Mittwoch, 31. März 2010

Mein Motto für den Monat April 2010

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Der Marburger Professor für Sozialethik Franz Segbers erklärt in seinem Artikel "Handeln statt Jammern. Agenda 2020 oder: Wie die Armut in Deutschland bis zum Jahre 2020 halbiert werden könnte. Vorschläge eines Sozialethikers" Armut in unserer Gesellschaft als "Folge politischer Entscheidungen". Ebenso könnten von ihm aufgezeigte politische Schritte zu ihrer Verringerung führen. (In: Publik-Forum 4/2010 v. 26. 2. 2010, S. 14 - 15).

Er schließt seine Ausführungen mit den folgenden prägnanten Sätzen, die ich hiermit zu "meinem Motto des kommenden Monats April" erklären möchte:

Die Bekämpfung von Armut kostet Geld, das vorhanden ist. Deutschland ist ein reiches Land, in dem es keine Armut zu geben bräuchte, wenn der politische Wille da wäre. Die Armut bekämpfen und gleichzeitig die Steuern senken - das verträgt sich allerdings nicht.

Dienstag, 30. März 2010

Lieblingszitate CXVII

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Ich habe auf der Suche nach Aussagen aus der "frommen Helene" Wilhelm Busch wiederentdeckt. Offensichtlich nicht gerade ein glücklicher Mensch, aber einer, der sich und seine Mitmenschen mit frappierender Genauigkeit und oft mit gnadenloser Schärfe angesehen hat. Wider die Philister!! (Und gegen das Philisterhafte in jedem von uns, da ist er sehr gerecht!) Eine Fundgrube. Ich werde von Zeit zu Zeit einige "Fundstücke" in meinem blog zitieren und fange mit einer sehr selbstkritischen Sentenz an.



Der Weise verschweigt seine Meinung, also bin ich keiner.


Wilhelm Busch


Zitiert nach: Wilhelm Busch: Sämtliche Werke und eine Auswahl der Skizzen und Gemälde in zwei Bänden. Herausgegeben von Rolf Hochhuth. Im Bertelsmann Lesering. – Gütersloh: Mohn & Co. [o. J.] – Zweiter Band: Was beliebt ist auch erlaubt. Ausgewählt aus den S. 866 – 885.

Montag, 29. März 2010

Lieblingszitate CXVI

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Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind. Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden. Der Tod tritt ein, wenn die Geburt aufhört.


Erich Fromm


Zitiert nach: Maxie Wander: Leben wär’ eine prima Alternative. Sammlung Luchterhand 298. Motto.

[In meiner Sammlung seit dem 22.12.1980.]

Samstag, 27. März 2010

Lieblingszitate CXV

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Welches Gedicht könnte besser zum letzten Thema "Stolz" passen als die berühmten Zeilen von Fontane?

Es kann die Ehre dieser Welt
dir keine Ehre geben;
was dich in Wahrheit hebt und hält,
muss in dir selber leben.

Wenn's deinem Innersten gebricht
an echten Stolzes Stütze,
ob dann die Welt dir Beifall spricht,
ist all dir wenig nütze.

Das flücht'ge Lob, des Tages Ruhm
magst du dem Eitlen gönnen,
das aber sei dein Heiligtum:
vor dir bestehen können.

Theodor Fontane

[Bereits seit dem 20. 10. 1980 in meiner Sammlung. Ich habe mir damals keine Quellenangabe aufgeschrieben.]

Freitag, 26. März 2010

Dinosauria XVII: Frühlingsgefühle, das Röhren der Platzhirsche und Überlegungen zu berechtigtem Stolz

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Wahrscheinlich werden meine Leserinnen und Leser die Komposition meines neuen Themas sehr eigenartig finden. Alles gehört aber tatsächlich zusammen! Die Gedanken dazu rumoren schon länger in mir und das schöne Frühlingswetter hat - endlich! - auch einen konkreten Anlass dafür geschaffen: Solange Schnee lag und die Straßen zeitweilig spiegelglatt waren, fuhren alle Autofahrer "wie auf Eiern", wer will schon irgendwo seinen Lack ankratzen ... Jetzt, wo die Sonne lacht, röhrt es wieder überall auf den Straßen und die "Rennfahrer" erobern die Innenstadt mit ihren tollen Zwischenspurts zurück, auch wenn die Geschwindigkeit "offiziell" eingeschränkt ist. Wenn die Leute dann erst einmal auch noch ihre Motorräder aus dem Winterschlaf entmotten, wird es noch eine Spur lebhafter werden.

