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Donnerstag, 7. April 2011

Das Labyrinth der Wörter

Eigentlich wollten meine Frau und ich nur einmal zur Entspannung ins Kino gehen und einen Film ansehen, der unterhaltsam, geistreich und möglichst nicht von der üblichen "aggressiven" Machart sein sollte. Aber wir hatten fast keine Vorinformationen.

Und dann hat mich "Das Labyrinth der Wörter" so fasziniert, dass ich ihm unbedingt einen blog-Beitrag widmen möchte: Der schwergewichtige Germain (Gérard Depardieu), etwa 50 Jahre alt, vom Leben und seiner chaotischen Mutter ziemlich mitgenommen und angesichts seiner schrecklichen Schulerlebnisse fast Analphabet geblieben, lernt die 40 Jahre ältere Margueritte (Gisèle Casadesus) kennen, die ihm von nun an bei ihren täglichen kurzen Treffen Auszüge aus ihren Lieblingsromanen vorliest. Sehr fremd für Germain, aber irgendwie gelingt es Margueritte, ihn in ihre Welt der Wörter und Bildung mit hinein zu ziehen. Er kann sich diesem Sog nicht entziehen. Die Wörter ergreifen Besitz von seinem Kopf und verändern ihn. Marguerittes Augen werden immer schwächer, da liest nunmehr Germain, der alle seine Kräfte zusammennimmt, ihr mit großer Anstrengung vor. Als sie eines Tages verschwindet, weil ihre Familie nicht mehr das verhältnismäßig teure Altersheim bezahlen will, macht sich Germain auf die Suche nach ihr ... Ein modernes Märchen, gleichzeitig eine Liebesgeschichte auf verschiedenen Ebenen, zwischen Germain und Margueritte, zwischen Germain und seiner liebevollen Partnerin und zwischen Germain und den Wörtern, die ihm einen neuen Zugang zum Leben eröffnen! Und ein unschlagbarer Beweis für den Wert von Bildung! An einer Stelle sagt Germain sinngemäß, früher - ohne die Wörter - habe er viel bequemer einfach so vor sich hin leben können, jetzt sei alles viel komplizierter, weil er über alles erst einmal nachdenken müsse ...

Unbedingt hingehen!!!

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Brüder Grimm: Die Boten des Todes

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Was passt besser zu meinem letzten blog-Eintrag und zu dem Thema "Lebensgrenzen anerkennen" als das folgende Märchen der Brüder Grimm? Ich habe es schon in meinem dort erwähnten uralten Artikel über "Angst vor Krankheit und Tod" in Teilen zitiert. Hier der vollständige Text:



Die Boten des Todes

Vor alten Zeiten wanderte einmal ein Riese auf der großen Landstraße; da sprang ihm plötzlich ein unbekannter Mann entgegen und rief: "Halt! keinen Schritt weiter!" - "Was", sprach der Riese, "du Wicht, den ich zwischen den Fingern zerdrücken kann, du willst mir den Weg vertreten? Wer bist du , dass du so keck reden darfst?" - "Ich bin der Tod", erwiderte der andere, "mir widersteht niemand, und auch du musst meinen Befehlen gehorchen." Der Riese aber weigerte sich und fing an, mit dem Tode zu ringen. Es war ein langer, heftiger Kampf, zuletzt behielt der Riese die Oberhand und schlug den Tod mit seiner Faust nieder, dass er neben einem Stein zusammensank. Der Riese ging seiner Wege, und der Tod lag da, besiegt, und war so kraftlos, dass er sich nicht wieder erheben konnte. "Was soll daraus werden", sprach er, "wenn ich da in der Ecke liegenbleibe? Es stirbt niemand mehr auf der Welt, und sie wird so mit Menschen angefüllt werden, dass sie nicht mehr Platz haben, nebeneinander zu stehen." Indem kam ein junger Mensch des Wegs, frisch und gesund, sang ein Lied und warf seine Augen hin und her. Als er den Halbohnmächtigen erblickte, ging er mitleidig heran, flößte ihm aus seiner Flasche einen stärkenden Trunk ein und wartete, bis er wieder zu Kräften kam. "Weißt du auch", sagte der Fremde, indem er sich aufrichtete, "wer ich bin und wem du wieder auf die Beine geholfen hast?" - "Nein", antwortete der Jüngling", "ich kenne dich nicht." - "Ich bin der Tod", sprach er, "ich verschone niemand und kann auch mit dir keine Ausnahme machen. Damit du aber siehst, dass ich dankbar bin, so verspreche ich dir, dass ich dich nicht unversehens überfallen, sondern dir erst meine Boten senden will, bevor ich komme und dich abhole." - "Wohlan", sprach der Jüngling, "immer ein Gewinn, dass ich weiß, wann du kommst, und so lange wenigstens sicher vor dir bin." Dann zog er weiter, war lustig und guter Dinge und lebte in den Tag hinein. Allein Jugend und Gesundheit hielten nicht lange aus, bald kamen Krankheiten und Schmerzen, die ihn bei Tage plagten und ihm nachts die Ruhe wegnahmen. "Sterben werde ich nicht", sprach er zu sich selbst, "denn der Tod sendet erst seine Boten; ich wollte nur, die bösen Tage der Krankheit wären erst vorüber." Sobald er sich gesund fühlte, fing er wieder an, in Freuden zu leben. Da klopfte ihm eines Tages jemand auf die Schulter: er blickte sich um, und der Tod stand hinter ihm und sprach: "Folge mir, die Stunde deines Abschieds von der Welt ist gekommen." - "Wie", antwortete der Mensch, "willst du dein Wort brechen? Hast du mir nicht versprochen, dass du mir, bevor du selbst kämest, deine Boten senden wolltest? Ich habe keinen gesehen." - "Schweig", erwiderte der Tod, "habe ich dir nicht einen Boten über den andern geschickt? Kam nicht das Fieber, stieß dich an, rüttelte dich und warf dich nieder? Hat der Schwindel dir nicht den Kopf betäubt? Zwickte dich nicht die Gicht in allen Gliedern? Brauste dir's nicht in den Ohren? Nagte nicht der Zahnschmerz in deinen Backen? Ward dir's nicht dunkel vor den Augen? Über das alles, hat nicht mein leiblicher Bruder, der Schlaf, dich jeden Abend an mich erinnert? Lagst du nicht in der Nacht, als wärst du schon gestorben?" Der Mensch wusste nichts zu erwidern, ergab sich in sein Geschick und ging mit dem Tode fort.

