder alle Kultur in die Luft, was ja leider auch nicht unmöglich ist) nicht aufhaltbar, eben der Welt Lauf, so wie früher auch schon, nur erheblich beschleunigt, denn viele Entwicklungen verlaufen exponentiell. Was bleibt dann von uns Heutigen? Wirklich nur einige Dinosaurierknochen und alte Sagen? Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und vertraue darauf, dass menschliche Werte, humane Zielsetzungen, der Kampf für Gerechtigkeit und gleichwertige Lebensbedingungen für alle Menschen, das Vorbild großer Persönlichkeiten weiterwirken und sich nicht durch derartige Zeitströmungen abnutzen werden. Dadurch kann ich in Frieden mit mir selbst sein und verliere nicht meinen Wert.

Dienstag, 1. April 2014

Neuer "Neustart"

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Mit meinem "Neustart" Ende 2012 hat es ja leider nicht so richtig geklappt ... Ich nehme heute einen neuen Anlauf, der kein Aprilscherz sein soll und versuche mich wieder beim Formulieren.

Wenn ich es recht bedenke, war mein Schweigen aber eher heilsam und weniger ein Verlust. Bei all den Fluten an Informationen ist die Welt nicht viel ärmer, wenn sie auf meine nicht immer originellen Ausführungen länger warten muss ...

Außerdem denke ich, dass ich nur bedingt etwas versäumt habe. Das ist natürlich ironisch, gepaart mit der eher bitteren Einsicht, dass mein Einfluss auf irgendwelche wünschenswerten Veränderungen so gut wie nicht gegeben ist. Aber warum bitter? Mein früherer Ehrgeiz ist weitgehend "abgeschmolzen" und macht einer allmählich größeren Gelassenheit Platz, die meine wirkliche Bedeutung einbezieht, mich aber dennoch nicht zum Schweiger stempelt. Solange ich noch zu dieser Welt und ihren Ereignissen Stellung beziehen kann, bin ich lebendig und gebe das weiter, was sich in mir an Gedanken herausbildet.

Dabei könnte ich fast an meine letzten Ausführungen 2012 anschließen: Die großen Ereignisse in der Welt sind so beängstigend wie eh und je, es ist nicht friedlicher geworden, die großen Weltprobleme sind nicht vorangekommen, Sackgassen überall. Und bei den "kleineren" Fragen, die uns eher in Deutschland betreffen: Trotz großer Töne ist die Finanztransaktionssteuer immer noch nicht da, der Staat verzichtet auf höhere Steuern zu Lasten des reichen Bevölkerungsteils, an den Schulen fehlen Lehrer, eine Bürgerversicherung steht in den Sternen, was Altersabsicherung und Krankenversicherung betrifft ... Ich kann also munter da weitermachen, wo ich vor meiner Schreibepause aufgehört habe.

Hauptsache, ich langweile damit dann niemanden. Aber Lesen ist ja freiwillig ...

Freitag, 9. November 2012

In eigener Sache: Neustart

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Mein letzter Eintrag liegt schon eine Weile zurück. Das ist schade, denn mein blog war immer ein hervorragendes Medium, mir selbst meine Meinungen und Interessen zu verdeutlichen und anderen mitzuteilen. An diese guten Erfahrungen möchte ich heute anknüpfen und einen "Neustart" versuchen, "Perlen" aus der Flut von interessantem Material aussuchen und von Zeit zu Zeit veröffentlichen.

Ich habe mich über die vielen Leser gefreut, die mich auch in meiner "Ruhephase" auf meinem blog besucht haben. Danke!

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Grüße zum Advent

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Ich melde mich bei meinen Leserinnen und Lesern zurück und wünsche allen eine ruhige und friedliche Advents- und Weihnachtszeit!

Meine Anmerkung vom vergangenen Jahresende gilt erneut: Meine schönsten Weihnachtsgedichte und Geschichten und meine (mehr oder weniger) klugen Gedanken dazu habe ich bereits alle auf meinem blog veröffentlicht, zehre selbst davon und stelle immer wieder fest, dass sie mir immer noch gefallen! Weihnachten ist halt ein Fest mit festen Traditionen, da muss man nicht ständig etwas Neues erfinden! Wer sich aber für meine früheren Äußerungen doch interessiert, findet sie aufrufbereit unter den "Labels" in der linken Spalte unter "Weihnachten und Neues Jahr"! Ich wünsche gute Anregungen!

Freitag, 1. Juli 2011

Meine Bücher

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Bücher sind mein Leben, so dachte ich jedenfalls bisher und handelte jahrelang danach: ich sammelte sie mit Leidenschaft. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn ich habe schon viel in meinem Leben gesammelt, als Kind Briefmarken, später ebenso Mineralien und Versteinerungen, Schallplatten oder CDs mit klassischer Musik, auch schon Zeitungsausschnitte und Postkarten, immer aber mit Begeisterung und einem Sammlerherz, das es nach Vervollständigung seiner Sammlung drängte. So als würde ich dadurch das Leben an mich heranholen und konservieren können, wenn ich mich mit Schönem und Seltenem umgebe.

Aber Bücher waren dabei immer mein Schwerpunkt. Schon als Kind liebte ich meine Schätze, und ich kann mich noch daran erinnern, wie ich, schon etwas älter, in unser Warenhaus lief und mein Taschengeld in Taschenbuch-Remittenten umsetzte, die billig verramscht wurden. Das wurde nur kurzfristig unterbrochen, als die Mono-Schallplatten vom Markt genommen wurden und ich mir mit ihnen meine erste Musiksammlung „aufbaute“. So kam einiges bei mir zusammen, überstand verschiedenste Umzüge und wuchs und wuchs. Umzüge waren allerdings immer wieder einmal ein Anlass, meine Bestände zu sortieren und auch einmal mehrere Kisten Bücher auszusortieren. Aber meine Sammlerlust blieb davon unberührt und es störte mich kaum, dass ich nur wenige dieser Schätze richtig durchgearbeitet habe. Das erkennt man dann allerdings an zahllosen Bemerkungen und Textmarker-Anstreichungen in einigen Büchern, die habe ich wirklich „durchgekaut“. In vielen anderen Fällen aber war für mich ein Thema schon dadurch „gegessen“, dass ich mir ein kluges Buch darüber ins Regal stellte, so nach dem Motto: „Wenn ich es dann wirklich einmal etwas genauer wissen will, kann ich ja nachschlagen.“

Bei einigen Themen war ich (vorübergehend) tatsächlich „auf dem Laufenden“, vor 20 Jahren habe ich sämtliche Psychotherapie-Führer, die seinerzeit auf dem Markt waren, besessen und war stolz darauf. Mittlerweile haben mich die Bücherberge der Neuerscheinungen längst überrollt und mein Interesse hat sich stark gewandelt.