Irgendwie scheine ich damit ein echtes Problem zu haben. Warum kann ich es den - meist jungen - Leuten nicht gönnen, voller Stolz mit ihren Autos allen anderen mal zu zeigen, "was eine Harke ist" und so richtig schön markig aufzutreten? Wo es doch offensichtlich ist, dass sie es bitter nötig haben, denn sonst täten sie es nicht, zumal es nur eine "gekaufte" Leistung ist und keine, die auf wirklichem Können beruht? Ich habe mich aber schon immer in meinem Leben mit Angebern schwer getan und mochte auch die "Sieger" nicht, die ihren Ruhm nur auf die Niederlagen anderer stützten. Mir war immer alles das suspekt, was Menschen erhöht, wenn andere dafür die sozialen Kosten tragen, als (Zwangs-)Publikum oder als Unterlegene, die ihren Tribut entrichten müssen. Da bin und bleibe ich ein unverbesserlicher moralischer Puritaner...

Bleibt die Frage, was denn dann aber ein "berechtigter Stolz" wäre, wenn es so etwas überhaupt gibt. Ich will in Frühlingslaune ein wenig philosophieren: Der Beifall anderer ist wahrscheinlich hilfreich, aber nur dann werde ich wirklich mit mir selbst zufrieden sein und vielleicht sogar Stolz empfinden, wenn ich von meinem eigenen Tun tief in mir selbst überzeugt bin und mich selbst auch darin bestätigen kann. Es kann sich dabei um eine besondere Leistung, aber ebenso auch um eine schöne Eigenschaft handeln. Förderlich dürfte es zusätzlich sein, wenn alles einen sozialen Bezug hat und mein Tun für mich und andere irgendwie einen Fortschritt bedeutet. Aber auch ein noch so kleines Kunstwerk, nur für mich selbst geschaffen, kann mich stolz machen, wenn ich es selbst als gelungen ansehe, unabhängig davon, ob es für andere überhaupt interessant ist. Alles was mir jetzt gelingt, nachdem ich es mir bislang nicht zugetraut hatte, ist ein berechtigter Grund für Stolz! Wahrscheinlich sind derartige "Siege" über mich selbst auch die einzigen wirklich nachhaltigen Siege, denn bei ihnen gibt es tatsächlich nur mich selbst als Sieger und keine Unterlegenen, die vermutlich nur die nächste Chance abwarten würden, sich für meinen Triumpf zu rächen und mich durch meine dann eintretende Niederlage so zu demütigen, wie sie sich selbst zuvor von mir gedemütigt gefühlt haben. Solcher Stolz ist nicht bedroht und hat keine sozialen Kosten!

Das alles ist mir eingefallen, obwohl ich mich anfangs ja nur über die lauten Autos, ihre quietschenden Reifen und die oft zusätzlich aus den geöffneten Fenstern herausdröhnenden markigen Bässe geärgert hatte ... Das ist für mich auch eine Form von Selbsterforschung und hat in der Vergangenheit meistens dazu geführt, dass ich derartigen Erlebnissen gegenüber etwas toleranter werden konnte. Etwa in dem Sinne: Ich grinse in mich hinein, zucke die Schultern, schüttele ein wenig den Kopf und rege mich nicht weiter auf, lasse alles an mir abperlen und fühle mich nicht ständig provoziert. Eine Vorübung für mehr Gelassenheit, ein weiter Weg, aber sehr lohnend ... Außerdem: Mit zunehmender Taubheit werden mich die Bässe weniger stören, ihre Bewunderer allerdings werden noch vor mir richtig taub sein. Ob sie das schon begriffen haben?