Brüder Grimm


Der Anfang des Märchens gibt schon Rätsel auf, sollte er nicht nur ein Kunstgriff des Erzählers sein, einen früheren Kontakt des Menschen mit dem Tode herzustellen, weil sonst die Geschichte ihre Pointe verlieren würde. Aber wie wir auch immer den Riesen interpretieren mögen, wir sind keiner, und für uns beginnt die Geschichte erst analog im zweiten Teil ...

Ich habe dieses Märchen zitiert nach: Dietrich Steinwede (Hrsg.): Wie das Leben durch die Welt wanderte. Märchen der Menschen von Tod und Leben. - Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1983. S. 16 - 18. [Ich besitze es seit 1984.]

Montag, 22. November 2010

Dinosauria XXII: Alles geht kaputt

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Ausgangspunkt für diesen blog waren meine Erlebnisse der letzten Zeit, wie ständig irgendwelche Geräte kaputt gingen, die ich nur schwer oder garnicht mit meinen "Dinosaurier-Fingern" reparieren konnte. Mehrfach mussten wir auch ein neues Gerät erwerben. Aber das sah dann auch nicht viel besser aus. Um es benutzen zu können, muss man schließlich die Betriebsanweisung verstehen und umsetzen! Bei den meisten neuen Geräte sieht es dann so aus, dass sie irgendwie elektronisch gesteuert werden und ich die komplizierten Anleitungen, oft auch noch mikroskopisch klein gedruckt und nur mit Hilfe einer Lupe lesbar, nur schwer verstehe. Offen gestanden habe ich meistens auch nicht viel Lust und Entdeckerfreude, mich da einzuarbeiten. Eine lästige Aufgabe. So fühle ich mich dann eher hilflos, hoffe auf einen lieben Mitmenschen, der die Feineinstellung des Geräts übernimmt und spüre in diesem Sektor meines Lebens eine einsetzende Trägheit und Lustlosigkeit, was bei vielen anderen Themen m.E. glücklicherweise noch ganz anders aussieht. Ich hoffe, das lässt mein blog erkennen!

Dieses Problem kann ich aber schon viele Jahre zurückverfolgen. Es ist jetzt gut 25 Jahre her, dass ich als Familienhelfer einen Jungen betreute, der es ziemlich schwer in der Schule hatte. Um so mehr staunte ich, dass seine Eltern ihm eine Armbanduhr mit mehreren Funktionen schenkten, die mir ein Buch mit sieben Siegeln blieben. Der Junge aber probierte so lange an allen Knöpfen herum, bis er - vielleicht auch über trial and error - alles einstellen konnte, was ihn interessierte. Dieses notwendige Interesse ist mir wohl schon damals abgegangen...

Mein Zustand ist noch nicht besorgniserregend, meine Frau ist deutlich unkomplizierter als ich, und bisher haben wir die Geräte noch zum Laufen gekriegt. Aber ich kann mich gut in die folgende Situation hineindenken, die vielleicht wieder eine gute Geschichte abgeben würde, wenn jemand "mein Drehbuch" aufgreifen und einen Text daraus verfassen würde (ähnliche Vorschläge habe ich ja schon mehrfach in meinem blog gemacht):

In meiner Geschichte lässt ein einschlägiger Dinosaurier, dem alles über den Kopf gewachsen ist und der keine Söhne und Enkel hat, die "für ihn machen", langsam alles kaputt gehen. Er repariert nichts und lässt neue Geräte unausgepackt in der Ecke stehen. Eine gewisse Weile wird er auf immer niedriger werdendem Niveau wohl noch an der Welt teilhaben können, aber langsam fällt er doch aus ihr heraus. Ob das nicht aber real die Situation mancher alter Menschen ist, die niemanden haben, der dieses Technik-Defizit für sie ausgleicht? Aber das würde dann ja nur eine Sozial-Reportage, ich könnte mir auch eine etwas satirischere Variante vorstellen, die unser elektronisches Zeitalter ein wenig "auf die Schippe" nimmt.