Dafür gab es vor vielen Jahren schon einmal einen ersten Anstoß. Ich bin ihm damals zwar noch nicht gefolgt, aber ich habe ihn niemals vergessen: Ich lernte einen Benediktiner-Pater kennen, der wie ein väterlicher Freund zu mir war und den ich eine Zeit lang häufiger in seinem kleinen Kloster besuchte. Auch er liebte Bücher. Wir lasen uns gegenseitig manchmal etwas vor. Er hatte seine Bücher mit Bleistift-Notizen gefüllt und fand seine Lieblingszitate sofort. Als ich ihn einmal in seinem Zimmer besuchen durfte, stellte ich fest, dass er nur ein einziges schmales Bücherregal darin besaß: Diese Bücher genügten ihm, er habe alle schon mehrfach gelesen. Mehr brauche er nicht. Er hätte früher auch mehr Bücher besessen, die hätte er alle an die Klosterbibliothek abgegeben. Und wenn ihm jetzt jemand ein Buch schenke, so würde er es nach dem Lesen entweder ebenfalls in die Bibliothek weiterreichen oder weiter verschenken. Mich erinnerten seine Worte an ein Gedankenspiel aus Selbsterfahrungsgruppen: „Was würde ich auf eine einsame Insel mitnehmen, wenn ich nur zwei Koffer mitnehmen dürfte …“

Dieses Bild von Wichtigkeit, die ein Besitz für mich haben müsste, damit ich ihn unbedingt bei mir behalten möchte, habe ich seither zwar nicht vergessen, aber erst in den letzten Monaten auch etwas davon in Taten umgesetzt: Meine Schwiegermutter hatte entdeckt, dass man bei Amazon eigene Bücher verkaufen kann. Bei vielen lohne es sich kaum, einige brächten aber tatsächlich einen guten Ertrag. Auch meine Frau versuchte es und war erfreut über manchen guten Verkauf. Lange sträubte ich mich, allerdings war ich immer neugierig, ob meine Bücher noch irgendeinen Wert besitzen oder weitgehend unverkäuflich sind und testete einige auf ihren erzielbaren Preis hin. Und seither verkaufe ich Bücher!!! Und trenne mich von manchen liebgewordenen Schätzen. Aber das stimmt ja gar nicht: Bücher, die mir wirklich etwas bedeuten, behalte ich natürlich. Das sind aber viel weniger als gedacht. Die vielen Titel, die ich mir früher nur mit dem Gedanken gekauft habe, zu diesem Thema müsste ich auch etwas besitzen, und die dann ungelesen im Regal verschwanden, sind mir meistens nicht mehr sehr wichtig, ich kann gut von ihnen lassen… So werden meine Regale langsam etwas leerer, die Übersichtlichkeit steigt und meine Erben werden später etwas weniger zu bearbeiten (und wegzuwerfen ) haben. Ich bin erstaunt über mich, wie wenig ich dies als Verlust erlebe, viel stärker als Erleichterung und mit dem Bedauern, dass so viele Titel offensichtlich unverkäuflich sind. Ich werde viele nur verschenken können oder ins Altpapier tun müssen.

Außerdem, was macht’s? Der nächste Sammler steht schon in den Startlöchern: Mein kleiner Sohn Paul Jakob hat sich diese Bücherliebe von seinen Eltern abgeguckt und besitzt selbst schon eine stattliche, immer mehr wachsende „Sammlung“!

Montag, 23. Mai 2011

Alter macht frei - oder könnte es jedenfalls!

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Es hat mich wieder ereilt! Vor wenigen Wochen bin ich 64 geworden und frage mich, was das eigentlich so für mich bedeutet. Nun, mein Rentenbeginn (nach der Ruhephase meiner Altersteilzeit) rückt beängstigend näher, beängstigend deshalb, weil mein Portemonnaie dann wesentlich schlechter bestückt sein wird…

Daneben habe ich mich unter den Verwandten und Bekannten umgesehen, die mir schon ein paar Jahre voraus sind. Sehen, hören, laufen können die meisten weniger gut als früher, geschenkt, das ist unausweichlich. Ebenso wahrscheinlich die nachlassende Gedächtnisleistung. Mit meinem Kurzzeitgedächtnis habe ich ja selbst schon seit längerem meine Blessuren und Peinlichkeiten erlebt, finde aber mittlerweile meine Brille meistens wieder, weil ich sie diszipliniert nur noch an bekannte Orte lege, anderes regele ich mit einer Unzahl von Notizzetteln. So ist es, toi, toi, toi, bislang nur eine zunehmende Altersschwäche und noch kein Alzheimer … (Alzheimer finde ich die schlimmste Drohung, die ich mir vorstellen kann, obwohl die Betroffenen in einem späteren Stadium es wohl selbst kaum noch merken und ihre Umwelt mehr darunter leidet als sie selbst …)

Dann wird vom Alter noch berichtet, dass einige – die Glücklichen ! – milder und weiser und gütiger werden, andere aber – wahrscheinlich die größere Gruppe – unflexibel, starrer und schlimmstenfalls wehleidig oder verbittert auf die Wunden der Vergangenheit schauen. Das wollte ich zum Hauptthema dieses blogs machen.

Ich habe mich lange genug mit Tiefenpsychologie und Psychotherapie beschäftigt, um zu wissen, welche prägende Wirkung frühe Lebenserfahrungen auf das Erleben und den Charakter eines Menschen für seine gesamte Lebenszeit haben können. Und doch gibt es auch hier Unterschiede, wahrscheinlich gemäß der Zugehörigkeit zu den beiden Gruppen von Menschen, von denen ich soeben geredet habe.

Da sind zunächst diejenigen, die sich unentwegt in die uralten Wunden und Kränkungen, die sich irgendwann in ihrer Kindheit ereignet und manche Fortsetzungen im späteren Leben nach sich gezogen haben, regelrecht verbeißen und keinen Deut davon ablassen können. Ihre Freiheit, es in höheren Jahren einfach auch mal anders zu versuchen und höchstwahrscheinlich auch machen zu können (wer ist mit älteren Menschen nicht auch nachsichtig!!), ist dadurch natürlich sehr gering und die Lebensfreude entsprechend eingeengt.

Im Kontrast zu Menschen „dieser Bauart“ fällt mir zunehmend an mir eine Haltung von „Wurschtigkeit“ auf, die mir ungemein das Leben erleichtert. Lange habe ich mich mit den Problemen meiner Kindheit beschäftigt, mit meinen Eltern gehadert, mich selbst über vieles geschämt, denn ich wäre gern anders gewesen, ein besserer „Mitspieler“ mit den Kindern und Jugendlichen meiner Umgebung, nicht so einsam auf meinem eigenen Stern. Irgendwie ist das jetzt aber alles sehr verblasst. Die Idee, einen Roman über meine Kindheit zu schreiben („Die Leiden des jungen JüLü“), habe ich schon vor längerem verworfen, für wen sollte er interessant sein? Meinen Eltern gegenüber habe ich eine eher ferne, aber freundliche Erinnerung ohne Anklage, da gab es früher schon andere Zeiten... Auch den kleinen Jungen von damals, der ich einmal war, würde ich jetzt freundlich in den Arm nehmen und ihn trösten, nicht aber auch noch Vorwürfe machen und mit ihm hadern wie früher. Er konnte es eben nicht besser und hatte es nicht leicht.

Darüber hinaus: Wer von meinen Mitschülern etc. sollte mir jetzt noch etwas vorwerfen oder mich abschätzig behandeln? Ich bin doch in ihrem Leben bestenfalls noch eine unscharfe Erinnerung, vielleicht noch als Spur eines „Spinners“ vorhanden, das wäre aber schon viel! Meine Haare werden auch allmählich grau, das Alter zeichnet mich ebenfalls, genauso wird es meinen Mitspielern von damals ergehen, die in meinem Gedächtnis aber noch als „junge Leute“ abgespeichert sind, so als würden sie ewig auf diesem Stand verharren. Da ich kaum einen jemals wieder gesehen habe, sind diese inneren Bilder nicht gemäß dem Lebensweg aller Betroffenen mit gewachsen und haben sich deshalb nicht an irgendwelche Veränderungen angepasst.

Dafür habe ich ein treffliches Beispiel, für das ich mich in meiner Jugend sehr geschämt habe: Ich war Mädchen gegenüber außerordentlich verklemmt – und höchst interessiert! Eine schwierige Mischung! Meine Erfolge waren entsprechend und alles war mir so peinlich, dass ich es als echte Befreiung erlebte, zum Studium aus meiner Heimatstadt weggehen zu dürfen. Ein Neuanfang, denn in der Uni kannte niemand mein früheres Leben - und interessierte sich nicht dafür. (Wirklich befreit hat mich das allein natürlich überhaupt nicht, was ich damals noch nicht wusste, war aber schließlich mein Einstieg in eines meiner Lebensthemen: „Tiefenpsychologie und Psychotherapie“, s.o.)

