Dienstag, 2. März 2010

Campact-Kampagne gegen Kopfpauschale

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Eine der Kampagnen von Campact (vgl. meinen vorhergehenden blog-Eintrag!) möchte ich gleich noch näher vorstellen: Es geht um die "heilige Kuh" der Liberalen, nämlich die Kopfpauschale, die nach ihrem neoliberalen Konzept die bisherige solidarische Krankenversicherung ablösen soll. Damit wären die Liberalen bereit, ebenfalls eine "heilige Kuh", nämlich die der Gegenseite, die sich über Generationen hin bewährt hat, zu metzeln. Hintergrund sind somit auch ideologische Kämpfe um Glaubensgrundsätze der zukünftigen sozialpolitische Orientierung in unserem Land und Verteilungskämpfe um gewaltige Finanzmassen, die dann zusätzlich zugunsten der eh' schon reicheren Bevölkerungsschichten "von unten nach oben" verschoben würden. Der große Gewinner wäre die Versicherungs- und Finanzwirtschaft, die von den propagierten und dann dringend nötigen privaten Zusatzversicherungen profitieren könnte und entsprechend an einer Umsetzung dieser neuen Regelung interessiert ist.

Wehret den Anfängen !

Eine Aufforderung, sich an dieser Kampagne zu beteiligen, fand ich im Publik-Forum 3/10 v. 12.2.2010. Ich zitiere:

Schon wenige Tage nach Beginn der Kampagne hatten bereits 40.000 Menschen einen Aufruf der Initiative campact gegen die geplante Kopfpauschale im Gesundheitswesen und für eine solidarische Gesundheitsversorgung unterzeichnet. Der zuständige Minister Philip Rösler (FDP) beharrt auf der Einführung eines Einheitsbetrages für alle unabhängig vom Einkommen. Kritiker sehen darin eine Entlastung der Besserverdienenden zu Lasten der Geringverdiener.
Kontakt: www.campact.de. Das Unterschriftenformular finden Sie auf der Startseite.

Ich selbst habe heute ebenfalls diesen Aufruf unterzeichnet und kann nur allen Lesern nahelegen, sich meinem Beispiel anzuschließen!

Meine Link-Tipps III: Campact

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Lange habe ich keinen Link mehr meiner Liste im blog hinzugefügt. Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass ich nicht täglich stundenlang im Netz "surfe", mehr Gedrucktes als alter Dinosaurier lese als online.

Campact ist es aber wert, hier zu erscheinen! www.campact.de

Es handelt sich hierbei um eine Seite, die die Möglichkeit bietet, sich an aktuellen Internet-Kampagnen zu wichtigen politischen Fragen zu beteiligen und seine Stimme abzugeben für Appelle und Unterschriftenlisten. Da kommen dann schon einmal schnell mehrere 10.000 Stimmen zusammen und lassen Minister zusammenzucken, d.h. Campact bündelt in Geschwindigkeit Unmut und alternative Wünsche und lädt sie bei den Verantwortlichen auf den Tisch bzw. den Rechner.

Inhaltlich sehe ich manche Gemeinsamkeit mit Attac, es gibt wohl auch Mitarbeiter mit einer Doppelmitgliedschaft. Das wird offengelegt und jedermann kann sich auf der Seite über die Hintergründe der Beteiligten und über sachliche Rahmenbedingungen der Kampagnen informieren.

Aktuelle Kampagnen waren/sind:
  • Kopfpauschale in der Gesundheitspolitik stoppen
  • Menschenkette am 24.4. gegen die Aufkündigung des Atomausstiegs
  • Infos zur Klageschrift gegen die Entlassung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brendner
  • Klimaschutz und Protest gegen geplante Sparmaßnahmen bei der staatlichen Förderung der Wärmedämmung von Gebäuden

Mein Tipp: Ausprobieren!

"Biblische Strafen"

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Wir leben in einer aufgeklärten Zeit, Zusammenhänge zwischen Ereignissen auf der Welt und ihren Ursachen erklären die Naturwissenschaften oder die Politologie/Soziologie, je nach Problemlage.

Das war nicht immer so. Die derzeitige Häufung von Katastrophen (die Erdbeben in Haiti und in Chile, der monströse Sturm, der gerade über Europa hinweggezogen ist) hätten frühere Generationen vielleicht auch als "Strafe Gottes" aufgefasst, zumindestens als Warnung. Die "Ägyptischen Plagen", "Sodom und Gomorrha" und die "Sintflut" geben dafür uralte Beispiele für die Versuche der Menschen, dem Unheil um sich herum einen Sinn zu geben. Für die Schrecken im Mittelalter und der Zeit danach standen dann auch noch Ketzer und Hexen als Sündenböcke zur Verfügung.

Wohl uns, dass wir nicht mehr so irrational Sündenböcke abstrafen (aber vielleicht gibt es noch Fundamentalisten verschiedenster Prägung auf dieser Welt, die auch das recht gerne täten). Aber die Bescheidenheit der Früheren, ihre Ohnmacht einzugestehen und einmal darüber nachzudenken, wie sie leben und ob man da nicht auch manches anders gestalten könnte angesichts der Bedrohtheit allen Lebens auf dieser Erde, könnte als Impuls in der heutigen Zeit den Mächtigen und den ins Rechthaben Verbohrten weltweit auch nicht schaden ...