Vermutlich ist aber gerade das ein Beweis für meine Dinosaurier-Zukunft: Die Realität hat meine Vorbehalte und fehlenden Kenntnisse schon so überholt, dass meine (nicht vorhandenen) Enkel nur müde darüber lächeln könnten und einmal später über ihren Opa erzählen würden: "Kannst du dir überhaupt vorstellen, wie primitiv er gelebt haben muss?" Nun gut, das soll dann nicht mehr meine Sorge sein. Vorher stehe ich noch als "Zeitzeuge" einer aussterbenden Kultur zur Verfügung... (Kassettenrecorder, Videorecorder und Kameras mit Filmen waren doch auch recht praktisch...)

Dienstag, 12. Oktober 2010

Dr. Dolittles Weisheit

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Kommentar zum Lesen dieses blogs: Es ist zum "Mäusemelken": Ich habe mehrfach versucht, diesen blog zu korrigieren! In der korrigierten Fassung laufen nicht alle Zeilen von Hugh Lofting zusammen, sondern sind schön lesbar nach Absätzen getrennt! Diese Fassung erhält man leider aber nur dann, wenn man in der Service-Leiste links diesen Artikel aufruft! Beim Normalaufruf des blogs hingegen erscheint immer die zusammengeschobene Variante. Sorry, ich weiß nicht, wie ich das ändern könnte!!


Alten Menschen wird manchmal nachgesagt, dass sie in mancherlei Hinsicht wieder "wie die Kinder" werden, erneut kindlich gefärbte Vorlieben zeigen, sich besonders gern mit Erinnerungen an ihre Kindheit beschäftigen (was Wunder, wenn das Kurzzeitgedächtnis schwach wird, die alten Gedächtnisspuren aber noch vertrefflich haften!), kurz und gut: wieder kindlich oder (die negative Variante) kindisch werden. Vielleicht ist da ja auch etwas bei mir dran, wenn ich mich wieder über Kinderbücher meiner Vergangenheit freuen kann! Eine einfachere Erklärung ist zwar, dass mein Sohn Paul Jakob gern vorgelesen bekommt und mir dabei "meine alten Bücher" am besten gefallen. Und dass es wirklich hervorragende Autoren und Autorinnen gibt, die Kinder nicht mit "kleinem Geist für kleine Geister" abspeisen, sondern all ihre Wärme, klugen Ideen und Weisheit in ihre Kinderbücher hineinpacken, Schätze, die gehoben werden können und "Kleinen und Großen gemeinsam" Gewinn versprechen! Vielleicht stimmen auch beide Erklärungsansätze ...

So lese ich Paul Jakob gerade wieder aus dem Klassiker von Hugh Lofting "Doktor Dolittle und seine Tiere" vor. Darin kommt die tolle Passage vor, wie Dr. Dolittle und seine Getreuen auf einem erbeuteten Piratenschiff einen kleinen Jungen finden, völlig verweint, denn die Piraten haben seinen geliebten Onkel auf einer winzigen Insel weit entfernt ausgesetzt. Selbst die scharfsichtigen Adler können ihn nirgendwo aufspüren. Erst Jip, dem Hund, gelingt es mit seiner phänomenalen Riechfähigkeit, wie mit einem Fernradar den nach Schnupftabak riechenden Onkel aufzuspüren und das Schiff zu seiner Rettung dorthin zu lenken. Und das alles geschrieben in einer schönen Sprache und mit eingewobenen Lebensweisheiten, nicht nur für Kinder!

Ich habe deshalb etwas davon abgeschrieben! In unserer Stadtbibliothek wurden die Dolittle-Bücher mittlerweile aussortiert. Wie schade! Vielleicht gibt es aber doch noch Eltern und Großeltern, die sich an ihre Kindheit erinnern und ihren Kindern bzw. Enkeln so ein Buch schenken. Vielleicht kann ich ja jemand dazu motivieren!

Dann ging Jip ganz nach vorn und schnupperte in den Wind; und er fing an, vor sich hin zu murmeln: „Teer; spanische Zwiebeln; Petroleum; nasse Regenmäntel; zerdrückte Lorbeerblätter; brennender Gummi; Spitzengardinen, die gewaschen werden – nein, stimmt nicht, Spitzengardinen, die zum Trocknen aufgehängt sind, und Füchse – zu Hunderten – junge Füchse, und -“

„Kannst du wirklich all die verschiedenen Dinge aus dem einen Wind herausriechen?“, fragte der Doktor.