In meinen Vorstellungen habe ich die Erfahrungen mit Mädchen in meiner Kindheit und Jugend natürlich mit mir und den Gefährtinnen meiner Phantasien, Wünsche und seltenen holprigen Begegnungen so mit den Bildern von uns abgespeichert, wie wir jugendfrisch damals aussahen. Und Mädchen sind besonders hübsch in diesem Alter! Noch später wurde ich innerlich rot, wenn ich an diese Situationen dachte, so als wäre alles ganz frisch und spielte sich immer noch zwischen den unveränderten Gestalten aus meiner Vergangenheit ab. Weit gefehlt! Die damaligen Damen meines Herzens müssten mittlerweile auch alle mindestens 60 Jahre alt sein. Ich weiß Frauen dieses Alters durchaus zu schätzen, es gibt sehr kluge unter ihnen, mit einigen bin ich gut befreundet. Aber der erotische Liebreiz meiner Jugendtage ist dahin, auch bei mir, und sie lösen in mir freundschaftliche Gefühle aus, nur noch selten erotische wie in meiner Jugend! Dass niemand mich falsch verstehe: ich weiß Frauen außerordentlich zu schätzen, mit ihnen kann man meistens vernünftig reden, mit Männern ist das oft schon eher ein Kunststück…

Dieses Zurechtrücken meiner Erinnerungen auf die wirklichen Zeitläufe hat mich sehr befreit! Ich darf mich mit heutigen Augen betrachten und muss nicht mehr den schamvollen Blick meiner Kindheit und Jugend einnehmen. Das heißt aber auch, dass ich freier über mich und meine heutigen Gefühle entscheiden kann. Wer sollte mir das Alte noch vorwerfen, wenn ich selbst es nicht mehr tue! Das nenne ich einen echten Zugewinn an Freiheit und Lebensfreude und eine der wenigen wirklich angenehmen und positiven Chancen des Älterwerdens!


Sonntag, 22. Mai 2011

Mein Motto für den Monat Mai 2011: Der innere Schweinehund

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Der Monat ist schon nicht mehr ganz frisch ... Aber noch nicht zu Ende! Deshalb füge ich heute mein verspätetetes Monatsmotto an, gleichzeitig eine Absichtserklärung für folgende eifrigere Taten und Veröffentlichungen nach langer Pause.

Den Inneren Schweinehund überwinden ist das Geheimnis eines tätigen Lebens.

Könnte aus dem Volksmund stammen, jedenfalls nachempfunden.

Freitag, 11. Februar 2011

Wieder zurück!!!

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Nachdem mein Computer nachhaltig an einem schlimmen Virus erkrankt war und total abstürzte, ist er mittlerweile wieder genesen.

Ich habe die Zeit auch zum Nachdenken über mein Schreiben genutzt und werde in den nächsten Tagen wieder mit Beiträgen fortsetzen.

Sorry gegenüber allen, die mir die Treue bewahrt haben und sich mittlerweile auf meinem blog langweilen (wobei ich behaupten möchte, dass auch meine älteren Beiträge durchaus lesenswert sind! Aktualität kann ich ohnehin nicht bieten.)

Bis bald!

Herzliche Grüße von Jürgen Lüder

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Meine Weihnachtsgrüße

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Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern ein schönes Weihnachtsfest! Denjenigen, denen es glaubensmäßig noch etwas bedeutet, möge es auch ein gesegnetes Weihnachten sein! Den anderen eine Zeit, in der neben all dem Trubel auch Gelegenheit zum Besinnen bleibt und für Gedanken an die Menschen in der Nähe, die Ihnen etwas bedeuten.

Traditionell verschicken meine Frau und ich vor Weihnachten einen Brief an Verwandte und Freunde, den wir mit einem Foto unserer Familie auf "aktuellem Stand" und einer nachdenklichen Geschichte zu Weihnachten schmücken. In diesem Jahr haben wir dafür den Text von den "Löffeln" ausgewählt, den ich auch schon einmal in meinem blog veröffentlicht hatte (12. Oktober 2010). Die Geschichte ist aber so schön, dass ich sie noch einmal anfügen möchte:


Die Löffel

Ein Rabbi kommt zu Gott: "Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel." "Nimm Elia als Führer", spricht der Schöpfer, "er wird dir beides zeigen."

Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand. Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber die Menschen sehen mager aus, blaß, elend. Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen. Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.

Die beiden gehen hinaus. "Welch seltsamer Raum war das ?" fragt der Rabbi den Propheten. "Die Hölle", lautet die Antwort.

Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber - ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen gesund aus, gut genährt, glücklich.

"Wie kommt das?" - Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel gegenseitig in den Mund. Sie geben einander zu essen. Da weiß der Rabbi, wo er ist.

RUSSISCHES MÄRCHEN

gefunden in: Lektüre zwischen den Jahren. Vom Glück. Ausgewählt von Gottfried Honnefelder. - Frankfurt a.M. : Suhrkamp 1985.

Sonntag, 21. November 2010

Märchen und Ethik

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In meinem kleinen Literaturkreis, in dem wir hier in meiner Heimatstadt von Zeit zu Zeit die unterschiedlichsten Texte lesen und unsere Eindrücke darüber austauschen, waren in den letzten Wochen "Märchen" dran, ein Thema, das mich in seiner Vielfalt immer wieder fasziniert.

Einige meiner ältesten Erinnerungen ranken sich dabei um ein kleines, schäbiges Märchenbuch der Gebrüder Grimm, mit kaputtem Einband, Brandflecken und losen Seiten. Meine Mutter hat es wohl als Trümmerfrau 1945 in einer Ruine in Berlin gerettet. Die Auswahl der Märchen war etwas ungewöhnlich, jedenfalls waren nicht nur die üblichen berühmten Märchen abgedruckt. Wenn ich mich richtig erinnere, las ich in diesem Buch erstmalig "Die Nixe im Teich" und "Die beiden Brüder", zwei Märchen, die in ihrem "Skript" irgendetwas mit mir zu tun haben müssen, denn ich las sie immer wieder... (Ich denke jetzt, es hat etwas mit dem Motiv der Treue zu tun, die auf einer langen Lebensreise trotz größter Schwierigkeiten Bestand hat und schließlich nach vielen Plackereien doch noch zu einem guten Ende führt. Aber erst dann.)

Mittlerweile habe ich von psychologischen Ansätzen erfahren, die Märchen dafür einsetzen, Zugänge zum eigenen Erleben und der eigenen Entwicklungsgeschichte zu finden und sie dadurch therapeutisch nutzbar zu machen. Ich denke, da ist wirklich etwas dran. Jedenfalls haben mich Märchen, insbesondere Volksmärchen, nie mehr losgelassen, auch wenn dieses Buch meiner Kindheit leider schon vor vielen Jahren irgendwie abhanden gekommen ist.

Wir haben in dem Kreis darüber diskutiert, woher wohl die Märchen stammen mögen (die Wissenschaftler sind sich nicht einig) und welche Aufgabe sie ursprünglich hatten. Meine Meinung - jenseits aller Wissenschaftlichkeit: Volksmärchen dienen der Grundlegung einer Ethik! "Gut" und "Böse" werden eindeutig aufgezeigt, die dahinterstehende Ordnung ist einfach und überzeugend. (Fast) immer siegt zum Schluss das Gute! (Vielleicht gibt es Gegenbeispiele, sie sind mir aber z.Zt. nicht präsent). Kindern ist diese Ordnung in bestimmten Entwicklungsabschnitten sofort zugänglich und einleuchtend. Dabei sind die Märchen garnicht für Kinder erzählt (und später aufgeschrieben) worden, es waren ursprünglich Berichte für Erwachsene.

