Montag, 30. November 2009

www.steuer-gegen-armut.org

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Eine breite Gruppierung, ausgehend von kirchlichen Gruppen über Attac bis hin zu den Gewerkschaften, ruft gemeinsam dazu auf, auf der oben genannten Website eine Petition mit zu unterzeichnen, die dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages vorgelegt werden soll.


Kommen bis zum 3.12. mindestens 50.000 Unterschriften zusammen, so muss sich der Bundestag in einer Anhörung damit befassen, wie es um die Einführung einer Börsen-Finanztransaktionssteuer steht. Unter dem Namen „Tobin-Steuer“ ist dies eine der Gründungsforderungen von Attac, aber alle anderen haben sie sich jetzt auch zu eigen gemacht.


Mit einem geringfügigen Steuersatz von z.B. 0,01 Prozent würde dann jeder Börsenumsatz besteuert. Das könnte die rasanten Börsentransaktionen etwas abbremsen, sozusagen als Krisenvorsorge für die Zukunft, gleichzeitig würden die Verursacher der Krise mehr als bisher an den Kosten beteiligt und außerdem stünde so plötzlich Kapital zur Verfügung, z.B. zur Bekämpfung der Armut auf der ganzen Welt, ein Anliegen besonders der kirchlichen Unterzeichner dieses Aufrufs! Es ist die Sprache davon, dass eine solche Steuer in Deutschland allein bereits 10 Milliarden € jährlich erbringen könnte.


Angela Merkel war zeitweilig, zu Hoch-Zeiten der Krise, durchaus angetan von solchen Vorschlägen. Beim Koalitionsvertrag dürften die Marktradikalen besonders aus der FDP aber wieder so gebremst haben, dass nichts mehr von dieser Steuer drinsteht.


Umso mehr ein Grund, sich an dieser Petition zu beteiligen! Es ist eilig! Letzter Termin ist der 3.12., also der kommende Donnerstag!

Schweizer Minarette

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Die neuesten Nachrichten aus der Schweiz: Die Schweizer haben in einer Volksabstimmung beschlossen, dass keine Minarette in ihrem Land gebaut werden dürfen und „outen“ sich damit offen als fremdenfeindlich bzw. zumindestens als integrationsunwillig. Die konservative populistische Kampagne hat gesiegt! Das Plakat, das jetzt in allen Zeitungen auf der Titelseite stehen dürfte, hat seinen Beitrag geleistet und den Menschen Angst gemacht. Wie Raketen stehen darauf Minarette, so dass man den Schweizer Boden kaum noch sehen kann. Dabei ist diese Bildersprache übel aufhetzend (ich verkneife mir schlimmere Ausdrücke) und völlig an der Realität vorbei. Wie ich gerade in einem Kommentar hörte, gibt es in der gesamten Schweiz bisher lediglich vier Minarette, das Plakat zeigt allerdings auf engstem Raum bereits sieben. So kann man lügen, wenn man auf Stimmungsmache aus ist!!!


Aber seien wir ganz bescheiden. Was die Schweizer da produzieren, ist wahrscheinlich ihre Form von „Sarrazin-Debatte“, nur dass sie dort gleich in Gesetze einmündet. Gott bewahre uns davor, bei uns in Deutschland in ähnlicher Form einschneidende Ordnungen verabschieden zu können! Ich habe viel Sympathie für bürgernahe Entscheidungen und würde immer die Beteiligung der Basis einfordern, aber die Väter des Grundgesetzes waren vorsichtige Leute und haben wohl geahnt, wie groß die Gefahr wäre, dass bei uns sogar vorhandene Minarette wieder abgerissen werden müssten, nach dem nächsten spektakulären Kindermord die Todesstrafe wieder eingeführt würde und es eine – wahrscheinlich aussichtsreiche – Kampagne dafür gäbe, bei Missbrauch von Hartz-IV-Leistungen die Sünder für eine gewisse Zeit in ein Arbeitslager zu überstellen. Vernünftige Entscheidungen sind die eine Seite – brodelnder Volkszorn die andere. Und es gibt sicherlich auch hierzulande hinreichend viele Demagogen, die auf der Klaviatur von „Volkes Stimme“ hervorragend spielen können und ihre geheimen wahren Interessen so verpackt gerne durchsetzen möchten.


Es ist ein Dilemma mit der Vernunft!