„Aber natürlich!“, sagte Jip. „Und das sind nur ein paar von den leichten Gerüchen – den kräftigen. Die könnte doch jeder Straßenköter noch mit Schnupfen erkennen. Warten Sie mal, dann nenn ich Ihnen ein paar von den schwierigeren Gerüchen, die dieser Wind mitbringt – ein paar ganz feine.“

Dann schloss der Hund fest die Augen, reckte die Nase hoch in die Luft und schnüffelte angestrengt mit halb offener Schnauze.

Lange Zeit sagte er gar nichts. Er stand stocksteif da. Er schien kaum zu atmen. Als er endlich zu sprechen anfing, klang es fast, als sänge er traurig im Traum.

„Ziegelsteine“, flüsterte er ganz leise, „alte gelbe Ziegel in einer Gartenmauer, vom Alter schon ganz brüchig; der süße Atem junger Kühe, die in einem Gebirgsbach stehen; das Bleidach auf einem Taubenschlag – oder vielleicht einem Kornspeicher – in der Mittagssonne; schwarze Glacéhandschuhe in einer Schreibtischschublade aus Nussbaum; eine staubige Straße mit einer Pferdetränke unter Platanen; kleine Pilze, die aus morschem Laub ragen …“

„Keine Rüben?“, fragte Göb-Göb.

„Nein“, sagte Jip. „Du denkst immer nur ans Essen. Nirgends Rüben. Und kein Schnupftabak – jede Menge Pfeifen und Zigaretten, und ein paar Zigarren. Aber kein Schnupftabak. Wir müssen warten, bis der Wind von Süden kommt.“

„Also, das ist ja wohl ein armseliger Wind“, sagte Göb-Göb. „Ich glaube, du bist ein Schwindler, Jip. Wer hat je gehört, dass man einen Mann mitten im Ozean allein durch den Geruch finden kann! Ich hab doch gesagt, dass du es nicht kannst.“

„Pass mal auf“, sagte Jip; er wurde wirklich ärgerlich. „Ich beiß dir gleich in die Nase! Bild dir nur nicht ein, dass du so frech sein kannst, wie du willst, bloß weil der Doktor nicht zulässt, dass du von uns kriegst, was du verdient hättest!“

„Hört auf zu zanken!“, sagte der Doktor. „Schluss damit! Das Leben ist zu kurz dafür. Sag mir, Jip, was meinst du, woher diese Gerüche kommen?“

„Aus Devon und Wales – die meisten“, sagte Jip, „der Wind kommt von da.“

„Tja, tja, tja“, sagte der Doktor. „Das ist wirklich bemerkenswert – sehr bemerkenswert. Ich muss das für mein neues Buch aufschreiben. Ich frage mich, ob du mir wohl beibringen könntest, auch so gut zu riechen … Aber nein, vielleicht ist es besser, wenn ich bleibe, wie ich bin. ‚Genug ist genug, mehr wäre weniger’, sagt man. Lasst uns zum Abendessen hinuntergehen. Ich bin sehr hungrig.“

„Ich auch“, sagte Göb-Göb.

[Hervorhebungen von J.L.]

Zitiert nach: Hugh Lofting: Doktor Dolittle und seine Tiere. Aus dem Englischen von Gisbert Haefs. – München: Omnibus 2007. (= omnibus-Tb. 21835). S. 117 - 119.

Lieblingszitate CXXXIV

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Eine meiner liebsten Geschichten!

Die Löffel

Ein Rabbi kommt zu Gott: "Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel." "Nimm Elia als Führer", spricht der Schöpfer, "er wird dir beides zeigen."

Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand. Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber die Menschen sehen mager aus, blaß, elend. Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen. Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.

Die beiden gehen hinaus. "Welch seltsamer Raum war das ?" fragt der Rabbi den Propheten. "Die Hölle", lautet die Antwort.

Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber - ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen gesund aus, gut genährt, glücklich.

"Wie kommt das?" - Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel gegenseitig in den Mund. Sie geben einander zu essen. Da weiß der Rabbi, wo er ist.

RUSSISCHES MÄRCHEN


gefunden in: Lektüre zwischen den Jahren. Vom Glück. Ausgewählt von Gottfried Honnefelder.
- Frankfurt a.M. : Suhrkamp 1985.

Sonntag, 4. Juli 2010

"Wir Schlappschwänze ... !?"

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Mein Sohn sieht gerade seinen sonntäglichen Märchenfilm. Darin eine Situation, die mir für das Männerbild in Märchen typisch erscheint: Die neue Königin beklagt sich bei ihrem (wiederverheirateten) Ehegemahl, er mache einen Kult aus den Erinnerungen an die verstorbene erste Königin. Sofort beugt er sich ihrem (durchaus verständlichen!) Ansinnen und lässt im Umfeld alle Andenken beseitigen. Das ist nur der Einstieg, denn natürlich hängt da noch etwas mit seiner Tochter aus erster Ehe dran, und man kann schon ahnen, dass sie zu den Königstöchtern gehören wird, die Schlimmstes von ihren Stiefmüttern zu erleiden haben, bis sie zum Schluss als Schönste und Leidensfähigste doch noch den Prinzen und das ganze Reich erhalten werden.

