Freitag, 5. November 2010

Lieblingszitate CXXXXV: Bert Brecht und die Wurzeln der menschlichen Existenz

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Fast mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass ich diese Keuner-Geschichte von Bert Brecht, die mir besonders viel bedeutet und die mir schon seit langer Zeit ein guter Ratgeber war, noch nicht in meinen blog gestellt habe. Ich hole es heute nach!

Die Frage, ob es einen Gott gibt

Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: „Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir diese Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.“

Bert Brecht, Geschichten vom Herrn Keuner

[In meiner Sammlung seit dem 19.3.1983.]

Donnerstag, 4. November 2010

Kleine Lebensweisheiten II

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Ein "Bitte" öffnet Tore und Türen.

Ich erinnere mich an meine Grundschulzeit. Meine Klassenlehrerin, die ich sehr liebte, hatte uns zusätzlich zur Fibel noch Lesehefte besorgt, in denen "pädagogisch wertvolle" kleine Geschichten standen. So würde ich es heute sehen. Immerhin hat eine es davon "zum Ohrwurm" geschafft, und ich werde sie mein Lebtag nicht vergessen:

Inmitten der Landschaft steht eine große und sehr reiche Stadt, die die Begehrlichkeit aller in der näheren und weiteren Umgebung weckt. Aber noch niemandem ist es gelungen, egal wie groß der Heerestross auch war, in sie hineinzukommen und sie in Besitz zu nehmen. Denn die Stadt hat wehrhafte Bürger und starke Befestigungen. Kommt ein Feind, so schließen die Bürger das Stadttor und ziehen die Hängebrücke über den Stadtgraben hoch. Bis eines Tages ein kleines Mädchen erscheint, sich vor die Stadt stellt und "bitte" sagt. Da lassen die Bürger die Hängebrücke herunter und öffnen das Stadttor. Was das Mädchen dann in der Stadt erlebt hat, weiß ich nicht, denn die Geschichte hört an dieser Stelle einfach auf.

Loslassen

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Ich hatte in meinem post von gestern ("innerer Friede") angekündigt, dass ich mich in der nächsten Zeit mit dem Thema "Loslassen" beschäftigen möchte. Hier folgen meine ersten Überlegungen! Es sind sozusagen die Ergebnisse eines brainstormings mit mir selbst.

Wenn ich einmal etwas über "Loslassen" gelesen habe, so ging es im weitesten Sinne immer um die Bereiche "Besitz", "Macht" und "Einfluss", oft mit meditativ-religiösem Hintergrund. Ein mönchisches und asketisches Dasein strebe ich allerdings als Folge dieser Reflexion nicht an, aber auch so fühle ich mich von vielen anklingenden Themen betroffen. Aktuell sind mir besonders die folgenden Punkte eingefallen:

  • Die Vorstellung loslassen, andere müssten meine Ideen und Einstellungen ebenso vernünftig finden wie ich: Auch wenn andere sie nicht teilen, brauche ich mich ihrer nicht zu schämen und kann sie weiterhin der Welt zeigen.
  • Loslassen der Erwartung, alle müssten mich lieben und akzeptieren, weil ich doch so ein zuvorkommender Mensch bin: D.h. auch wenn es Leute gibt, die mich nicht leiden können oder denen ich zutiefst gleichgültig bin, bleibt mein Wert für mich erhalten und ist nicht von der Anerkennung aller Welt abhängig.
  • Loslassen von dem Wunsch nach "Rache" für Kränkungen in der Vergangenheit: Ich muss niemand mehr "offene emotionale Rechnungen" für Ereignisse von früher präsentieren. Gestern war gestern und ist vorbei. Geschehenes ist geschehen und läßt sich um keinen Preis mehr aus der Welt schaffen. Aber die Bedeutung, die ich allem beimesse, kann sich ändern. So z.B. zehrt Groll nur an mir selbst und verhindert Frieden mit mir selbst und anderen. Wenn ich ihn aufgebe, kann ich aber mit Frieden im Herzen aus dem Vergangenen für die Zukunft lernen, indem ich mich um ein Verstehen bemühe, dadurch den Wiederholungszwang auflöse und bessere Möglichkeiten für neue Situationen suche.
  • Loslassen von all den Plänen, die ich früher einmal gefasst hatte, jedoch nie umgesetzt habe: Wenn ich mir eingestehe, dass sie sich auch in meinem weiteren Leben höchstwahrscheinlich nicht mehr verwirklichen lassen, und mich von ihnen verabschiede, so nimmt das einen enormen Druck von mir. Ich kann wieder freier atmen und behalte meine Kraft für das, was ich tatsächlich noch in meinem Leben in die Tat umsetzen könnte.
  • Loslassen von der Vorstellung, das Füllhorn meines Lebens sei unerschöpflich: So habe ich als junger Mensch noch gedacht und in diesem beruhigenden Gefühl vieles an Taten in die Zukunft verlegt. Tatsächlich ist alles, was ich jetzt nicht tue, vorbei. Wer weiß, ob ich eine weitere Chance zum Handeln bekomme, denn meine Lebenszeit ist begrenzt (und schrumpft immer mehr).
  • Loslassen der Vorstellung, ich müsste Macht und Einfluss über andere Menschen ausüben, um mich stark, anerkannt und sicher zu fühlen: Ich darf mich aus diesem Konkurrenzkampf zurückziehen.
  • Loslassen von der Illusion, ich könne das Wohlbefinden erwachsener Kinder kontrollieren und steuern: Sie haben ihren eigenen Kopf und rebellieren gegen meine Versuche.
  • Loslassen von dem Bestreben, nahe Angehörige in meinem Sinne "zu ihrem Besten" modeln zu wollen, denn ich bringe sie nur gegen mich auf (und anders herum würde ich es mir auch mit Nachdruck verbitten): Ich kann versuchen, sie zu verstehen und ihnen dieses Verständnis zeigen, vielleicht auch einen Rat erteilen und meine Hilfe anbieten, alles aber immer nur auf Wunsch und zur freien Verfügung und ohne emotionale Verpflichtung, sonst geht es schief.
Soweit für heute! Weiteres wird vielleicht folgen, denn wenn erst einmal "mein Gehirn eingeschaltet" ist, arbeitet es einfach weiter, sucht und findet wahrscheinlich auch noch andere Bausteine zum Thema.