Samstag, 13. November 2010

Dinosauria XXI: Bezogenheit

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Als Dinosaurier kann ich auf Berichte aus der Romantik zurückblicken, dass die Menschen, die etwas auf sich hielten und die dazugehörige (Herzens-)Bildung besaßen, sich gegenseitig lange Briefe schrieben, über eine Antwort gründlich nachdachten und dann ausführlich zurückschrieben. Natürlich gingen sie dann auch auf Fragen ein und kommentierten Ausführungen ihres Gesprächspartners/ihrer Gesprächspartnerin. Auch aus späteren Zeiten gibt es Briefwechsel berühmter Zeitgenossen, die es bis zur Buchform gebracht haben. (Die der weniger berühmten Mitmenschen finden sich vielleicht noch in den Schuhkartons, die wir beim Aufräumen des Erbes von Großeltern und Urgroßeltern finden, denn Derartiges wurde natürlich aufgehoben!)

Das meine ich mit "Bezogenheit"! Jemand tritt an mich heran, grüßt mich, stellt mir eine Frage, teilt mir eine Meinung mit, möchte meine Gegenmeinung dazu wissen. Und ich reagiere darauf in angemessener Weise. Wenn es funktioniert, sozusagen eine Form von "Ping-Pong-Kommunikation". Gibt es das heute noch? Oder habe ich da zu ideale Vorstellungen im Zeitalter von Emails, You Tube, Chatrooms und ähnlichen schönen Sachen? Briefe dürften schon einmal fast ausgestorben sein, Graphologen langsam völlig überflüssig werden, weil sie kein geeignetes Material mehr vorfinden, denn keiner entwickelt mehr eine individuelle Handschrift, wenn er nur noch auf seine Tastatur einhämmert.

Neben diesem eher Wehmütigen, was halt so mit den "Dinosauria-Themen" verbunden ist, trifft diese Fragestellung mich allerdings auch "mit einer roten Nase" vom vielen Selbstanfassen, denn meinen eigenen idealen Erwartungen entspreche ich selbst oft nicht, was aber nicht heißen soll, dass sie nicht dennoch sinnvoll sind (und ich mich um ein Dazulernen und Bessermachen noch bemühe).

Ich habe darüber nachgedacht, in welchen Lebensbereichen mir oft etwas an Bezogenheit gefehlt hat und was ich mir statt dessen wünschte - nicht zuletzt auch von mir selbst!

Ich habe mir dabei drei Bereiche sehr unterschiedlichen Charakters ausgesucht, ich möchte etwas schreiben über
  1. den dienstlichen Umgang mit Kollegen und Chefs und was da so alles sinnvoll sein könnte im Zusammenhang mit einer heute viel gepriesenen "Mitarbeiterpflege", wenn Chefs sich mehr auf ihre Mitarbeiter beziehen würden,
  2. den Umgang mit Emails und den doch noch nicht ganz ausgestorbenen Briefen im Privatbereich und
  3. den Umgang mit Büchern und Texten, die bei mir zum Geburtstag und Weihnachten auf dem Gabentisch landen, aber auch alle anderen Schriften, die ich von Freunden erhalte - vice versa alles das, was ich selbst in diesem Genre schon an andere geschickt habe.
Zu 1.: Von den drei Unterthemen nimmt dieses schon eine Sonderposition ein. Ich habe es hier mit aufgenommen, weil ich es in der Vergangenheit doch sehr belastend und enttäuschend fand, auch wenn es in meiner derzeitigen Lebenssituation kaum noch eine Rolle spielt: Ich war immer ein eher "unbequemer" Mitarbeiter, sei es, dass ich mich in der Mitarbeitervertretung engagierte, sei es, dass ich auch sonst mit meiner Meinung "nicht hinter dem Berg hielt". So habe ich in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit mehrfach meinen Chefs (auf unterschiedlichen Leitungsebenen) etwas geschrieben, Anregungen gegeben, auch etwas kritisiert. Meist wurde es totgeschwiegen, obwohl ich die Adressaten meiner Botschaften fast täglich getroffen habe. Keine Reaktion! Das kann ich dann in meinem Sinne interpretieren: Entweder ist es eine besondere Form von Machtausübung ("was schert mich Dein Geschreibsel") oder die Notbremse, sich nicht mit unliebsamen Themen beschäftigen zu müssen, also eher ein Zeichen von Schwäche ("lass mich zufrieden mit Deinen Sachen, ich habe schon genug andere Sorgen"). Auf jeden Fall demotivierend und eine sehr schlechte Mitarbeiterpflege! Es soll Betriebe geben, die Preise für Mitarbeiter ausloben, die Ideen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Ein gutes Potential, wenn man es zu heben versteht!

Dieses Thema "kommt mir immer mal wieder hoch", obwohl es in den Bereich der Erlebnisse und Erinnerungen gehört, die ich gern "loslassen" möchte, um mehr Gelassenheit in mein Leben hineinzulassen. Keine leichte Übung, aber ich befinde mich auf dem Weg ...

Zu 2.: Hier können meine Ausführungen kurz bleiben, denn der Sachverhalt ist sonnenklar: Zu einer guten Kommunikation im privaten Bereich gehört es unausweichlich, sich für Briefe und Mails zu bedanken, gestellte Fragen zu beantworten, eigene zu formulieren, damit auch der Austausch auf Gegenseitigkeit beruht, auch etwas von sich selbst mitzuteilen, so dass der andere sich einbezogen fühlen kann. Eine zeitnahe Reaktion ist sicherlich am günstigsten, mit dem Markenzeichen "lieber kurz als spät"! In diesem Bereich habe ich schon viel gesündigt und musste lieben Menschen Abbitte leisten, weil ich oft so lange gewartet habe, dass ich diese Pause erklären musste, und das konnte dann schon etwas peinlich sein (und die "lange Bank" noch einmal ein Stück verlängern). Ich sehe als Abhilfe, wie oben gesagt, nur den Weg, schneller "kurz" zu reagieren und auf längere Varianten zu verzichten, auch wenn mein ursprünglicher Anspruch einmal ein anderer war.

Ich übe ...

Zu 3.: Weihnachten "ante portas"! Aber auch Geburtstage und ähnliche Anlässe gibt's zu Hauf!
Hinterher bin ich immer um eine kleine Bibliothek reicher. Aber auch ich selbst verschenke gern Bücher, versende aber auch fotokopierte Artikel, die mir aufgefallen sind, und freue mich, wenn mir meine Cousine in der Anlage einer Email die Buchbesprechung mitschickt, die sie gerade fertiggestellt und eingereicht hat. So viel Geist auf einem Haufen! Damit könnte man doch nun wunderbare Briefwechsel eröffnen und dem Schenkenden eigene Assoziationen mitteilen, positive und negative. Jedenfalls sehe ich in einem Buch auch ein Gesprächsangebot! Also auch ein Anlass für Bezogenheit!

Natürlich ist das schon ein gutes Stück aufwendiger, als nur auf einen Brief zu antworten, denn ich muss dafür wenigstens in das Buch hineingucken und mir einen Überblick verschaffen, "wessen Geistes Kind" es überhaupt ist, um mir eine Meinung zu bilden. Früher habe ich Bücher gesammelt, so wie es halt ein Sammler tut: Hauptsache besitzen und gut sichtbar aufbewahren! So stehen noch viele ungelesene Schätze bei mir herum. Auch hier ist meine neue Strategie: weniger ist mehr, darum mehr lesen! (Und weniger kaufen.)

Hier möchte ich in Zukunft auch ein besserer "Mitspieler" werden, der seine Meinung als Dank zurückgibt und vielleicht dadurch einen kleinen Dialog ermöglicht. Mit meinen Büchergeschenken an andere sieht es auch nicht viel besser aus, aber bevor ich bei anderen etwas einfordere, fange ich am besten bei mir selbst an! Das war und ist immer noch der am meisten Erfolg versprechende Ansatzpunkt.

Für eine neue Kultur der Bezogenheit!