Soweit, so gut! Ich erinnere mich aber, dass dies eine immer wiederkehrende Melodie in vielen Märchen ist: Die Frauen sind stark, sowohl im Guten als auch im Bösen. Sie retten Geschwister unter Lebensgefahr ("Die sechs Schwäne") und bleiben ihrer Liebe treu, aber sie sind auch barbarisch zu Stiefkindern ("Aschenputtel" oder "Schneewittchen") und eigenen ("Hänsel und Gretel"), wenn es das eigene Überleben betrifft. Die Männer haben ihnen nur wenig entgegenzusetzen, passen sich schnell den Forderungen ihrer Frauen an und leisten keinen Widerstand, selbst wenn sie - völlig gegen ihr Gefühl - die geliebten Kinder auf Befehl der Frau im Wald aussetzen. Schlappschwänze ... ?!

Ob dies die Rache der Märchenerzählerinnen (denn es werden vermutlich eher Frauen als Männer die Märchen in der mündlichen Überlieferung weitergereicht haben) an ihrer gegenüber den Männern zurückgesetzten Frauenrolle gewesen ist, sozusagen ein früher Akt von Feminismus? Oder haben sie einfach Recht? Es heißt ja heutzutage häufiger, dass eigentlich die Frauen das stärkere Geschlecht seien - bei den Leistungen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland bereits ein unumstrittener Fakt.

Samstag, 26. Juni 2010

Kurz und schmerzlos - gleichzeitig Lieblingszitate CXXIX

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Wer könnte unseren Erdenaufenthalt kürzer und präziser benennen?

Nein, da hilft kein Prahlen und kein Trompeten, Schwester Almas Blick stutzt jeden auf das zurück, was er ist: ein Menschlein, das kommt, eine Weile lang schnauft und dann vergeht. [Hervorhebungen von J.L.]

Diese vortreffliche Beschreibung fand ich in dem launigen Buch von Dieter Moor, der seine Erlebnisse als aus der Schweiz zugereister "Neu-Ossi" im Brandenburgischen beschreibt und in liebevoll-ironischen Kapiteln die Menschen in seiner neuen Heimat vorstellt, hier die frühere Ortshebamme Alma.

In: Dieter Moor: Was wir nicht haben, brauchen sie nicht. 5. Aufl. - Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Tb. Vlg. 2010. (= rororo 62475). S. 181.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Viren aus dem Weltall - ein neues skurriles Drehbuch

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In der heutigen taz gibt es einen langen Sonderteil "Alle gut eingeölt!" über unser aller Abhängigkeit vom Öl, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko dabei hin und her analysiert, schwindende Ölreserven ohnehin im Blick. Also ein mehr als aktuelles Thema.

Mir ist dabei wieder eingefallen, dass ich vor einiger Zeit die Idee für eine skurrile Geschichte hatte. Bei all dem, was ständig veröffentlicht wird, hatte sie bestimmt schon jemand vor mir, aber wer weiß! Treffend finde ich sie in jedem Fall. Nur wie ich nun einmal bin, werde ich voraussichtlich aus dieser Idee nie eine größere Sache machen, ich stelle sie einfach vor und überlasse es allen Leserinnen und Lesern, sie für eigene Zwecke (vielleicht einen utopischen Roman) zu nutzen, denn ich hätte nie das nötige Sitzfleisch dafür. Vielleicht ist es auch nur zum Stirnerunzeln...

Hier meine Story: Nach einem Meteoriteneinschlag eines Himmelskörpers, der offenbar aus den Tiefen des Weltalls stammt, stellen Forscher fest, dass sich eine neuartige Sorte von Viren in rasanter Geschwindigkeit über die Erde verbreitet. Diese Viecher sind sehr hungrig und vermehren sich gleichzeitig in ungeheurer Zahl. Ihre Nahrung ist Erdöl und alle Erdölprodukte. Befallene Vorräte werden von ihnen in Sekundenbruchteilen in Wasser und Kohlenstoff (oder meinetwegen irgendein anderes einschlägiges Abbauprodukt) zerlegt. Tankstellen und Autos werden befallen, aber auch Kunststofffabriken und andere Industrien, die Erdöl verarbeiten. Eine Panik unter den Menschen bricht aus. Wie könnte das Leben jetzt aussehen? Geht es überhaupt weiter? Stirbt die Kultur aus? Oder die Menschheit wie seinerzeit die Dinosaurier? Endzeitstories sind doch beliebt, vielleicht ergibt es auch nur den Stoff für einen bemerkenswerten Katastrophenfilm. Wie sehen die Retter und ihre Strategien aus (wenn es überhaupt welche gibt)? Man könnte das Szenario natürlich noch beträchtlich verschärfen, wenn z.B. ein anderer Virenstamm ebenso Stein- und Braunkohle zersetzte und eine besonders raffinierte Sorte sogar Uran verändern könnte (aber das ist dann wohl doch zu gewagt, weil das wissenschaftlich kaum denkbar wäre, der Abbau organischer Substanzen hingegen schon eher).