Kleine Lebensweisheiten

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Dagegen sein ist einfacher als selber machen.

Mittwoch, 3. November 2010

Innerer Frieden

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Innerer Frieden – was ist das? Als ich mir dieses Thema am Anfang des Jahres als Idee für einen blog-Beitrag notierte, über den ich einmal genauer nachdenken wollte, hatte ich als begleitendes Stichwort noch „Selbstsicherheit“ aufgeschrieben.

Das ist sicherlich auch zutreffend: Innerer Frieden stärkt einen Menschen und lässt ihn deshalb sicherer werden und auch gegenüber der Umwelt erscheinen, denn da er in sich selbst ruhen kann, werden ihn äußere Ereignisse nicht so leicht umwerfen. Und wer – anders herum – echte Selbstsicherheit, keine aufgesetzte, angemaßte oder von irgendwelchen Autoritäten abgekupferte oder entliehene, erworben hat, festigt auch sein Inneres. Da er auf sich vertrauen kann, muss er sich nicht ständig vor irgendwelchen bösen Mächten abschotten und schützen, braucht also keinen ständigen aggressiven Abwehrschirm. Eine wichtige Voraussetzung für Frieden.

Jetzt möchte ich aber noch viel stärker die Frage in den Vordergrund rücken, wie ein Mensch zu einem solchen Zustand gelangen kann, der ihm Frieden verschafft und Sicherheit verleiht.

Ich glaube, dass dafür das Zauberwort „loslassen“ ist, loslassen, um gelassen werden zu können. Wahrlich eine Fragestellung, die schon viele größere Geister beschäftigt hat, von denen ich lernen möchte. Wenn ich mich also damit in der nächsten Zeit an dieser Stelle auseinandersetzen werde, kann niemand unbedingt originelle neue Einsichten von mir erwarten, nur meine eigene Annäherung an dieses Thema, das in meinem Leben mit zunehmendem Alter immer mehr ansteht.

Ostfriesennerz für die Seele

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Humor bedeutet Vitamine für die seelische Gesundheit! Deshalb stelle ich heute meinen "Ostfriesennerz für die Seele" vor. Ziehe ich ihn über, perlen böse Worte, Anschuldigungen und ungerechtfertigte Kritik wie ein Regenguss leichter von mir ab und ich bleibe in Frieden mit mir.



Ich bin frei.

Ich lebe mein Leben.

Ich bin in Frieden mit mir selbst.


Montag, 1. November 2010

Mein Motto für den Monat November 2010

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Am 30. Januar verstarb Ruth C. Cohn, eine der berühmtesten Gruppendynamikerinnen, der wir die TZI (Themenzentrierte Interaktion) verdanken, im schon fast biblischen Alter von 97 Jahren. Wie oft habe ich Schülern ihre Grundregeln erklärt. „Störungen haben Vorrang!“ ist wie ein Ohrwurm, auch wenn sich – trotz Kenntnis – viele Leute in der Praxis zu ihrem eigenen Schaden kaum daran halten.

In der ZEIT v. 4.2.2010 fand ich eine große Traueranzeige mit einem schönen Zitat dieser Pionierin. Das ist nun schon wieder einige Monate her. Aber einen großen Geist dürfte eine solche Verzögerung nicht stören. Darum soll dieser Vers Ihr zu Ehren das neue Monatsmotto für den November sein!


Zu wissen, dass wir zählen

mit unserem Leben

mit unserem Lieben

gegen die Kälte

für mich, für Dich, für unsere Welt


Ruth C. Cohn