Montag, 8. November 2010

Auf dem Weg zu mehr Gelassenheit

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Ein Thema, über das ich in den letzten Tagen schon mehr mehrfach geschrieben habe, ist die unausweichliche Notwendigkeit, das "Loslassen" zu üben und sich mit einem bescheideneren Anteil am Weltgeschehen zufrieden zu geben. Wer diesen Weg geht, soll den Zugang zu mehr Frieden, Gelassenheit und Ruhe finden. Aber es ist offenbar ein dorniger Weg bzw. man kann nichts erzwingen und die Zeitdauer für seinen Ablauf ist ein ganzes Leben! So erscheint es mir im Augenblick.

Besonders eine Frage berührt mich dabei: Führt Gelassenheit zu einem milden Blick auf alles in der Welt? Oder darf ich mich noch aufregen? Im Augenblick gibt es so viele Nachrichten und Erlebnisse von Ungerechtigkeiten und Dummheit, die man eher "herausschreien" müsste, die mich ärgern und zum Widerspruch reizen (vgl. meinen blog über die "unverbesserlichen Ignoranten und Esel" v. 6.11.10). Wie kann ich "gelassen" einen Beitrag gegen solche Zustände leisten? Oder gerade dann in angemessener Form? Ich denke, an diesem Punkt habe ich noch eine schwere Aufgabe vor mir.

Donnerstag, 4. November 2010

Loslassen

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Ich hatte in meinem post von gestern ("innerer Friede") angekündigt, dass ich mich in der nächsten Zeit mit dem Thema "Loslassen" beschäftigen möchte. Hier folgen meine ersten Überlegungen! Es sind sozusagen die Ergebnisse eines brainstormings mit mir selbst.

Wenn ich einmal etwas über "Loslassen" gelesen habe, so ging es im weitesten Sinne immer um die Bereiche "Besitz", "Macht" und "Einfluss", oft mit meditativ-religiösem Hintergrund. Ein mönchisches und asketisches Dasein strebe ich allerdings als Folge dieser Reflexion nicht an, aber auch so fühle ich mich von vielen anklingenden Themen betroffen. Aktuell sind mir besonders die folgenden Punkte eingefallen:

  • Die Vorstellung loslassen, andere müssten meine Ideen und Einstellungen ebenso vernünftig finden wie ich: Auch wenn andere sie nicht teilen, brauche ich mich ihrer nicht zu schämen und kann sie weiterhin der Welt zeigen.
  • Loslassen der Erwartung, alle müssten mich lieben und akzeptieren, weil ich doch so ein zuvorkommender Mensch bin: D.h. auch wenn es Leute gibt, die mich nicht leiden können oder denen ich zutiefst gleichgültig bin, bleibt mein Wert für mich erhalten und ist nicht von der Anerkennung aller Welt abhängig.
  • Loslassen von dem Wunsch nach "Rache" für Kränkungen in der Vergangenheit: Ich muss niemand mehr "offene emotionale Rechnungen" für Ereignisse von früher präsentieren. Gestern war gestern und ist vorbei. Geschehenes ist geschehen und läßt sich um keinen Preis mehr aus der Welt schaffen. Aber die Bedeutung, die ich allem beimesse, kann sich ändern. So z.B. zehrt Groll nur an mir selbst und verhindert Frieden mit mir selbst und anderen. Wenn ich ihn aufgebe, kann ich aber mit Frieden im Herzen aus dem Vergangenen für die Zukunft lernen, indem ich mich um ein Verstehen bemühe, dadurch den Wiederholungszwang auflöse und bessere Möglichkeiten für neue Situationen suche.
  • Loslassen von all den Plänen, die ich früher einmal gefasst hatte, jedoch nie umgesetzt habe: Wenn ich mir eingestehe, dass sie sich auch in meinem weiteren Leben höchstwahrscheinlich nicht mehr verwirklichen lassen, und mich von ihnen verabschiede, so nimmt das einen enormen Druck von mir. Ich kann wieder freier atmen und behalte meine Kraft für das, was ich tatsächlich noch in meinem Leben in die Tat umsetzen könnte.
  • Loslassen von der Vorstellung, das Füllhorn meines Lebens sei unerschöpflich: So habe ich als junger Mensch noch gedacht und in diesem beruhigenden Gefühl vieles an Taten in die Zukunft verlegt. Tatsächlich ist alles, was ich jetzt nicht tue, vorbei. Wer weiß, ob ich eine weitere Chance zum Handeln bekomme, denn meine Lebenszeit ist begrenzt (und schrumpft immer mehr).
  • Loslassen der Vorstellung, ich müsste Macht und Einfluss über andere Menschen ausüben, um mich stark, anerkannt und sicher zu fühlen: Ich darf mich aus diesem Konkurrenzkampf zurückziehen.
  • Loslassen von der Illusion, ich könne das Wohlbefinden erwachsener Kinder kontrollieren und steuern: Sie haben ihren eigenen Kopf und rebellieren gegen meine Versuche.
  • Loslassen von dem Bestreben, nahe Angehörige in meinem Sinne "zu ihrem Besten" modeln zu wollen, denn ich bringe sie nur gegen mich auf (und anders herum würde ich es mir auch mit Nachdruck verbitten): Ich kann versuchen, sie zu verstehen und ihnen dieses Verständnis zeigen, vielleicht auch einen Rat erteilen und meine Hilfe anbieten, alles aber immer nur auf Wunsch und zur freien Verfügung und ohne emotionale Verpflichtung, sonst geht es schief.
Soweit für heute! Weiteres wird vielleicht folgen, denn wenn erst einmal "mein Gehirn eingeschaltet" ist, arbeitet es einfach weiter, sucht und findet wahrscheinlich auch noch andere Bausteine zum Thema.

Freitag, 22. Oktober 2010

Mein Ver.di-Jubiläum

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Vor einigen Tagen erhielt ich unerwartet Post von Ver.di: Eine Ehrenurkunde mit Anstecknadel anlässlich meiner 25jährigen Gewerkschaftszugehörigkeit. Mit solchen Ehrungen kann ich - auf der formellen Ebene - nicht viel anfangen, und Ehrennadeln trage ich schon überhaupt nicht. Aber es ist eine bemerkenswerte Erinnerung für mich!

Bei meinem Eintritt war ich gerade vorübergehend als ABM-Psychologe beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Berlin-Steglitz eingestellt. Eine nette Sozialarbeiter-Kollegin warb mich damals für die ÖTV, wie die Gewerkschaft vor der Wende noch hieß.

Ein Gewerkschafter, so wie man sie auf Streik-Bildern manchmal in der Zeitung sieht, bin ich nie gewesen. Und den größten Teil der verstrichenen Jahre habe ich in einer diakonischen Einrichtung gearbeitet, in der (bisher) eine Gewerkschaftsmitgliedschaft eher verpönt war. So hatte ich konkret meist nur wenig Mitstreiter. Aber dennoch war mir Ver.di eine große Hilfe, u.a. auch in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung. Ebenso als Informationsquelle für meine Einschätzung wirtschaftlicher und sozialer Zustände in unserer Gesellschaft.

Gewerkschaftsmitglied zu sein, ist gesellschaftlich nicht gerade "in", dabei tut es Not!! Denn die Gewerkschaften, insbesondere Ver.di, scheinen mir eine der letzten Bastionen in unserem Staate gegen weiteren Sozialabbau zu sein.

So bin ich der Steglitzer Sozialarbeiterin noch heute dankbar und werde Ver.di auch als zukünftiger Rentner treu bleiben!

Mittwoch, 13. Oktober 2010

"Familienassistent " !?

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Ich habe ein Problem, jedenfalls eines verbaler Natur!

Seitdem ich in Altersteilzeit bin und dadurch schon fast ein "Rentnerdasein" führe, kümmere ich mich logischerweise viel mehr um alle möglichen Vorgänge bei uns zu Hause, bin Kindermädchen, gelegentlich Putzfrau, repariere kleine Schäden, alles was "Mann" so tut, wenn er nicht arbeiten geht. Außer Kochen; das kann ich nicht gut und überlasse es lieber meiner Frau.