Es ist angesichts unserer planetaren Zukunft nicht amüsant, ein junger Mensch zu sein oder einer von denen, "die noch auf der Storchenwiese" auf ihre zukünftige Geburt warten. Denn bei allem erzählerischem Überschwang ist ein Versiegen der Ölvorräte ja auch ohne Viren tatsächlich absehbar ...

Mittwoch, 3. März 2010

Lieblingszitate CIX

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Wenn schon Witze, dann auch erst recht Märchen!

Dies hier ist eine wunderbare Parabel auf das menschliche Leben:



Die Lebenszeit

Als Gott die Welt geschaffen hatte und allen Kreaturen ihre Lebenszeit bestimmen wollte, kam der Esel und fragte: "Herr, wie lange soll ich leben?" - "Dreißig Jahre", antwortete Gott, "ist dir das recht?" - "Ach Herr", erwiderte der Esel, "das ist eine lange Zeit. Bedenke mein mühseliges Dasein: vom Morgen bis in die Nacht schwere Lasten tragen, Kornsäcke in die Mühle schleppen, damit andere das Brot essen, mit nichts als mit Schlägen und Fußtritten ermuntert und aufgefrischt zu werden! Erlass mir einen Teil der langen Zeit." Da erbarmte sich Gott und schenkte ihm achtzehn Jahre. Der Esel ging getröstet weg, und der Hund erschien. "Wie lange willst du leben?" sprach Gott zu ihm. "Dem Esel sind dreißig Jahre zuviel, du aber wirst damit zufrieden sein." - "Herr", antwortete der Hund, "ist das dein Wille? Bedenke, was ich laufen muss, das halten meine Füße so lange nicht aus; und habe ich erst die Stimme zum Bellen verloren und die Zähne zum Beißen, was bleibt mir übrig, als aus einer Ecke in die andere zu laufen und zu knurren?" Gott sah, dass er recht hatte, und erließ ihm zwölf Jahre. Darauf kam der Affe. "Du willst wohl gerne dreißig Jahre leben?" sprach der Herr zu ihm. "Du brauchst nicht zu arbeiten wie der Esel und der Hund und bist immer guter Dinge." - "Ach Herr", antwortete er, "das sieht so aus, ist aber anders. Wenn's Hirsebrei regnet, habe ich keinen Löffel. Ich soll immer lustige Streiche machen, Gesichter schneiden, damit die Leute lachen; und wenn sie mir einen Apfel reichen und ich beiße hinein, so ist er sauer. Wie oft steckt Traurigkeit hinter dem Spaß! Dreißig Jahre halte ich das nicht aus." Gott war gnädig und schenkte ihm zehn Jahre.

Endlich erschien der Mensch, war freudig, gesund und frisch und bat Gott, ihm seine Zeit zu bestimmen. "Dreißig Jahre sollst du leben", sprach der Herr, "ist dir das genug?" - "Welch eine kurze Zeit!" rief der Mensch. "Wenn ich mein Haus gebaut habe und das Feuer auf meinem eigenen Herde brennt, wenn ich Bäume gepflanzt habe, die blühen und Früchte tragen, und ich meines Lebens froh zu werden gedenke, so soll ich sterben! O Herr, verlängere meine Zeit." - "Ich will dir die achtzehn Jahre des Esels zulegen", sagte Gott. "Das ist nicht genug", erwiderte der Mensch. "Du sollst auch die zwölf Jahre des Hundes haben." - "Immer noch zu wenig." - "Wohlan", sagte Gott, "ich will dir noch die zehn Jahre des Affen geben, aber mehr erhältst du nicht." Der Mensch ging fort, war aber nicht zufriedengestellt.

Also lebte der Mensch siebenzig Jahr. Die ersten dreißig sind seine menschlichen Jahre, die gehen schnell dahin; da ist er gesund, heiter, arbeitet mit Lust und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen die achtzehn Jahre des Esels, da wird ihm eine Last nach der andern aufgelegt; er muss das Korn tragen, das andere nährt, und Schläge und Tritte sind der Lohn seiner treuen Dienste. Dann kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt er in den Ecken, knurrt und hat keine Zähne mehr zum Beißen. Und wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die zehn Jahre des Affen den Beschluss. Da ist der Mensch schwachköpfig und närrisch, treibt alberne Dinge und wird ein Spott der Kinder.

Brüder Grimm

aus: Paul Alverdes (Hrsg.): Das Nashorn als Erzieher. Fabeln der Welt. dtv 439.

[in meiner Sammlung seit dem 16.9.1980]


Ich hoffe, noch nicht so bald in den Affen-Zustand zu geraten! Mit Würde alt zu werden ist hingegen eine Kunst, in deren Einübung jedermann sich frühzeitig üben sollte, wie ich immer mehr merke.

Lieblingszitate CVIII

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Nun habe ich schon die unterschiedlichsten Texte unter dieser Rubrik zum Besten gegeben, warum nicht auch einmal einen Witz!