Joachim Bauer und die Gene

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Am 27.2. habe ich mich noch - halb belustigt, halb verärgert - über die neueste Forschungs-Überraschung aus Amerika ausgelassen, die Entdeckung des Stotterer-Gens! Ich bin dann eine genauere Angabe schuldig geblieben, welche Autoren heute im Bereich der Neurowissenschaften ganzheitliche Ansätze vertreten, die die einseitige Bevorzugung einer rein biologischen Sichtweise in Frage stellen. Das möchte ich an dieser Stelle nachholen.

Ich habe gerade eine Kurzbeschreibung des Buches von Joachim Bauer "Das Gedächtnis des Körpers" gefunden, die ich wegen ihrer Prägnanz einfach zitieren möchte:

Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern: Joachim Bauer zeigt, wie diese Einflüsse in unserem Gehirn zu biologischen Veränderungen führen und welche Konsequenzen dies für die Entstehung körperlicher und seelischer Erkrankungen hat. Der Neurobiologe macht deutlich: Gene sind Kommunikatoren und Kooperatoren, sie stehen in fortwährendem Dialog mit der Umwelt. Der Pseudogegensatz zwischen Genen und Umwelt gehört der Vergangenheit an. Bauers mittlerweile zum Klassiker der Gesundheitsliteratur avanciertes Buch liefert die Basis für ein neues Krankheitsverständnis.

(Quelle: Prospekt des Rothacker-Buchversands Frühjahr 2010 über: Joachim Bauer, Das Gedächtnis des Körpers, erw. u. akt. Neuausgabe 2010, Eichborn-Vlg; farbliche Hervorhebung im Zitat durch J.L.)

Montag, 1. März 2010

Lieblingszitate CVII


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Aus einer großen Gesellschaft heraus

Ging einst ein stiller Gelehrter zu Haus.

Man fragte: „Wie seid Ihr zufrieden gewesen?“

„Wärens Bücher“, sagt’ er, „ich würd sie nicht lesen.“


Goethe


Gefunden in: Kurt Franz: Lesen macht stark. dtv junior 7919.

(In meiner Sammlung seit dem 10.11.1980.)

20.1.2010

Mein Motto für den Monat März 2010

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Allen Politikern und sonstigen Akteuren ins Stammbuch, die ihre Taten nur noch von Quoten der Zustimmung des breiten Publikums abhängig machen und deshalb darauf schielen, möglichst gut "herauszukommen"! Wirksame Taten werden in der Folge immer seltener; streckenweise langweilt sich das "Publikum" dadurch aber auch sehr oder ist derart verdrossen, dass es überhaupt "Quote" verweigert. Das ist dann eine dritte Variante, die Storm vielleicht noch gar nicht kannte, denn in seiner Zeit musste noch jeder Einfluss im Staat gegen die Obrigkeit erkämpft werden und passive Verweigerer wird es deshalb kaum gegeben haben, wenn sich schon einmal eine Mitbestimmungsmöglichkeit bot. Dagegen ist das heutige Motto: "Lass' die doch machen, was schert es mich, ist doch wurscht, was passiert, bzw. es ändert sich ja sowieso nichts." Welchen griffigen Namen könnte man dieser Gruppe geben? (Ich schreibe dies noch im Ärger bzw. meiner Besorgnis angesichts meines vorhergehenden blog-Beitrags, man möge es mir verzeihen!)


Der eine fragt: Was kommt danach?

Der andre fragt nur: Ist es recht?

Und also unterscheidet sich

der Freie von dem Knecht.


THEODOR STORM


[In meiner Sammlung seit dem 11.9.1987. Eine Quelle habe ich mir damals nicht aber nicht aufgeschrieben. Vermutlich dürfte es einfach sein, diesen Vers wieder zu finden.]

Abbröckelnde Demokratie

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Gestern wurde in meinem Wohnort ein neuer Bürgermeister gewählt. Abgesehen davon, dass sich nicht gerade meine Wunschkandidaten für die Stichwahl qualifiziert haben, ist das erschreckende Ergebnis, dass sich mit 34,4% nur wenig mehr als ein Drittel der wahlberechtigten Bürger überhaupt an der Wahl beteiligt haben... Wie soll es bei einer derartigen Erosion des politischen Interesses mit der Demokratie in Deutschland weitergehen?

Dazu meine Stellungnahme an unsere Lokalpresse:


An die MOZ
Lokalredaktion FW
Betrifft: Bürgermeisterwahl FW am 28.2.10, Ihre Berichterstattung v. 1.3.10


Liebe MOZ,

ein trauriger Tag für Fürstenwalde! Die „mündigen Wähler“ verabschieden sich von Wahl zu Wahl scheibchenweise mehr von ihren Bürgerrechten. Ob ihnen klar ist, dass mit dieser Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit oder bewussten Abstinenz auch die demokratischen Grundlagen unserer Gesellschaft bröckeln? Denn welche Legitimation bleibt den „gewählten Vertretern“ noch, wenn der Schwund des öffentlichen Interesses so anhält? Das ist wesentlich schlimmer als der prognostizierte Schwund der Bevölkerung in allen demographischen Studien… Was kommt danach?

Mit freundlichen Grüßen JÜRGEN LÜDER, Fürstenwalde