Montag, 22. Februar 2021

Schatten

Anderen ihren Schatten zu zeigen, ist viel einfacher, als über den eigenen zu springen.

Dienstag, 9. Februar 2021

Die Geschichte der Psychologie im Spiegel meines schlechten Gedächtnisses

 


Was soll das miteinander zu tun haben? Ganz einfach: Es ist mir ein Ärgernis, dass mir der Name eines Psychologen und seine eindrücklichen Formulierungen nicht mehr einfallen, gerade weil sie mich sehr beeindruckt haben und es schon mehrere Gelegenheiten gegeben hätte, bei denen ich sie gern als Argument eingebracht hätte. Und das bei meiner Vorliebe für Zitate und Gewährsleute …

 

Es geht um den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Strömungen, dem „Zeitgeist“, und den von ihm durchaus mitgeprägten Grundannahmen psychologischer Theorien, die zwar nicht einfach „ungültig“ werden, wenn ein anderes Denken im Vordergrund steht. aber doch „modischen Schwankungen“ in ihrer Anwendung und ihrer allgemeinen Akzeptanz unterliegen.

 

Mein Gewährsmann, dem ich hiermit Abbitte leisten möchte, zeigte in einer brillanten kurzen Formulierung auf, wie in allgemein eher liberal geprägten Zeiten, in denen die Gesellschaft bereit zu Neuerungen und Veränderungen ist, auch in der Psychologie Ansätze vorherrschen, die  Lernen, Veränderungsmöglichkeiten, soziale Beziehungen und Kommunikation in den Fokus stellen. Wenn sich aber die Zeiten verdüstern, die Unsicherheiten zunehmen und autoritäre Strukturen im Vormarsch sind, änderte  sich auch die Vorliebe für die Auswahl von Erklärungsmodellen, Biologie und Genetik wären dann „erste Wahl“.

 

Stimmt’s? Oder bin ich zu pessimistisch?  

 

 

Samstag, 6. Februar 2021

Wir irren vorwärts

"Wir irren vorwärts" hat Robert Musil (1880 - 1942) gesagt.

Was  könnte  die z.T. manchmal hilflos anmutenden Versuche, Corona in den Griff zu bekommen, besser charakterisieren!? Rückwärts lässt sich dann alles gut kritisieren - und im besten Fall etwas für die Zukunft lernen. Dieses sicherlich nicht zufällig gerade jetzt ausgewählte Zitat habe ich als "Schlussstein" im Publik-Forum 1/2021 v. 15.1.21 gefunden.

Sonntag, 17. Januar 2021

Sandkorn im Weltall

In einem religiösen Text über den "Stern von Bethlehem" findet sich zusammenfassend eine Stellungnahme  zum Leben auf der Erde, der ich mich sehr gut anschließen kann:  

Der Blick in die Sterne macht demütig. Wir befinden uns auf einem Sandkorn inmitten Milliarden von Galaxien. Die Astronomie zeigt klar, dass Leben im Weltall eine absolute Randerscheinung ist, und sie verdeutlicht uns damit die Verantwortung für diesen Planeten. Angesichts eines mit Sternen übersäten Himmels können wir gar nicht innig genug an Gottes Liebe zum Leben glauben.

Diesen Schluss zieht der Autor dieses Berichts, ein Benediktiner aus der Abtei Münsterschwarz. Auch ohne göttlichen Bezug zeigen diese Sätze das Besondere der Existenz der Menschen auf dieser Erde: Wir leben auf einem "Sandkorn" in einem ebenso winzigen Zeitabschnitt. Was der Menschheit bleibt, ist Solidarität für eine vernünftige Gestaltung dieses Lebensraums für alle, die da sind und die noch kommen werden, denn wir werden in näherer oder - bei guter "Pflege der Ressourcen" - etwas späterer Zeit sowieso wieder verschwinden. Das wird das Weltall kaum berühren... Angesichts dieser Rahmenbedingungen erscheint mir das Macht- und Prestigegerangel von Potentaten und nationalistisch  eingestimmten Bevölkerungen schlicht und ergreifend als albern und tölpelhaft. Die Weltgeschichte wird darüber hinweggehen und alles dem Vergessen übereignen. Dieses Wissen ist die unausweichliche Basis für alle menschliche Ethik, die wirklich die Lebenschancen von Menschen verbessern und absichern will.  

Quelle: Christoph Gerhard OSB: Wem der Stern aufgeht. - In: Publik-Forum 24/2020 v. 18.12.2020. S. 56 - 57.

  

Sonntag, 10. Januar 2021

Intelligenz in Krisenzeiten

In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen,

Idioten suchen nach Schuldigen.

 

Loriot (1923 - 2011) 


Diesen wunderbaren Ausspruch fand ich als "Schlussstein" im Publik-Forum 9/2020.