Ratlos zwischen den Fronten

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Zum aktuellen Kampf gegen die Linksfraktion in der neuen Brandenburgischen Regierung


Wie gut, dass ich ein „Wessi“ bin! So habe ich bei dem merkwürdigen „Schauspiel“, das gerade bei uns in Brandenburg aufgeführt wird, wenigstens den Vorteil, dass ich durch meine Lebensgeschichte nicht involviert bin, weder in die eine noch in die andere Richtung. Aber es geschieht um mich herum, prägt die Stimmung hier im Lande und lässt mich um die soziale Zukunft unseres Landes bangen.


Versuche ich, Stellung zu beziehen, geht es mir schließlich wie dem Rabbi aus dem letzten blog, der versuchte, alle widerstreitenden Parteien zu verstehen und ihnen gerecht zu werden und der wahrscheinlich am Ende allein im Regen dastand (die Geschichte bricht zwar schon vorher ab, aber ein solches Ende ist nicht unwahrscheinlich!).


Für viele Positionen der Linken habe ich große Sympathie, für ihren Pazifismus und ihr Eintreten für die sozialen Belange gerade „der kleinen Leute“, die ihr besonders am Herzen liegen. „Sozialismus“ ist für mich kein Schimpfwort, aber auch kein Glaubensbekenntnis, ein starker Sozialstaat jedoch eine „conditio sine qua non“ (d.h. eine nicht aufgebbare Forderung)! Hätte Oskar Lafontaine seinen Standort und Einfluss in der SPD alten Zuschnitts behalten, könnte ich mich auch dort wiederfinden, aber das ist Historie …


Dem stehen entgegen die ganzen leidigen Stasi-Verstrickungen von Parteimitgliedern der Linken, die z. Zt. entweder hoch kochen oder hoch gekocht werden. Die regelrechte Wut, die für mich aus manchen Äußerungen spricht, macht für mich deutlich, wie wenig unmittelbare Vergangenheit bisher wirklich verarbeitet worden ist, so als würde jede Enttarnung oder Vermutung in diese Richtung Schorf von einer nicht richtig verheilten Wunde aufreißen.


Ich denke, es gibt hierzulande zu viele Betroffene unter denjenigen, die älter als 20 Jahre sind, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung: Schuld, Verletzungen, Unausgesprochenes, Hingenommenes, Mitgetragenes stehen noch zwischen den Menschen. Und alle müssen weiterhin miteinander leben, denn es geht ja nicht nur um das Problem einer kleinen Minderheit, dafür waren zu viele Menschen betroffen. Wer sich zu Worte meldet, muss heutzutage etwas aushalten können, auch Prügel einkalkulieren. Vieles davon dürften die Folgen des Einigungsvertrages sein, in dem eine klarere juristische Aufarbeitung dieses dunklen DDR-Kapitels ausgeschlossen wurde.


Neben diesen speziellen DDR-Nachklängen werde ich aber auch den Eindruck nicht los, dass das Stasi-Thema mit Freuden ausgeschlachtet wird, um der Linken und den von ihr vertretenen Positionen zu schaden, ebenso denjenigen Sozialdemokraten, die einen integrativen Kurs versuchen. Sozusagen Opposition und Stimmungsmache mit der Stasi-Brechstange und Argumenten, als würde jetzt erneut der Klassenkampf ausbrechen und die alte DDR wiedererstehen. Tummeln sich da nicht auch vielleicht noch manche verspäteten „kalten Krieger“? Ich habe ein großes Unbehagen, ob nicht vieles hauptsächlich deshalb geschieht, um gesellschaftliche Macht zu bewahren und soziale Veränderungen in Richtung einer „linkeren Politik“ zu hintertreiben. (Dabei sind wir meilenweit davon entfernt …)


Es ist gut, dass ich keiner Partei angehöre! Das gibt mir viel Freiheit zu eigenem Denken, macht aber gleichwohl auch „heimatlos“ und ergibt weniger Perspektiven. Aber ich würde wahrscheinlich überall anecken und stets Minderheitsmeinungen vertreten. Die SPD hat mit ihrem „Basta“-Übervater Schröder und dem ihm assistierenden großen Regierungskader durch die unsäglichen Hartz-Gesetze massiv an meinen sozialen Vorstellungen gesägt. Ich kann ihr für die Zukunft nicht mehr so schnell Vertrauen schenken. Den Grünen habe ich es seinerzeit sehr übel genommen, dass auch sie prominente Vertreter hatten, die lauthals neoliberale Positionen einforderten und dafür Reklame in einigen der von der Industrie finanzierten „Gruppen für Deutschland“ machten. Und die Linken? Neben den jetzigen Querelen erinnere ich mich daran, dass Stadträte der Linken in irgendeiner ostdeutschen Großstadt der Privatisierung des Wohnungsbesitzes der Stadt zugestimmt haben. Das ist Zuarbeit für irgendwelche „Heuschrecken“, auch wenn sie dadurch zur Entschuldung des Haushaltes beitragen wollten.