"Die Katze lässt das Mausen nicht" - Rainer Speer, Teil II

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In meinem blog v. 24. 2. 2010 schlug ich Rainer Speer für den Ehrentitel "süffisantester Kotzbrocken des Jahres" vor. Das scheint ihm zu behagen, denn heute stand in der Zeitung, dass er - nunmehr im Potdamer Landtag - erneut "zugeschlagen" hat und seinen politischen Gegner als "Quacksalber" und "elender Schwätzer" verunglimpft hat.

Ich zitiere aus der MOZ v. 26. 3. 2010:

Potsdam (ddp) Innenminister Rainer Speer (SPD) ist gestern im Landtag nach abfälligen Bemerkungen gegenüber dem CDU-Innenexperten Sven Petke vom Parlamentspräsidium zur Ordnung gerufen worden. Nachdem Petke dem Minister in einer Debatte Respektlosigkeit vorgeworfen hatte, bezeichnete Speer diesen als "Quacksalber" und "elenden Schwätzer". Nach Angaben von Landtagssprecherin Katrin Rautenberg ist erstmals ein Ordnungsruf gegen einen Minister ausgesprochen worden. Im Wiederholungsfall kann der Betreffende des Saales verwiesen werden.

Es ist natürlich für jemanden, der offenbar ein sehr loses Mundwerk besitzt, schwer, es im Zaum zu halten... Allerdings könnte man an einen so hohen Repräsentanten wie einen Innenminister auch höhere Ansprüche stellen ...

Aber was soll's. Weitere Berichte, die sich mit solchen einschlägigen Äußerungen von Herrn Speer beschäftigen könnten, werde ich mir in Zukunft verkneifen, auch wenn es dafür noch einmal "Stoff" geben sollte. Denn für Derartiges ist der Raum auf meinem blog eigentlich viel zu schade und ich will auch meine Leserinnen und Leser nicht langweilen und mich wieder wichtigeren Dingen zuwenden. Ehrenwort!

Donnerstag, 25. März 2010

Versöhnlichkeit ist doch möglich!

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Es ist still geworden um Erika Steinbach und ihre Versuche, die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ von ihrem Blickwinkel und dem des Bundes der Vertriebenen her zu dominieren. Dafür sind zwischenzeitlich zu viele „Westerwellen“ über dem Publikum zusammengeschlagen, das auf seiner Suche nach immer neuen Aufregungen von der Presse gut versorgt wird. Das heißt aber nicht, dass tatsächlich Frieden in der Arbeit dieses Gremiums eingekehrt sei und es jetzt seinem Zweck gemäß arbeiten könnte. In den letzten Wochen sind nämlich die Historiker Kristina Kaiserová aus Tschechien und zuvor Tomasz Szarotta aus Polen aus dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung ausgetreten, weil sie in der politisierten Stimmungslage mit ihren Einseitigkeiten nicht mehr mitarbeiten mochten. Der Stiftungszweck ist aber offenkundig verfehlt, wenn nicht Vertreter aller betroffenen Nationen darin mitwirken.

Wie soll so eine tragfähige Arbeit für Frieden und Versöhnung unter den Menschen in Europa zustande kommen? Wie sollen unsere Kinder – in allen Ländern – friedlich miteinander leben können, wenn es nicht gelingt, die Schatten unserer Vergangenheit angemessen zu betrauern und a l l e n, die unsägliches Leid ertragen mussten, ein ehrendes Gedenken zu bewahren?

Es geht aber auch ganz anders!

Neben den „breiten Wegen“ gibt es nämlich Initiativen, die eher in der Stille wirken, sich dafür aber um so mehr um echtes Verständnis zwischen den Menschen und wirkliche Versöhnungsarbeit bemühen und vor allem dabei auch sichtbare Erfolge haben!

So habe ich von einem Projekt der evangelischen Jugendarbeit in meiner Nachbarstadt Frankfurt/O. erfahren, das sich zum Ziel gesetzt hat, dem Schicksal von Zwangsarbeiterinnen aus der Nazi-Zeit nachzugehen, die 1942 nach Frankfurt/O. verschleppt worden waren.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe um Matthias Dörr und Burkhardt Koller erschienen im August 2008 in einer Broschüre unter dem Titel „Briefe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen in Frankfurt (Oder)“. Die Kontakte zu diesen mittlerweile hoch betagten Frauen hatten sie durch Vermittlung der Stiftung „Verständigung und Aussöhnung“ in Kiew/Ukraine hergestellt.