Es handelt sich hierbei um ein schon etwas betagtes Exemplar, wobei ich glaube, dass es mit den wirklich guten Witzen wie mit guter Literatur ist: Vielleicht legen sie ein wenig Patina an, aber vorzüglich bleibt vorzüglich und behält seinen Biß! Witze locker mal nebenbei erzählen, ist eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Diesen Witz habe ich deshalb ganz bewußt immer für meinen Unterricht "eingeplant", wenn wir zum Thema Kommunikationsstörungen, Doppelbindung und Beziehungsfallen kamen. Er ist nämlich ein wunderbares Beispiel für eine auswegslose Situation:

Er hat von seiner Schwiegermutter zwei Krawatten bekommen. Um ihr eine Freude zu machen, bindet er sofort eine um. Meint die Schwiegermutter giftig: "Die andere gefällt dir wohl nicht?"

Quelle: STERN 47/1978

Sonntag, 29. November 2009

Die Weisheit des Rabbi

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Eines meiner Lieblingsbücher ist die Sammlung jüdischer Witze von Salcia Landmann. Aber auch in anderen Quellen habe ich schöne Beispiele für diese besondere Form von Humor entdeckt, der mich in irgendeiner Weise sehr anzieht. Ich kann das Motiv dafür nicht klar benennen, aber in ihrer Art und Weise haben diese Witze etwas Unnachahmliches. Sonst kenne ich ähnliche Phänomene nur noch bei Klezmer-Stücken auf der Ebene der Musik, immerhin derselbe Kulturkreis! Wahrscheinlich ist es ein besonderes Merkmal dieser Witze, dass sie sich nicht wie sonst so üblich über andere Menschen lustig machen oder auch über andere Bevölkerungsgruppen erheben, sondern sie haben oft etwas Selbstreflexives und dadurch Bescheidenes, sie prunken mehr mit ihrer Intelligenz als mit irgendwelchen Grobheiten.


Und sie haben manchmal auch etwas Mehrschichtiges. Bei der folgenden Geschichte habe ich früher den Kopf geschüttelt und mich über den Rabbi lustig gemacht, dem ich mich als Verfechter der „reinen Wahrheit“ überlegen wähnte. Immerhin habe ich aber diese Geschichte nie vergessen. Als sie mir jetzt wieder in den Sinn kam (vgl. meinen Folge-blog!), hatte ich einen neuen Eindruck, nämlich dass der Rabbi der Geschichte der Weiseste und Bescheidenste von allen ist, mit klarem Wissen um die Grenzen seiner Urteilsfähigkeit.


Ich will meine armen Leser aber nicht weiter auf die Folter spannen und stattdessen die Geschichte zum Besten geben:


Das Urteil


Zwei Juden hatten einen Streit und kamen zum Rabbiner. Der Rabbi hörte den einen an und sagte:

„Du hast recht.“

Dann hörte er den anderen an und sagte: „Du hast recht.“

Daraufhin fragte ihn seine Frau:

„Wie kommt es, dass du den beiden zerstrittenen Seiten recht gibst. Entweder die eine oder die andere Seite kann nur recht haben.“

Darauf der Rabbi:

„Du hast auch recht.“


Gefunden in: Alexander Drozdzynski: Jiddische Witze und Schmonzes. – Augsburg: Weltbild 2001. S. 88-89.

Samstag, 12. September 2009

Eine neue skurrile Geschichte: Die Wahlplakate und der Wahrheitsspray

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Anlässlich der bevorstehenden Bundes- und brandenburgischen Landtagswahl sind die Straßen wiederum vollgepflastert mit einer Vielzahl von Plakaten, die in den meisten Fällen das Konterfei des Bewerbers und einen kurzen Ausspruch zeigen. Meist handelt es sich dabei um Worthülsen und Aussagen im Sinne früherer „Waschmittelwerbung“; in seltenen Ausnahmen wird auch argumentativ gearbeitet. Hier haben sich besonders die Linken hervorgetan und kommen als rühmliche Ausnahmen deshalb auch nur wenig in meinen Beispielen vor.

Ich gebe hier sozusagen nur das „Drehbuch“ für meine Idee einer Geschichte, die schon wie bei meinem „Staubsauger“ im blog v. 22.5.2009 mit einer neuartigen Form von Erfindung arbeitet: Ein Mann erfindet einen „Wahrheitsspray“. Er geht durch die Straßen und sprüht Wahlplakate der Parteien damit ein. Fortan erscheint auf dem Plakat, dessen Bild unverändert bleibt, der Text allerdings in einer neuen Fassung, so wie ihn die Wahlbewerber veröffentlichen müssten, wenn sie ehrlich wären und ihre Situation realistisch einschätzten, also den Wählern „reinen Wein einschenkten“. Ein einmal so behandeltes Plakat behält seine Wahrheitseigenschaft bei, d.h. so viele andere Drucke die verzweifelten Parteien auch zur Korrektur darüber kleben, die wahre Botschaft scheint immer wieder durch.