Früher hat man so etwas wohl "Hausmann" genannt. Einmal eine Wortableitung "anders herum", weil sonst immer nur die Frauen Männerrollen zugewiesen bekommen mit einer weiblichen Endung dran (Chef zu Chefin, Psychologe zu Psychologin, Arbeiter zu Arbeiterin, Angestellter zu Angestellte). Da haben sich Feministinnen schon kräftig aufgeregt, wie Frauen nur in abgewandelter Form mit der "Männersprache" abgespeist werden.

Ich finde das berechtigt, wobei gerade hier bei uns "im Osten" aber viele Frauen mit DDR-Vergangenheit darunter nicht zu leiden scheinen. Wie oft habe ich nach dem Examen früher Schülerinnen erlebt, die z.B. stolz auf ihren Titel "Heilpädagoge" waren und nicht aufschrien, weil es korrekt doch "Heilpädagogin" heißen müsste!

Ich bin da viel empfindlicher. Abgesehen davon, dass ich alle Hochachtung vor Frauen habe, die als "Hausfrau" Kinder, Mann (wenn vorhanden) und Haushalt "managen" und sich selbst nicht dabei verlieren (denn es ist ein 25-Stunden-Job), möchte ich nicht gern das Pendant "Hausmann" sein. Irgendwie hat es einen (ungerecht, denn auch das ist eine Leistung!) schlechten Ruf. So als täten das nur "Softies", bei denen man Zweifel an ihrer Männlichkeit haben könnte. Aber ich gehe allein in diesen Aufgaben auch nicht auf und tue gern noch anderes daneben, wie z.B. Beiträge für meinen blog schreiben.

Einen wirklich treffenden Begriff für meine Rolle habe ich noch nicht, wie wäre es mit "Familienassistent"?! Für gute Anregungen bin ich dankbar, geht es doch irgendwie auch um die "Emanzipation der Männer" und zukunftsweisende Rollenbeschreibungen. Hausmann, wie gesagt, finde ich da nur bedingt eine anstrebenswerte Bezeichnung. Männliche Überheblichkeit oder berechtigt? Ich bin aber auch mit der neueren Männer-Diskussion nicht sonderlich vertraut - sofern es sie überhaupt gibt, denn in den üblichen Medien wird Derartiges nicht thematisiert. Schade.

Sonntag, 12. September 2010

Neuer Start - und Monatsmotto September 2010

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Heute melde ich mich nach einer längeren Pause mit einem neuen Beitrag wieder zurück auf meinem blog. Die Themen und das dazugehörige Material sind mir nie ausgegangen, dafür aber zunächst die Zeit, dann auch die Kraft, daraus lesbare Texte zu machen. So ist es ein neuer Versuch, dem vielleicht zusätzlich mein längeres Nachdenken über Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit gut tun wird: Jedenfalls habe ich ganz den Anspruch aufgegeben, brandaktuelle Nachrichten zu veröffentlichen. Davon gibt es schon mehr als genug und niemand ist auf mich angewiesen.



Das folgende Monatsmotto für den Monat September 2010 verdanke ich meiner lieben Frau, die mir aus ihrer Kur eine wunderschöne Postkarte mit den folgenden Worten von Augustinus schickte:

Die Liebe allein versteht
das Geheimnis, andere zu
beschenken, und dabei
selbst reich zu werden.

Augustinus

Dienstag, 6. Juli 2010

Dinosauria XX: Generationen-Überblick

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In meinem blog v. 2. Juli 2010 über Wolfgang Schmidbauers Buch „Ein Land – drei Generationen. Psychogramm der Bundesrepublik“ habe ich mich mit seiner Feststellung beschäftigt, wie unterschiedlich verschiedene Generationen, speziell in Deutschland, von ihrem Leben und Erleben her sein können, wie sehr ihre unterschiedlichen historischen Erfahrungen das soziale Klima der Epoche bestimmen, in der sie jeweils die „Oberhoheit im Lande" führen, bis sie dann von der nächsten Generation abgelöst werden, die sie zuvor aber noch auf die Zukunft hin zu prägen versucht haben. Das Letztere gelingt meist nur mit sehr zwiespältigem Erfolg, da „die Jungen“ sich immer von ihren Eltern emanzipieren und „ein eigenes Ding machen“ wollen, auf den genaueren Blick hin aber doch in Konflikten hängen bleiben, die ihnen ihre „Altvorderen“ vererbt haben …


Zum „Dinosaurierdasein“ gehört dabei m. E. in diesem Zusammenhang, einerseits mit Wehmut zu realisieren, dass die „H o c h zeit“ der eigenen Generation längst vorbei ist, also die Phase, in der wir Dinosaurier die „Oberhoheit im Lande“ führten. Längst prägen die Nachgeborenen das neue Klima – und stehen jetzt wie wir früher vor ähnlichen Schwierigkeiten, wie sie für den Weiterbestand unserer Kultur sorgen sollen. Andererseits umfliegt uns – und sei es nur als Kompensation für die erlebte Bedeutungs-Einbuße – ein Hauch von Hochmut, der sich aus der Bewusstheit der Tatsache herleitet, dass wir mittlerweile immerhin soviel „Leben“ und Vergleichsmöglichkeiten „angehäuft“ haben, dass wir die Relativität und Zeitabhängigkeit vieler Entwicklungen leichter einsehen können als „die jungen Leute“. Das schützt uns davor, nicht so schnell auf „Moden“ hereinzufallen wie die jüngere Generation (hoffentlich!!), ergibt aber dadurch vielleicht eben auch etwas Besserwisserisches. Jedenfalls ist es eindeutig ein anderer Blick, der sich aufgrund solcher Zeitspannen von Jahrzehnten herausbildet, ganz abgehoben von dem modisch eingeengten Blick nur auf die Gegenwart. Aber vielleicht sollte ich das nicht ironisieren, sondern eher ein wenig stolz und dankbar (!) dafür sein.


Denn ich kann durch meine Lebensspanne (geboren 1947) durchaus schon einiges „bieten“: Die Hungerjahre nach dem Krieg, der allmähliche Wiederaufbau, die Phase des Kalten Kriegs mit strammem Antikommunismus, die folgende „Tauwetterperiode“, festgemacht am Wirken Willy Brandts, die unblutige Revolution von 1989 mit dem Untergang des „Realen Sozialismus“, neue Hoffnungen auf eine einfachere Welt, dann aber das Erschrecken angesichts eines entfesselten Neoliberalismus/Kapitalismus. Nicht vergessen zuvor: Die Ängste vor einem Atomkrieg und der Kampf der Friedensbewegung, mittlerweile leider eher sanft entschlummert … Unübersehbar jetzt die aufbrechenden Weltkatastrophen durch den ungezügelten Raubbau an der Natur, aber auch die immer ungerechtere Verteilung der Ressourcen durch den globalisierten Kapitalismus.


Vieles, eigentlich alles bleibt offen im Hinblick auf eine klare Zukunft (unsere Kinder sind nicht zu beneiden!); es sieht bedrohlich aus, wenn man genauer hinschaut und nicht nur so vor sich hin lebt. Dabei haben wir eine ungewöhnliche Zeitspanne hinter uns: Wann hat es jemals einen so langen Zeitraum von Frieden in Deutschland gegeben? Dass die Menschen dennoch (nicht unberechtigt) Angst hatten, z.B. vor einer atomaren Auseinandersetzung, sollte man allerdings vielleicht nicht vergessen.


Wenn ich das alles betrachte, habe ich schon ein sehr inhaltsreiches Leben führen dürfen! Verschiedene „Gesellschaftsmodelle“ sind bereits an mir vorbeigezogen, wobei ich allerdings nicht gerade behaupten möchte, „dass wir in der besten aller Welten lebten“ und dass die Vernunft einen großen Sieg errungen hätte. (Dafür muss sie wohl erst einmal wieder Anlauf nehmen … )


Jetzt aber genug der Selbstbeweihräucherung!