Nie zufrieden!? Vielleicht aber auch eine gute Eigenschaft!


Sonntag, 29. November 2009

Die Weisheit des Rabbi

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Eines meiner Lieblingsbücher ist die Sammlung jüdischer Witze von Salcia Landmann. Aber auch in anderen Quellen habe ich schöne Beispiele für diese besondere Form von Humor entdeckt, der mich in irgendeiner Weise sehr anzieht. Ich kann das Motiv dafür nicht klar benennen, aber in ihrer Art und Weise haben diese Witze etwas Unnachahmliches. Sonst kenne ich ähnliche Phänomene nur noch bei Klezmer-Stücken auf der Ebene der Musik, immerhin derselbe Kulturkreis! Wahrscheinlich ist es ein besonderes Merkmal dieser Witze, dass sie sich nicht wie sonst so üblich über andere Menschen lustig machen oder auch über andere Bevölkerungsgruppen erheben, sondern sie haben oft etwas Selbstreflexives und dadurch Bescheidenes, sie prunken mehr mit ihrer Intelligenz als mit irgendwelchen Grobheiten.


Und sie haben manchmal auch etwas Mehrschichtiges. Bei der folgenden Geschichte habe ich früher den Kopf geschüttelt und mich über den Rabbi lustig gemacht, dem ich mich als Verfechter der „reinen Wahrheit“ überlegen wähnte. Immerhin habe ich aber diese Geschichte nie vergessen. Als sie mir jetzt wieder in den Sinn kam (vgl. meinen Folge-blog!), hatte ich einen neuen Eindruck, nämlich dass der Rabbi der Geschichte der Weiseste und Bescheidenste von allen ist, mit klarem Wissen um die Grenzen seiner Urteilsfähigkeit.


Ich will meine armen Leser aber nicht weiter auf die Folter spannen und stattdessen die Geschichte zum Besten geben:


Das Urteil


Zwei Juden hatten einen Streit und kamen zum Rabbiner. Der Rabbi hörte den einen an und sagte:

„Du hast recht.“

Dann hörte er den anderen an und sagte: „Du hast recht.“

Daraufhin fragte ihn seine Frau:

„Wie kommt es, dass du den beiden zerstrittenen Seiten recht gibst. Entweder die eine oder die andere Seite kann nur recht haben.“

Darauf der Rabbi:

„Du hast auch recht.“


Gefunden in: Alexander Drozdzynski: Jiddische Witze und Schmonzes. – Augsburg: Weltbild 2001. S. 88-89.

Mein Motto für den Monat Dezember 2009: was wirkt

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Die größte Stärke

erwächst aus

Sanftheit.


Anonym / unbekannt


Ich habe keine weiteren Angaben, mögen die Worte auch so wirken!

Wieder einmal Weihnachten ...

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Die Zeit rennt. An nichts merke ich es so deutlich wie an Weihnachten. Ein Jahr mehr an Erlebnissen - und ein Jahr weniger an meinen langsam (?!) schrumpfenden Vorräten. Dabei bin ich schon so knausrig mit meiner Lebenszeit geworden, die ich als junger Mensch freizügig hinaus verschenkt habe. Aber es war ja immer schon so in unserer Marktwirtschaft: was knapp ist, steigt im Preis, wenn es denn eine halbwegs ansprechende Qualität aufweist!

Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber an der Wiederkehr von Weihnachten und allen seinen immer wiederkehrenden Zeremonien und auch am Wetterwechsel zum Winter hin (auf den aber in zunehmendem Maße weniger Verlass ist), merke ich das Älterwerden viel stärker als an meinem Geburtstag. Es ist ein nachhaltigerer Einschnitt für mich in jedem Jahr.

Etwas Besonderes bleibt dabei für mich an diesem Fest, anders als an allen anderen im Jahr. Ich denke, Kindern geht es oft ähnlich. Und all denen, für die das kommerzielle Drumherum langweilig ist. Ich finde es von Jahr zu Jahr langweiliger ...