Samstag, 9. Januar 2021

Vogelschiss versus kleiner Pups

Wenn Herr  Gauland das Wirken Adolf Hitlers in der Deutschen Geschichte als "nicht mehr als ein Vogelschiss" bezeichnet, dann ist seine eigene Wirkung in einer vergleichbaren Dimension wohl nur der "Bruchteil eines Pups". Ob er mit dieser Würdigung seiner Lebensleistung zufrieden ist?

Samstag, 8. August 2020

Die psychische Langzeitwirkung des II. Weltkriegs

In meiner Studentenzeit in den 70er Jahren waren  Traumata kaum ein Thema. Ich las allerdings über die Alpträume von Holocaust-Opfern. Später wurde über traumatisierte US-Soldaten aus Vietnam berichtet. Danach löste sich der Bann und auch über die ungeheuren Leiden der deutschen Zivilbevölkerung im II. Weltkrieg gab es nun Berichte und Analysen.

Im gleichen Sinn werden heute auch die Leiden der Menschen in früheren und anderen Kriegen und in Katastrophenzeiten als Trauma anerkannt.

Eine wirkliche Bearbeitung scheint aber nur zeitversetzt möglich zu sein, weil die zunächst Betroffenen nur zu oft ins Schweigen verfallen sind.

Im Hinblick auf den II. Weltkrieg gibt es nun mittlerweile eine größere Reihe von Büchern, die sich Kriegseltern, -kinder und -enkeln widmen und deutlich machen, dass nicht bearbeitete Auswirkungen der Kriegsereignisse in ihrer prägenden Kraft noch Generationen später wirksam sein können.

Einen dieser Titel möchte ich jetzt vorstellen:

Matthias Lohre: Das Erbe der Kriegsenkel.  Was das Schweigen der Eltern mit uns macht. - München: Penguin 2018. (1. Ausgabe Gütersloh 2016).

In einer sehr persönlichen Weise, in der Lohre seine Familie darstellt, seine Spurensuche bei der Erforschung der Familiengeschichte und sein eigenes Erleben, verbunden mit den Erkenntnissen aus einer eigenen Psychoanalyse, zeigt der Autor exemplarisch die Auswirkungen der Kriegszeit über die Generationen hin  bis heute, gestützt von einer fundierten Wiedergabe einschlägiger Fachliteratur. Und zeigt auch seinen persönlichen Weg, den "Nebel" der Familienatmosphäre, unausgesprochene aber sehr wirksame Erwartungen der Eltern und einen Leistungsethos, in dem alles bei ihm gipfelte, zu erkennen und gegenzusteuern. ("Überwinden" halte ich für einen Euphemismus, solche tiefen Spuren dürften Lebensschicksal bleiben.)

Diese Analyse erweitert für mich den Hintergrund, auf dem ich noch einmal über meine eigene Kindheit als Flüchtlingskind (Jahrgang 1947) nachdenken kann und meine Eltern und meine Familie in einem erweiterten Licht sehe: meinen schweigsamen Vater und meine emotional wahrscheinlich sehr überforderte, ängstliche Mutter, die mir immer die Botschaft vermittelte, als "Sonnenscheinchen" der Familie doch bitte keine weiteren Probleme hinzuzufügen. Dazu der Heimatverlust meiner Eltern, die nie in Schleswig-Holstein wirklich heimisch wurden, so dass ich mich dort in meiner Kindheit ebenfalls immer etwas fremd gefühlt habe - bis ich nach der Wende jetzt in Brandenburg lebe, der Herkunftsgegend meiner Sippe, und erstmalig in meinem Leben nach vielen Umzügen das Gefühl habe, heimisch geworden zu sein.

Mein Dank an Matthias Lohre und die Offenheit in seinem Buch!


Ich sehe allerdings auch ein Problem: Lohre leitet seine Lebensproblme fast monokausal aus dieser Kriegs-Eltern-Problematik her. Ich denke, dass es da eine größere Zahl weiterer Ansätze / Bezugsgrößen gibt, wie ich sie über viele Jahre in verschiedenen Formen von Psychotherapie praktisch und theoretisch sehen und erleben konnte. Alles, was ich über Matthias Lohre erfahren und nacherleben konnte, ist aber ein wesentlicher erhellender Baustein, der mein Bild von mir und meinem Werden vervollständigt.

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Nachsatz zum Phänomen des Schweigens:

Offenbar ist die jeweils von derartigen Ereignissen/Umwälzungen direkt betroffene Generation noch nicht bereit oder fähig, ihre Erlebnisse in Offenheit zu verarbeiten. Und ihre Nachfolger/innen haben das zu "verdauen". Ob es nicht vielleicht mit weniger kriegerischen aber doch umgreifenden Umwälzungen, die das bisherige Leben umkrempeln, ähnlich sein wird? Ich denke an die Langzeitwirkungen der friedlichen Revolution von 1989. Die Kinder und Enkel dieser Zeitenwende werden auch daran "zu verdauen" haben, nicht nur die damals Erwachsenen, über deren Erleben bisher nicht sonderlich viel zu hören ist. Vielleicht gibt es darüber später auch einmal Literatur - von den Kindern und Enkeln!