Es ist mein Leben, dadurch bedeutet es mir viel. Aber es gibt viel Aufregenderes! Nämlich, wenn ich die Lebensspannen meines Vaters und meiner Mutter dagegen setze, ein Aufruf zu eigener Bescheidenheit!


Meinen Vater möchte ich hierbei nur kurz vorstellen. Durch seine Lebenszeit von 1901 bis 1979 war er (glücklicherweise!) zu jung für den I. Weltkrieg und (glücklicherweise!) zu alt für den II. Weltkrieg, in dem er nur in rückwärtigen Diensten eingesetzt wurde – denn sonst gäbe es mich vielleicht nicht!


Meine Mutter aber, die von 1905 bis 1995 lebte, hat ihn durch ihr höheres erreichtes Lebensalter noch „übertrumpft“, wenn man die verschiedenartigsten Ereignisse und Erfahrungen ihres Lebens zusammenfasst:


Fünf verschiedene Regierungssysteme hat sie durch- und überlebt! Sie erzählte uns Kindern stolz, dass sie dem Kaiser noch als kleines Mädchen „Unter den Linden“ in Berlin begegnet sei, dann kam kurz die Weimarer Republik und noch kürzer, dafür um so schrecklicher, die NS-Zeit mit ihrem Terror und dem Verlust der Heimat, lange Jahre Westdeutschland folgten mit den unterschiedlichsten Kanzlern, schließlich, am Ende ihres Lebens, die Wiedervereinigung. Das hat sie aber nur noch am Rande miterlebt und sie hatte auch nicht mehr die Kraft, die Orte ihrer Kindheit noch einmal in Ruhe und Frieden zu besuchen, was jetzt ja problemlos möglich gewesen wäre. Vielleicht war ihr das langsam alles zu viel und zu aufregend …


Denn die Zäsuren zwischen diesen Epochen waren mehr oder weniger fast alle durch Katastrophen gekennzeichnet, unter denen besonders „die kleinen Leute“ zu leiden hatten: den I. Weltkrieg mit seinen Hungerwintern, die große Inflation in der Weimarer Zeit, in der meine Mutter als Bankangestellte das einzige Familienmitglied war, das durch tägliche Gehaltszahlungen noch zum Unterhalt der Familie beitragen konnte, den II. Weltkrieg mit Flucht und Vertreibung und allen Schrecknissen, die dieser besonders für Frauen an der Ostfront mit sich brachte (meine Mutter war zu verschämt, jemals genauer darüber Auskunft zu geben), schließlich der Wiederbeginn, völlig entwurzelt, in einer neuen „Heimat“, die aber immer irgendwie fremd blieb. Zwar hatte unsere Familie keine gefallenen Angehörigen zu beklagen, aber mein Großvater verhungerte 1945 in Berlin und mein ältester Bruder war – sicherlich durch alle diese Erlebnisse und familiäre Einflüsse, wer weiß, was sonst noch alles hineinspielte, wir haben es nie genauer herausfinden können – kurz nach dem Krieg mit 17 Jahren lebensmüde …


Ich habe das als kleiner Junge nie so richtig überblickt und als älterer dann eher unter unserer gedrückten Familienatmosphäre gelitten und sie später meinen Eltern angelastet. Jetzt, im Stadium des „Dinosauriers“ aber kann ich erstmalig gerechter sehen, was mein Vater und meine Mutter alles ertragen und getragen haben. Irgendwie waren sie die wirklichen Helden der damaligen Zeit, so wie die Überlebenden in vielen anderen Familien auch! Opfer und Helden zugleich! (In anderen Familien kam vielleicht als drittes Element auch noch die Täterschaft in der NS-Zeit hinzu, also eine Verstrickung in die Schandtaten des III. Reichs. Aber auch solche Familien wollten und mussten weiterleben. „Deckel drauf“ und durch … Das war wahrscheinlich die Parole der Zeit des Wiederaufbaus und beginnenden Wirtschaftswunders. Nach allem meinen Wissen bin ich jedoch davon überzeugt, dass in meiner Familie eine solche Verstrickung nicht vorlag.)


Die zweite Hälfte ihres Lebens sollte meine Mutter dann in der neuen Bundesrepublik leben. Das ist die Zeit, in der ich sie dann kennen lernen durfte … Unter diesen Lebensbedingungen ein Kind im Jahre 1947 zur Welt bringen, das war schon tollkühn (und sicherlich nicht ganz freiwillig!). Ich bin jedenfalls meinen Eltern dankbar dafür!


Hier ließe sich manches anfügen, es gibt mittlerweile Biographien auch von einfachen Menschen aus dieser Zeit, und das Schicksal meiner Eltern würde sicherlich hinreichend viel Stoff für ein umfangreiches Buch bieten. Wer würde es aber schreiben? Und: Würde es jemand lesen? Ich selber allerdings ziehe schon einen Gewinn daraus aufgrund aller dieser Überlegungen: Mein Blick auf meine Eltern hat sich seither einerseits geschärft, andererseits bin ich in meinem Urteil viel milder und wahrscheinlich gerechter geworden (s.o.), das ist eine Übung, die sicherlich vielen Menschen gut täte, die noch einen „Kampf mit ihren Alten ausfechten“, bisher in der Anklage stecken geblieben sind und deshalb noch nicht den Schritt zum Verstehen gehen konnten. (Es gibt da noch ein Dilemma mit dem Begriff „verstehen“: umgangssprachlich verwechseln ihn viele Leute mit „verzeihen“, während die „Verstehende Psychologie“ den Versuch meint, in sachlicher Form die Situation, Gedanken, Gefühle, Motive, Aussagen, Handlungen, soziale Kontakte … eines Menschen wie in einem Mosaik zusammenzusetzen und zu sehen, ob ein „roter Faden“ auffindbar ist, der einen Sinnzusammenhang erschließen könnte, zunächst ohne jegliche Bewertung, moralinfrei.)


Ein reiches Leben! Viel Kummer, aber auch große Taten (ich stelle mir gerade meine Mutter als Trümmerfrau in Berlin vor: sie hat die ganze Familie davon ernährt!), offensichtlich auch eine Menge Mut, alles durchzustehen. Aber hätte es eine Alternative gegeben? Dann folgten Jahrzehnte eines „braven“ Lebens als Nur-Hausfrau, nachdem sie zuvor in verschiedenen Lebensphasen „die Situation geschmissen“ hatte. (So etwas zu thematisieren, waren allerdings erst Gedanken des Feminismus aus der Phase meiner Studentenzeit und später. Sie waren meiner Mutter als älterer Frau eher fremd, aber in jüngeren Jahren wäre sie vielleicht, das traue ich ihr durchaus zu, auch für solche Gedanken offen gewesen, wenn jemand sie damals schon vertreten und sie sich getraut hätte, eine größere Eigenständigkeit auf Dauer einzufordern! Mein armer Vater, was wäre dann auf ihn zugekommen!?) Ich kann verstehen, dass sie am Ende von all diesem Leben auch ausgelaugt war und an den gewaltigen Veränderungen nach 1989 nicht mehr größeren Anteil nehmen konnte. Während die jungen Leute ganz in der Gegenwart leben und anderes oft kaum denken können, hatte sie in ihren letzten Lebensjahren die Gegenwart eher ausgeklammert und lebte in ihrer Vergangenheit. Ein Vorrecht des hohen Alters!

Montag, 21. Juni 2010

Im Strom der Gedanken mitschwimmen

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Je mehr ich lese, desto häufiger erlebe ich, dass kluge Autoren schon lange vor mir Gedanken formuliert haben, die jetzt in mir selbst hochkamen und die ich zunächst ganz als meine Errungenschaft aufgefasst hatte. In jüngeren Jahren war ich über ähnliche Erlebnisse erstaunt und meistens ein wenig beschämt und beleidigt, weil ich damit offensichtlich nicht das „Urheberrecht“ für diese Idee hatte. Jetzt freue ich mich und fühle mich bestätigt, dass diese Idee offensichtlich sehr gut ist, so gut, dass sie meinem Vorläufer auch schon gekommen ist. Das ist doch ein echtes Kompliment!