Als ich noch in die Schule ging (als Dozent ...), habe ich gerne leicht "schräge" und auch fromme Weihnachtsgeschichten auf den beliebten Weihnachtsfeiern in den Klassen vorgelesen. Manchmal hörten mir die Leute auch noch zu, einige sogar sehr gern. Davon habe ich in meinem blog bereits im Vorjahr berichtet, auch meine Lieblingstexte ins Netz gestellt. Schade, dadurch geht mir in diesem Jahr etwas "der Stoff" aus!

Ich möchte mich nicht wiederholen. Für meine Leserinnen und Leser, die sich dennoch für meine Auslassungen zu Weihnachten interessieren, habe ich alle einschlägigen Texte mit dem Label "Weihnachten und Neues Jahr" gekennzeichnet.Sie sind durch Anklicken dieses Labels auf der linken Spalte in meinem blog leicht hintereinander aufrufbar. Niemand muss sie mühsam suchen, der sie noch einmal lesen möchte. Viel Vergnügen oder Besinnen bei Wolfdietrich Schnurre, Robert Gernhardt und Selma Lagerlöf!

Mittwoch, 25. November 2009

Wir Pädagogen-Sklaven

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Einmal in seinem Leben pädagogisch „aktiviert“, als Lehrer, Dozent, Erzieher, Weiterbildner, Mama und Papa aus Überzeugung (die allerdings manchmal erst aus der Notwendigkeit erwächst) – es lässt einen nicht mehr frei und hängt einem wahrscheinlich bis zum Lebensende an. Und macht sicherlich einen Unterschied zu anderen Menschen, die in anderen Lebensbereichen ihre Prioritäten suchen. Finanziell eher wackelig (Erzieher zu werden kann ich mit gutem Gewissen keinem jungen Menschen empfehlen, für den Karriere und hohes Einkommen wesentliche Werte sind), trösten sich alle Pädagogen mit dem Bewusstsein, eine besondere Tat zu vollbringen und durch die Erziehung und Belehrung ihrer jeweiligen Zöglinge (die ja durchaus auch schon ein höheres Alter erreicht haben können und dann besonders dankbare „Opfer“ sind, die disziplinarisch keine Probleme mehr machen), einen Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt zu erbringen, der eh’ so wertvoll ist, dass das eher mickrige Entgelt nicht so schmerzt. Jeder kann aus diesen Zeilen ersehen, dass ich „vom Fach“ bin…


Mit diesem Zusatzlohn „auch ich gehöre zu dieser besonderen Gruppe von Menschen“ versehen, der mich mein eher schmales Portemonnaie immer ertragen ließ, habe ich bis vor kurzem gut gelebt. Aber dann hat mich mein lesewütiger kleiner Sohn geschockt. Er ist auf Erdkunde und Geschichte spezialisiert. So las ich ihm vor wenigen Tagen aus seinem „bunten Wörterbuch Geschichte“ etwas über die Kultur der alten Griechen vor.


Ich musste meine Brille zweimal putzen, aber dort stand doch wirklich (mit wunderhübschen Bildern illustriert):



Die Schüler


Nur die Jungen der reichen Bürger gingen zur Schule. Dort wurden sie auch in Sport und Musik unterrichtet. Die Mädchen blieben zu Hause.


Der Sklave, der das Kind zum Unterricht begleitete, hieß Pädagoge.


Nun wissen wir’s! Es ist heraus! Abgesehen von der elitären Bildung für wenige (aber wer heute etwas auf sich hält – und es sich leisten kann -, gibt ja auch wieder sein Kind auf eine Privatschule, um es vor überfüllten staatlichen Klassen und ?!? fragwürdigen Mitschülern zu retten…) und des Umstandes, dass da in Griechenland noch ein großes Betätigungsfeld für Feministinnen gewesen wäre, ist die dienende Rolle des Pädagogen ja hervorragend beschrieben. Pädagogik-Sklaven aller Länder, befreit euch und fordert eine bessere Bezahlung und gesellschaftliche Anerkennung eurer Knochenarbeit!!!


(Das Zitat habe ich entnommen dem Buch: Dein buntes Wörterbuch Geschichte. Idee: Emilie Beaumont. Text: Marie-Renée Pimont. – Köln: Fleuros Vlg. 2005. S. 28.)