Beim Lesen der Briefe war ich überrascht, mit welcher Freundlichkeit die alten Frauen den Frankfurtern geantwortet haben. Ich hätte Verbitterung erwartet, stattdessen zeigten sie viel stärker ihre Freude darüber, noch nicht vergessen zu sein und fühlten sich offensichtlich durch das Interesse an ihrer Person gewürdigt. Diese alten Frauen, vom Schicksal hart geprüft, beweisen so, dass so etwas wie Versöhnlichkeit möglich ist!

Ohne Hass, eher sehr sachlich schildern sie die unmenschlichen Zustände, unter denen sie in Frankfurt/O. arbeiten mussten. Dabei werfen sie „die Deutschen“ nicht in „einen Topf“, was ja nicht verwunderlich wäre nach diesen Erlebnissen, sondern unterscheiden sehr wohl zwischen „Faschisten“, dem unmenschlichen Meister, der offenbar seine sadistischen Züge durch Prügeln auslebte, und anderen Menschen, die es auch noch gab, die nämlich zu helfen versuchten! (Mich erinnert das an Erlebnisse auf Polenreisen in meiner Studentenzeit, als unser Bekannter in Warschau uns die Schandtaten der „Hitlerowski“ anhand der Gedenktafeln überall im Stadtbild zeigte, uns „Nachgeborenen“ aber freundschaftlich zugewandt war. Auch dies habe ich damals schon als Akt der Versöhnlichkeit erlebt!)

So haben diese Frauen drei Jahre lang Sklavenarbeit leisten müssen unter KZ-ähnlichen Bedingungen, geführt als „Nummern“, mit miserablem Essen, ohne Lohn und in ständiger Sorge um ihre Existenz. Diejenigen, die dieses Martyrium lebend überstanden haben, kehrten, oft gesundheitlich dauerhaft geschädigt, in eine Heimat zurück, die sie nicht mit offenen Armen empfing. Denn in der Sowjetunion unter Stalin wurde ihnen mit großer Skepsis begegnet, ob sie nicht mit den Deutschen kollaboriert hätten… Ein mühevolles Leben!

Inzwischen sind die Frankfurter von zwei der betroffenen Frauen in die Ukraine eingeladen worden und haben diese 2009 auf einer einwöchigen Reise besucht.

Matthias Dörr, einer der Initiatoren des Projekts, bewertete die bisherigen Bemühungen in einem Rundbrief zum Jahresende 2009 mit den folgenden Worten:

Ich hatte vor drei Jahren den großen Wunsch, einem Menschen, der als Zwangsarbeiter in meiner Stadt sein musste, die Hand zu reichen. Dies habe ich geschafft. Was bleibt? Ist dies alles nur Geschichte? Ich merke, dass nur über diese Handreichung heute Frieden in der Zukunft möglich sein wird.

Ich selbst möchte diesen kleinen Bericht mit dem Gruß von Antonia M. aus der Briefe -Dokumentation beschließen. Er hat mich sehr beeindruckt, denn sie hat ein so großes Herz!!

Ich danke Ihnen, Matthias, dass sie uns, die ehemaligen Zwangsarbeiter, nicht vergessen haben. Sie möchten der Jugend die Wahrheit erzählen über das Leid, das die Faschisten uns gebracht haben, uns 3 Jahre unserer Jugend gestohlen haben und unsere Gesundheit. Gebe Gott Ihnen Gesundheit und Glück. Möge Frieden sein, niemals mehr sollen unsere und Eure Leute den Krieg erleben müssen.

Mit den besten Wünschen Ihnen A.M.



Hinweise:
Evangelische Jugendarbeit im Kirchenkreis An Oder und Spree, Steingasse 1a, 15230 Frankfurt/O. , Tel. 0335-5563135.