Ich habe aber ebenso schon mehrfach erlebt, dass ich seit längerem Gedanken gehegt habe, die ich wertvoll und aufschreibenswert fand, ohne das jemals zu tun. Plötzlich finde ich diesen Gedanken, anders formuliert, vielleicht auch in einem anderen Zusammenhang, aber deutlich ähnlich meinem eigenen, in einer Zeitung oder einem Buch oder in einer Sendung, eindeutig erst n a c h meiner gedanklichen Akrobatik veröffentlicht. Schon wieder ist es nichts mehr mit einem „Copyright“ für meine Idee! Da ist mir jemand zuvorgekommen! Aber auch das finde ich mittlerweile wunderbar und bestätigend, denn meine Idee war offensichtlich so gut und überhaupt nicht abwegig, dass auch andere auf sie gekommen sind. So habe ich Bundesgenossen für gute Gedanken – und nicht mehr Konkurrenten, wie ich es früher eher empfunden hätte.


So kann ich im Strom der Gedanken mitschwimmen!

Dienstag, 15. Juni 2010

In eigener Sache: Das "Amalgam" meiner Beiträge

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Wer meinen blog verfolgt, wird sich vielleicht über die Unterschiedlichkeit meiner Beiträge wundern. Manchmal "gehen mit mir die Pferde durch", wenn ich gar zu viele Ungerechtigkeiten und Ärgernisse in der Welt um mich herum entdecke; da kann ich dann nicht anders, als meinen Zorn darüber in einen Beitrag zu stecken und hier zu veröffentlichen. Ich sehe aber auch, dass ein solcher Zorn zu einer verzehrenden Leidenschaft werden kann und angesichts der "widerständigen Welt" leicht Resignation oder Groll erzeugt, wenn man sich bei einzelnen Problemen "festbeißt".

Da helfen mir dann immer die vielen aufbauenden, eher meditativ-philosophischen Zitate aus meiner Sammlung oder das Wissen um Vorbilder, insbesondere solche, die der Gewalt abgeschworen haben und nur mit ihrem Geist für Verbesserungen kämpfen. Gelegentlich liebe ich aber auch "etwas Pfeffer" in Form einer Satire.

Es ist ein langer Weg zur Weisheit. Wer sagt denn, dass es weise ist, milde über alles zu urteilen und meditativ das Leben aus abgehobener Position zu betrachten!? Vielleicht ist das für einige Menschen der angemessene Weg. Ich kann mir für mich jedoch vorstellen, dass es für mich eher richtig ist, einen klaren Blick zu gewinnen, mich dabei nicht zu verzehren, aber für Humanität und menschlichen Fortschritt zu streiten, mit meinen Mitteln, solange ich dafür Kraft habe und mein Geist klar bleibt. (Wer weiß, wie lange meine grauen Zellen mitmachen...) Und: "Der Weg ist das Ziel", kein idealer Endzustand.

Zur Weisheit passt die folgende Anekdote überhaupt nicht, aber sie geht wie ein Ohrwurm in meinem Kopf herum und hat damit etwas mit meiner Befindlichkeit zu tun. Dem ersten offiziellen Schachweltmeister Wilhelm Steinitz wird die folgende Aussage zugeschrieben: Als er - schon leicht betagt - einen Wettkampf mit Michael Iwanowitsch Tschigorin spielte, gewann er eine Partie, weil dieser etwas unvorsichtig seine Königsstellung geschwächt hatte: "Ich bin schon etwas alt. Aber wenn mir jemand einen Finger in den Mund steckt, beiße ich!" (Ausnahmsweise einmal ohne Quelle ...)

"Bissig" möchte ich nicht unbedingt sein, aber wenn mich eine Aussage oder ein Ereignis provoziert und ärgert, will ich auch weiterhin dagegen Stellung beziehen. Andererseits genauso wunderbare Ereignisse und Aussagen vorstellen, damit auch andere noch Gewinn aus ihnen ziehen können!

Samstag, 17. April 2010

Die richtige Form der Anpassung

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Wer sollte angepasst werden – das Kind oder die Situation?

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Vielleicht ist dies ein ungewöhnlicher Beitrag für meinen blog. Aber er hat einen sehr persönlichen Bezug und hat mich zusätzlich noch einmal auf „mein früheres Leben“ als Dozent an einer heilpädagogisch ausgerichteten Fachschule verwiesen.


Mein kleiner Sohn, der mit mir zusammen die Startseite meines blogs ziert, ist behindert. Daran besteht kein Zweifel. Mittlerweile wissen wir auch, dass Eltern meistens die besten Experten für ihre Kinder sind, denn alle (zahlreichen) Ärzte, die wir im Laufe der Lebensgeschichte unseres mittlerweile 9jährigen Sohnes aufgesucht haben, mochten sich nicht festlegen und haben sich bisher bei einer eindeutigen Diagnose „gedrückt“. Wir sagen deshalb mittlerweile scherzhaft, er habe das „Paul-Jakob-Syndrom“, unbestritten vorhanden, aber einmalig. Bei der heute üblichen Aufweichung früherer strengerer Diagnose-Kriterien sind wir allerdings überzeugt, dass er dem Autismus-Spektrum zuzuordnen ist.


Bekanntermaßen brauchen Autisten ihre Ordnungsrituale und pflegen daneben oft Spezialthemen, in denen sie manchmal ungewöhnliches Wissen anhäufen können. So auch Paul Jakob, der Spezialist für Zirkus, Geographie und Geschichte ist. In diesen Bereichen macht ihm kaum ein Gleichaltriger etwas vor! Andererseits hat er noch seine fast kleinkindhaften festen Gewohnheiten, die ihm den Tag strukturieren und übersichtlich machen. Ein Tag, der ohne den „Sandmann“ im KIKA endet, ist ein unglücklicher Tag; es gibt Tränen und Geschrei.


Das war unser großes Drama zu Ostern, als wir Pauls Onkel und seine liebenswerte Tochter besuchten. Paul war zunächst beglückt!! Aber die beiden besitzen keinen Fernseher!! Ungewöhnlich in unserer heutigen Zeit, aber es kommt bei Überzeugungstätern noch vor! Pauls Kummer war groß und wir fürchteten schon Schlimmes für die Stimmung in den nächsten Tagen. Mit sachlichen Erklärungen zur Situation, mit Ankündigungen ungestörter Sandmann-Sendungen nach unserer Rückkehr und mit eher hilflos-autoritären „basta-Kommentaren“ wie „Es gibt nun einmal keinen Sandmann. Das weißt Du doch! Zwei Tage wirst Du das schon aushalten!“ war Paul Jakob nicht zu helfen. Wir hätten ihm auch noch sonst welche Belohnungen versprechen können. Der Abend schien „versaut“. Ein lieber Nachbar aus dem Haus hat sich dann erbarmt und die beiden Kinder an zwei Abenden für jeweils 10 Minuten an seinen Fernseher gelassen …


Schlicht und ergreifend die Frage an uns Eltern und Pädagogen: Sind wir gescheitert, wenn es uns nicht gelingt, Kindern einen „vernünftigen" Umgang in alltäglichen Situationen beizubringen? Oder wäre es nicht manchmal klüger, eine Situation an ein Kind so anzupassen, dass es sie noch aus eigener Kraft mit seinen z. Zt. verfügbaren geistigen Mitteln bewältigen kann? Beneidenswert, wer das Fingerspitzengefühl besitzt, auf „beiden Klaviaturen“ zu spielen und den Alltag so zu gestalten, dass das notwendige Vertrautsein erlebt werden kann, gleichzeitig auch alle noch etwas Spaß miteinander haben, ohne dass die Lernanreize wegfallen...


Das hat mir Paul Jakob durch seinen Sandmann in Erinnerung gebracht.