Eine solche Geschichte ließe sich dann mit konkreten Beispielen anreichern, z.B. der Wahlaussage von Angela Merkel „Wir haben die Kraft“, die unter Wahrheitsspray vielleicht mutieren könnte zur „wahren“ Form „Wir haben die Kraft schon lange verloren und ich glaube selbst nicht mehr daran, aber es ist der Traum meines Lebens, weiterhin Kanzlerin zu bleiben“.

Ich möchte nicht mit Beleidigungsklagen überzogen werden und halte mich deshalb mit weiteren Umformulierungen zurück. Die kann der Leser selbst vornehmen. Ich habe in den letzten Tagen auf den Straßen immer meinen Notizblock gezückt, wenn ich eine solche Wahlwerbungs-Worthülse entdeckt habe. Hier eine Auswahl davon:

- „Anpacken für unser Land“ (Vogelsänger, SPD)
- „Kraftvoll, sozial, gerecht“ (Elisabeth Alter, SPD)
- „Klarer Kurs“ (Armin Gebauer, CDU)
- „Starke Mitte für Brandenburg“ (FDP)
- „Wir haben die Kraft“ (Angela Merkel, CDU)
- „Wir haben das Patentrezept (BüSo mit Kanzlerkandidatin und offenbar Geld für teure Plakate, falls es nicht als Realsatire gemeint ist)
- „Verantwortung fürs Ganze“ (Benedikt Lux, Grüne)
- „Anpacken für unser Land“ (Klaus Uwe Benneter, SPD)
- „Arbeit muss sich wieder lohnen“ (Guido Westerwelle: dann sollte er sich doch für eine Erhöhung der Mindestlöhne stark machen …)
- „Leistung muss sich lohnen“ (Martin Lindner, FDP)
- „Klug aus der Krise“ (Angela Merkel)
- „Reichtum für alle. Damit es in unserem Land gerecht zugeht“ (Gregor Gysi)

Viel Spaß beim Fortführen!

Freitag, 22. Mai 2009

Skurrile Geschichten: Der große Staubsauger

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Seit uns mein Deutschlehrer in der Oberstufe, der offensichtlich viel Verständnis für Satiren und Humor hatte, die kurze Geschichte vom „Nihilit“ nahe gebracht hatte, mochte ich auch die anderen eigentümlichen Erzählungen von KURT KUSENBERG, ob es nun um „Mal was anderes“ oder den „Großen Sturm“ ging, skurrile Berichte aus Welten, die ein wenig anders „ticken“ als unsere, wie Träume, in denen alles auf dem Kopf stehen kann, ohne dass jemand etwas Anstößiges daran findet, einfach so, ohne den Zeigefinger des Moralisten. (Sehr viel später einmal habe ich davon gelesen, dass Kusenberg sehr gerne Rotwein getrunken hat, vielleicht auch recht viel davon. Das würde aber nur etwas über die Entstehungsgeschichte dieser Geschichten aussagen, nichts hingegen über ihre Qualität; sie gefallen mir weiterhin!)


Derart Skurriles finde ich reizvoll. Selbst derartiges zu komponieren, ist hingegen schwer, auf fast allen Menschen lastet da ihre Erdenschwere! Eine Idee für eine Geschichte hatte auch ich einmal, die mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht. Im Gegensatz zu Kusenberg ist es aber bei mir gleich moralisch, das ist wohl eine typische Eigenschaft von mir. Dadurch verflüchtigt sich leider die Leichtigkeit, skurril bleibt es trotzdem:


Das Folgende ist sozusagen das „Drehbuch“ für eine Geschichte, die man um dieses Skelett herum schreiben könnte: Ein Mann erfindet einen neuartigen Staubsauger, mit dem er fortan durch die Straßen seiner Stadt zieht. Ein kleines Modell mit großer Wirkung, denn er kann ihn in die Tasche stecken und unbemerkt anwenden. Niemand bringt ihn deshalb mit den ungewöhnlichen Ereignissen in der Stadt in Verbindung, die von Stund an viele Menschen erregen, auch wenn die meisten Betroffenen sie schamvoll verschweigen. Mit seinem Staubsauger kann der Mann nämlich jeglichen Müll, von der Zigarettenkippe über die Bierbüchse bis hin zum im Wald entsorgten Fernseher, aufnehmen und im Nu dem Urheber wieder zur Verfügung stellen, so wie die Post nicht zustellbare Briefe dem Absender zurückbringt. Der Müll fällt einfach ins Bett, auf den Küchentisch oder in die Badewanne des Wegwerfers und stinkt dort fröhlich vor sich hin. Es gibt keine Abwehrmaßnahmen, alles Verlorene kommt wie der Blitz durch die Luft. Wie würde sich die Welt verändern, wenn dieses Gerät in Serie anzufertigen wäre? Ich bin halt ein unverbesserlicher Moralist (und gestehe dennoch, auch schon einmal eine Bananenschale in den Wald geworfen zu haben …)